Sonntag, 19. April 2009

Reitturnier der Stallknechte

Wie bitte kommt man denn auf die Idee ein Reitturnier für Stallknechte zu organisieren, wird sich an dieser Stelle der eine oder andere fragen. Es hat sich so ergeben, wäre die korrekte Antwort oder aber auch: Die Idee hat sich aus dem Blauen heraus entwickelt und ist zu einem wundervollen Event geworden.

Mein Reitlehrer, kurz auch nur Profe genannt, musste mich erst explizit darauf aufmerksam machen, dass die Jungs, die mir zweimal die Woche mein Pferd satteln, meist ohne Schuhe oder nur mit schäbigen Flip Flops oder anderen Schuhen in den Ställen arbeiten, bevor ich auf die Idee kam, die erhaltene Schuhspende für diejenigen einzusetzen, die mich direkt umgeben.















Da die gespendeten Schuhe vor allem in Schuhgröße 40 geliefert wurden, ich jedoch hauptsächlich mit Organisationen die Kinder betreuen in Kontakt bin, waren mir ein bisschen die Ideen ausgegangen, wo noch ein Event mit den Schuhen veranstaltet werden könnte. Der Anreiz meines Reitlehrers kam mir da gerade recht und hat sich zu einem wundervollen Event entwickelt, das unsere Erwartungen übertraf.
Eigentlich sollten nur unsere eigenen Stallburschen bei dem Turnier antreten, schnell verbreitete sich jedoch die Nachricht wie ein Lauffeuer und die Stallknechte aus anderen Reitschulen wollten auch mitmachen. Ein eigenes Pferd steht den meisten nicht zur Verfügung und es musste erst um Erlaubnis gebeten werden, um mit dem Pferd des Besitzers antreten zu können. An die 30 Teilnehmer konnten sich auf diesem Wege ein Pferd organisieren und sogar ein paar der reichen Besitzer selbst ließen sich bei diesem außergewöhnlichen Event blicken. Es war ein witziger Anblick diejenigen, die sich meist totlachen, wenn man beim Training mal vom Pferd fällt, selber mal beim Springen zu beobachten. Etwas holprig nahmen die meisten die Hürden, da sie selber nie mit den Pferden springen, sondern diese nur satteln, aufzäumen und säubern. Viel gelacht wurde auf jeden Fall und vor allem bei der Preisverleihung sah man einige sehr glückliche Gesichter, die zufrieden auf nagelneue Turnschuhe blickten. Natürlich bekamen alle Teilnehmer Turnschuhe, da es sich ja schließlich um einen Wohlfahrtsevent handelt, die ersten drei Gewinner durften jedoch zuerst aussuchen und bekamen zusätzlich noch einen Fußball!















Ein besonderes Highlight war ein Stallknecht, der einem Pferd ein paar Tricks beigebracht hatte. Bereitwillig legte sich dieses zu seinen Füßen auf den Boden und lies es ruhig über sich ergehen, dass er sich nicht nur auf das Pferd setzte, sondern sogar stellte und ihm anschließend ein paar Turnschuhe anzog.











































Traurig war nur, dass der Profe selber nicht zum Reitturnier antreten konnte, da er so beschäftigt war mit dem Stoppen der Zeit, dem Notieren der Fehler und der Bewertung der Teilnehmer. Ich selbst konnte es natürlich nicht lassen, aus Spaß auch an dem Turnier teilzunehmen und sehe deswegen auf den Preisverleihungsfotos etwas mitgenommen aus.
















Mit knallrotem Kopf überreichte ich den Gewinnern ihre Preise, noch völlig außer Atem. Ein paar besondere Gäste hatten sich auch eingefunden: Darunter Arnaldos Mutter, die mich auch mal Reiten sehen wollte und ein deutsches Einwandererpärchen, dass sich zu aller erst ein sehr merkwürdiges Fahrzeug in Paraguay kaufte, mit dem sie jetzt die Straßen unsicher machen. Auch mit dabei war eine Band aus Deutschland, die gerade Studioaufnahmen in Paraguay macht und natürlich die Vanessita!











Dienstag, 14. April 2009

Das Glück dieser Erde liegt auf dem Rücken der Pferde

Nur fliegen ist schöner. Dank dem lieben Ingo und dem Sportmodus seiner Superkamera, gibt es jetzt ein paar Fotos mehr von meinem absoluten Lieblingshobby. Die gute Alanis und ich sind mal wieder problemlos über jedes Hinderniss geflogen.
Nächstes Wochenende werden wir zwei Klassen höher wie bisher antreten. Mein Reitlehrer hat mich dazu überredet beim nächsten Turnier noch einmal anzutreten. Ich bin da dann doch immer etwas zögerlich, weil man fürs Reiten wirklich ein Vermögen ausgeben kann und diese Reitturniere das Teuerste von allem sind. Nun gut, ein bisschen Spass muss schliesslich sein......












Ein kleiner Besuch bei der anglikanischen Kirche!


-geschrieben und verfasst von Vanessa-

Die Anglikanische Kirche in Paraguay hilft dort, wo es am Nötigsten gebraucht wird. In Asunción, einer Stadt, in der die sozialen Unterschiede nicht deutlicher sein könnten, ist sie eine der vielen Organisationen, welche gegen das dort herrschende soziale Ungleichgewicht ankämpfen. Zwar sind die finanziellen Mittel meist knapp, dennoch setzt sich die Anglikanische Kirche mit Kontinuität und Geduld für all diejenigen Bewohner der Hauptstadt ein, die sich selbst kaum helfen können.

Neben kostenlosen Schulprogrammen, Essensausgaben – den so genannten Comedores- sowie seelischer und moralischer Unterstützung nicht nur in Glaubensfragen, wird viel unternommen, um denjenigen, die von wenig mehr als der Hand in den Mund leben, zu helfen.

Ein besonderes Angebot richtet sich an die zahlreichen Straßenkinder, die ihre Tage mit dem Verkauf von Obst, dem Waschen von Autos oder einfach bettelnd zubringen. In der Niederlassung der Iglesia Anglicana San Andrés im Herzen von Asunción, setzen sich Teresa de Maidana und ihr Mann Pastor Augustin mit ihrem Club ,,Esperanza Viva’’ seit 4 Jahren jeden 2. Samstag für zahlreiche Straßenkinder ein. Sie sorgen dafür, dass sich die zahlreichen schmutzigen kleinen Gestalten, die pünktlich um 8 vor den Toren der Niederlassung warten, bis nach dem Mittagessen in sauber gewaschene Kinder mit frischer Kleidung verwandelt haben.

Als sich die Pforten öffnen, strömen ca. 50 Kinder im Alter von 1-16 Jahren in den großen Innenhof. Die Ältesten tragen die, die noch zu jung sind, um selbst zu laufen, während die Älteren schon auf die wenigen Freiwilligen Helfer los stürmen. Insbesondere Teresa de Maidana ist sofort von den freudestrahlenden Kindern umlagert. Sie ist so sehr Bezugsperson, dass ihre Klingel an manchen Tagen auch nachts um 4 Uhr nicht still steht.

Nach der Begrüßung geht es sofort zum wichtigsten Ereignis des Tages: Dem Duschen. Kaum sind die Bäder geöffnet, wird lachend das Shampoo durch gereicht und wenn der alter Boiler wieder einmal kurz aussetzt, kann man lautstarkes Kreischen hören.
Sind dann auch die letzten Kinder trocken hinter den Ohren, gibt es erstmal ein ordentliches Frühstück. Bei Schokoladenmilch und belegten Brötchen kommen dann auch die Helfer einen Moment zum Durchatmen.

„Mittlerweile ist der große Andrang kaum mehr zu bewältigen’’, so Teresa de Maidana lachend. ,,Die Nachricht von Duschen, frischer Kleidung und einer festen Mahlzeit verbreitet sich unter den Kinder wie ein Lauffeuer.’’ Diese kommen meist aus den Chacaritas, den Armenvierteln der Stadt sowie dem nahe gelegenen Barrio San Pedro. Aufgrund der stetig wachsenden Kinderzahl, kann das Angebot, welches früher wöchentlich stattfand, momentan aufgrund der fehlenden Mittel und der wenigen Helfern, nur noch jeden 2. Samstag verwirklicht werden. Momentan fehlt es auch an einem Sozialarbeiter, der für ein kleines Entgelt die Kinder, welche kaum zur Schule gehen, bei ihren Familien trifft, um diese von der Wichtigkeit des Besuchs ebendieser zu überzeugen. Dies ist kein leichtes Unterfangen, da die Kinder durch ihre Arbeit meist zum Familienunterhalt beitragen müssen.

Nach dem Frühstück steht an diesem Samstag Malen auf dem Programm. Vielleicht nicht die günstigste Entscheidung, denn was als harmloses Blümchenmalen anfängt, endet nach einer knappen halben Stunde in einer Farbschlacht, von der weder die saubere Kleidung, die von Ehrenamtlichen aus simplen Stoffen und Schnitten genäht wird, noch die gerade geduschten Kinderkörper verschont bleiben. Für die ebenso dreckigen Helfer, scheinen strahlende Gesichter jedoch mehr als ausreichend zu sein, um einen erfolgreichen Vormittag mit einem kleinen Mittagessen abzuschließen.

Bei der anschließenden Spendenübergabe von 30 Paar Turnschuhen eines deutschen Sportartikelherstellers durch den Verein ,,Nueva Vida’’ wird klar, dass dies eine Ausnahme zu sein scheint. Neben einer Kleiderspende in Form von 60 Schuluniformen aus England, scheint leider noch kaum einer Notiz von der großartigen Arbeit der de Maidanas und ihren Helfern genommen zu haben.


Anschliessend waren Vanessa und ich im Zentrum um uns ein bisschen von den vielen guten Taten zu erholen. Ich habe an den Opa Rudolf denken müssen, als ich die Schachspieler im Zentrum gesehen habe. Ohne Spanisch zu sprechen, hätte er sich bestimmt königlich amüsiert mit den paraguayischen Schachspielern.

Samstag, 14. März 2009

Nueva Vida lässt endlich Kinderherzen höher schlagen!

Lange hat es gedauert, bis endlich die heiss begehrten Turnschuhe über den Ozean geschippert sind. Schon im Oktober letzten Jahres hat sich ein deutsches Unternehmen das Sportartikel herstellt (darf den Namen nicht ohne Erlaubnis veröffentlichen!), bereit erklärt unserem Verein "Nueva Vida en Paraguay" 100 Paar Sportschuhe und 30 Bälle zu spenden. Ich weiss nicht mit wie vielen Einwanderern ich gesprochen habe, bevor ich einen Containerinhaber gefunden habe, der sich bereit erklärte, die Spende umsonst mit nach Paraguay zu bringen. Der liebe Ingo war zum kostenlosen Transport gerne bereit und liess sich nur kurzfristig von dem riesigen Umfang der Spende erschrecken, die er irgendwie noch zu seinen 7 Sachen in den Container quetschte.















Gemütlich inmitten von Hausrat und Möbeln, traten die Schuhe den langen Weg nach Paraguay an. Hier trafen sie mit grosser Verspätung ein. Aufgrund der Trockenheit war der Container irgendwo auf dem Weg stecken geblieben, bis endlich der lang ersehnte Regen die Flüsse wieder für den Containerverkehr befahrbar machte. Ein "Flussersatzverkehr" hat sich leider während der langen Trockenphase nicht eingestellt!






In Paraguay muss man einfach manche Verspätungen hinnehmen. Auch mein Weihnachtsgeschenk ist immer noch auf dem Weg, obwohl der Monat März bald vorbei ist!


Bis zur Ankunft des Containers sind mehrere Monate ins Land gegangen und als er dann endlich Ende Februar ankam, konnten wir die Spende leider nicht mehr für das geplante Weihnachtsevent einsetzen, da die Osterzeit schon verdächtig nahe gerückt war.

Spontanität ist hier jedoch ganz normal und die meisten Events oder Veranstaltungen haben eh nicht mehr als eine Woche Vorlaufzeit. Wer soll denn auch schon ohne Timer im Kopf behalten können, wenn nicht innerhalb der selben Woche das angekündigte Ereignis stattfindet?
















Meine Lieblingspraktikantin Vanessa (VANNE), die gerade ein Praktikum in der Kunstschule Nueva Vida und bei mir in der Redaktion von "www.farmland-online.com" macht, war schnell zur Stelle, als es um die Organisation der Sportveranstaltung ging und fuhr mutig mit dem Bus in einen nicht ganz so schönen Vorort von Asuncion, mit dem Namen Zeballos Cue. Dort traf sie sich mit meinem alten Bekannten Ariel, der sich schon vor Weihnachten bereit erklärt hatte, ein kleines Sportfest in der Essensausgabe "Carrita Feliz" der anglikanischen Kirche mit zu organisieren. Gemeinsam war in kürzester Zeit das Programm aufgestellt worden und die Nachricht von der Verteilung von Markenschuhen verteilte sich wie ein Lauffeuer im Stadtviertel . Am letzten Abend organisierten VANNE und ich noch kurz vor Ladenschluss weitere Preise für diejenigen Gewinner des Sportevents, denen keiner der Schuhe passen sollte und genau zwei Wochen nach Ankunft des Containers konnte an einem wunderschönen Samstag das Spektakel schon losgehen.





















Viele kleine schmutzige Kinderfüsse traten tapfer auf dem siedend heissen Asphalt des Sportplatzes gegeneinander an, um in den Genuss von Luxusschuhen zu kommen, die beim Spielen gegen Blasen schützen. Es wurde ordentlich geschwitzt, sowohl beim Fussball, als auch bei den Geschicklichkeitsspielen, die wir uns ausgedacht hatten. Ein Bibelvers in Form eines Puzzles, war die letzte Disziplin, die bestanden werden musste. Da die Zeit wie im Flug verging, musste das Mittagessen noch vor die Preisverleihung geschoben werden.




















Es wurde hastig gegessen ohne den Blick von dem üppig ausgestatteten Gabentisch abzuwenden, der dann anschliessend gleich verteilt wurde. Strahlend mit Schuhen, Bällen und anderen Kleinigkeiten beschenkt, verliessen die Kinder die Gebäude der anglikanischen Kirche. Nur ein kleiner Junge war reichlich unglücklich darüber, dass er einen Dinosaurier und keinen Ball erhalten hatte! Zum Glück war noch ein Ersatzball zu finden, der auch in glücklich machte. Alles in Allem war die Veranstaltung ein voller Erfolg.

Da auch die Schuhe in den grossen Grössen einen Abnehmer finden mussten, gaben wir den freiwilligen Helfern der Essensausgabe für Arme als Dankeschön für ihr Engagement topmoderne Sportschuhe. Wer so viel gratis hilft, muss schliesslich auch mal etwas bekommen!

Anschliessend fuhren VANNE und ich, mit dem wundervollen Gefühl eine gute Tat vollbracht zu haben, zurück nach Hause.






Es wird geheiratet!

Diejenigen unter euch, die aufgrund des Titels meinen, dass ich auf diese Art und Weise mitteilen möchte, dass ich vorhabe zu heiraten, irren sich gewaltig. Ich war NUR auf zwei Hochzeiten von Bekannten in einer Woche und wollte euch daran teil haben lassen, wie man in Paraguay so Hochzeit feiert.

Da ich leider nicht über einen vor lauter Abendmode überquellenden Kleiderschrank verfüge, habe ich auf beiden Events, genauso wie mein Freund auch, genau das selbe Outfit an. Aufgrund der knalligen roten Farbe ist dies aber bestimmt keinem aufgefallen.....

Regel Nummer eins bei einer paraguayischen Hochzeit ist, dass auf keinen Fall weniger als 300 Personen anwesend sein dürfen. Selbst wenn die Familie nicht unbedingt in die Kategorie "reich" fällt, muss Essen und Trinken für Hinz und Kunz aufgefahren werden und zwar in grossen Mengen, in festlicher Umgebung, mit allem drum und dran.




















Der Sohn meiner paraguayischen Lieblingsfamilie wurde von seiner Mutter in die liebevollen Hände, seiner neuen Frau gegeben. Wie sie mir erklärte "ungern", da es sich schliesslich um ihren Lieblingssohn handeln würde, den sie gerne noch etwas länger bei sich daheim gehabt hätte. So sind die Latinomuttis!




















Trotz dieser Worte schien sie doch recht glücklich, als ihr Sohn mit der wunderschönen Braut den Gang entlang marschierte. Die Kirche war proppenvoll mit vielen jungen Menschen in Ballkleidern, in den schrillsten Farben. Nur die sorgsam erwählten 300 Personen durften anschliessend noch mit zum feierlichen Abendessen, bei dem auch der Standesamttermin vollzogen wurde. Völlig verschwitzt kämpften auch Arnaldo und ich uns zum zweiten Teil des Ereignisses durch, um dort enttäuscht festzustellen, dass wir auch den Rest des Abends ohne Klimaanlage durchstehen müssen. Die Abendluft verschaffte leider auch keinerlei Erleichterung und die Temperaturen wirkten sich recht negativ auf die Mayonaise auf dem Kartoffelsalat aus. Der Akt vor dem Standesbeamten war eine totale Tortur, weil dieser in dem stickigen Ballsaal durchgeführt wurde. Schnell flüchteten die Gäste wieder zu ihren Tischen draussen im Garten, um das festliche Abendessen zu sich zu nehmen, das in der Zwischenzeit in der lauen Abendluft vor sich hin gärte. Nachdem ich den kompletten Kartoffelsalat auf meinem Teller gegessen hatte, machte mich mein geliebter Freund Arnaldo darauf aufmerksam, dass dies keine gute Idee gewesen sei, bei den Temperaturen Mayonaise zu essen. Promt stellte sich am nächsten Tag der Durchfall meines Lebens ein. Ich glaube ich habe an die 5 Kilo in einer Woche verloren, bis ich endlich den Kartoffelsalat der Hochzeit verdaut hatte.




















Mein akuter Gewichtsverlust erfreute mich jedoch sehr, als ich mich zur nächsten Hochzeit, genau eine Woche später, nicht mehr in mein Kleid quetschen musste, sondern dieses durch die Blitz-Durchfall Diät nahezu etwas weit geworden war.

Die Hochzeit von einem der Familienteile von Arnaldos High-Society-Seite der Familie, war dann im Vergleich zur ersten Hochzeit ganz anders. Frierend sass ich in der auf Kühlschranktemperaturen runtergekühlten Kirche und musterte die anderen anwesenden Ballkleider. Sofort wurde mir bewusst, dass mein schönes rotes Ballkleid mit den kleinen Strasssteinchen, dass ich schon seit meinem Abiball besitze, auf dieser Festlichkeit wirklich nichts besonderes ist. Jeder einzelne in Arnaldos Familie hatte sich anlässlich des Events ein neues Ballkleid gekauft, dass anschliessend für den Rest des Lebens im Kleiderschrank verschwindet. Ich hingegen schaffte es gerade noch, mir auf den letzten Drücker ein passendes Handtäschchen zu organisiern und das Abendkleid mit ein paar Ohrringen aufzupeppen.




















Die aufwendigsten Ballkleider dekorierten sich überall stillvoll auf den Bänken der Kirche. Auffallend zu der Menge an Gästen später beim Essen war jedoch, dass es wahrscheinlich nur ein Viertel zur Vermählung in der Kirche geschafft hatte.
















Der Grossteil trudelte erst zu den Gratisdrinks im Golfclub von Asuncion ein. Man könnte die Formel aufstellen, desto später der Abend, umso auffallender die Gäste. Zu sehr später Stunde hatten mehr als 600 Leute an den aufwendig dekorierten Tischen platz genommen, um das 4 Gänge- Menü zu geniessen, das wirklich ein Gaumenschmaus war, ganz ohne unerwünschte Nachwirkungen. Besonders beeindruckend war das gigantische Pralinenbuffet, das den zweiten Nachtisch darstellte.
















Bis spät in die Nacht tanzte Jung und Alt unter den riesigen Bäumen der gigantischen Gartenanlagen, bis die Füsse schmerzten in den hochhackigen Ballschuhen.


Donnerstag, 8. Januar 2009

Kinderlos im Land der Kinder


Das Ehepaar Smith aus England lebte viele Jahre ohne eigenen Nachwuchs in Paraguay, bevor sie sich entschieden, etwas gegen ihre Kinderlosigkeit zu unternehmen. Obwohl sie eine große Anzahl an dubiosen Angeboten erhielten, nahmen sie den langen und komplizierten legalen Weg der Adoption auf sich.

Kleine Kinderfüße laufen einem fast überall in Paraguay über den Weg. Durch die Scheiben des Autos schauen einen braune Kinderaugen an, die ein paar Guarani erbetteln wollen, im Bus versuchen Kinderhände, Erfrischungsgetränke zu verkaufen, teilweise zu dritt stapeln sich Kinder auf den Motorrädern ihrer Eltern. Diese Bilder berühren besonders diejenigen stark, die selbst keine Kinder bekommen können. Das Ehepaar Smith, das sich vor vielen Jahren entschloss, England zu verlassen, um im Dienste der Anglikanischen Kirche seinen sozialen Beitrag in der Gesellschaft zu leisten, gehörte dazu. Zahlreiche Angebote erreichten sie von schwangeren paraguayischen Frauen, die für ein bisschen Geld gerne dazu bereit waren, auf dem Geburtsschein den Namen von Frau Smith als Mutter eintragen zu lassen. Eine illegale Adoption kam jedoch für das christliche Ehepaar auf keinen Fall in Frage. Im November 2000 stellten sie deswegen vor dem Adoptionscenter auf der Avda. Mariscal Lopez das erste Mal den Antrag, ein Kind legal adoptieren zu dürfen. Obwohl viel Papierkram eingereicht und zahlreiche Gespräche mit psychologischen Gutachtern geführt werden mussten, empfanden die Smiths den Zulassungsprozess als leicht. „Das was danach kam, zog sich sehr in die Länge, oft waren wir in völliger Unsicherheit darüber, wo wir uns im Adoptionsprozess befanden, was noch kommen würde und wie lange wir noch warten müssten“, gab Herr Smith zu verstehen. Sie hatten in ihrem Antrag keine besonderen Ansprüche gestellt, alle Jungen oder Mädchen unter 3 Jahren waren bei ihnen willkommen, so lange nur endlich das Haus mit Leben gefüllt wurde, erklärt das Ehepaar. Fast ein Jahr nach Antragstellung erhielten sie im August 2001 endlich den heiß ersehnten Anruf: “Wir haben ein 9 Monate altes Mädchen für Sie und müssen nur noch ein paar kleine Details klären“, lautete die Ansage des Adoptionscenters. Vor lauter Aufregung und Glück wurden in den folgenden 2 Wochen, in denen keine weitere Neuigkeit folgte, schon die ersten Babyklamotten in pink von Familienmitgliedern gekauft. Als die Smiths voller Vorfreude auf eine Tochter anschließend zu einem Termin gebeten wurden, zeigte man dem Ehepaar die Fotos von einem männlichen Geschwisterpärchen, 9 Monate und 2 Jahre 10 Monate alt. Nach dieser überraschenden Wendung ließ man ihnen 10 Minuten Zeit, um sich zu überlegen, ob sie die Brüder persönlich kennenlernen wollten. „Nachdem wir die Kinder gesehen hatten, ließ man uns genau 24 Stunden Zeit, um zu überlegen, ob wir im Adoptionsprozess voranschreiten wollten.“ Das Ehepaar sagte jedoch sofort zu. Nach zahlreichen Besuchen im Kinderhort war es dann endlich so weit: Die beiden Jungs durften nach einer Woche mit nach Hause genommen werden. Im Fall des Geschwisterpärchens hatte das Adoptionscenter sehr darauf gedrängt, dass sie endlich in eine Familie integriert wurden, obwohl die Freigabe zur Adoption noch nicht statt gefunden hatte. Nachdem die leibliche Mutter sich nicht in der Lage sah, die Kinder zu behalten, waren sie nach einem Aufenthalt im Kinderhort zu ihrer Großmutter gebracht worden. Nach vielen Bemühungen hatte aber auch die alte Dame einsehen müssen, dass ihr fortgeschrittenes Alter und die soziale Situation nicht unbedingt die besten Voraussetzungen für die Erziehung von Kindern bot. Es muss ein harter Schlag vor allem für das ältere der beiden Kinder gewesen sein, als sie auch nach dem zweiten Anlauf wieder zurück in den Kinderhort mussten. Diese Erinnerungen mussten in dem neuen liebevollen Umfeld von Familie Smith erst einmal verarbeitet werden. Erst im Dezember 2002 erfolgte die endgültige Adoption. „Diese Zeit war sehr schwer für uns, wir lebten immer in der Sorge, dass die leiblichen Eltern doch noch Ansprüche auf die Kinder stellen könnten, außerdem durften wir mit den Kindern nicht das Land verlassen, bis der Richterspruch erfolgt war“, gibt Herr Smith zu verstehen. Der endgültige Richterspruch zog sich auch deswegen so lange hin, weil der kleinere der beiden Jungen noch nicht einmal offiziell registriert oder mit einem Namen versehen war, erklärt Frau Smith. Erneut auf Schwierigkeiten stießen die Smiths, als sie zu Weihnachten ihre Familien in England zusammen mit den Kindern besuchen wollten. Die Kinder, die ihre paraguayische Nationalität trotz Adoptionsprozess beibehalten, brauchten ein Visum, um Urlaub bei den Großeltern machen zu können. Bei der Einreise in ihr Heimatland wurden die Smiths von den Beamten ins Kreuzverhör genommen, damit die englischen Behörden ausschließen konnten, dass Kinderhandel betrieben wurde oder sich die Smiths mitsamt den Kindern einfach nur ins soziale Netzwerk des Landes fallen lassen wollten.
Trotz all der Probleme entschieden sich die Smiths im Juli 2004, erneut den langwierigen Prozess einer Adoption auf sich zu nehmen, diesmal in der Hoffnung, ein Mädchen zu erhalten, das so jung wie möglich ihnen übergeben würde. Im November 2005 lernten sie ein 16 Monate altes Mädchen kennen, über dessen Vergangenheit dem Adoptionscenter rein gar nichts bekannt war. „Obwohl keinerlei Angehörige im Spiel waren, haben die Richter sich trotzdem sehr viel Zeit mit der Freigabe zur Adoption gelassen“, schildert Frau Smith. Sie bedauert sehr, dass sie das kleine Mädchen nicht schon viel früher hatten zu sich nehmen können. Im September 2006 erließ der Richter den lang erhofften Schiedsspruch und übertrug das Sorgerecht den Smiths. „So viele Male mussten wir das Gericht in Luque aufsuchen, zusehen, wie sie unseren Fall aus riesigen Papierbergen herausfischten, nur um dann zu erklären, dass es immer noch keine Neuigkeiten im Fall gab.“ Weiter erklärt Herr Smith, dass ihr Anwalt das Urteil auf seinem Drucker zur Vorlage für den Richter ausdrucken musste, weil die Behörde nicht einmal mit dem entsprechenden technischen Zubehör ausgestattet war. „Die Erfahrung, die wir gewonnen haben aus unserer langen Zeit des Wartens und Hoffens und im Umgang mit Kindern, die einiges durchmachen mussten, bevor sie eine liebende Familie gefunden haben, wollten wir gerne weiter geben“, erklärt Herr Smith. Deswegen haben sie die Anglikanische Kirche dabei unterstützt, den kleinen Kinderhort „Esperanza“ zu eröffnen. Hier werden nicht wie anderswo an die 30 Kinder mit dem Nötigsten versorgt, sondern nur 5 Kinder bekommen dort die Liebe und Fürsorge, die für die frühe Entwicklung so wichtig ist. „Wir merken den Unterschied, den eine liebevolle individuelle Pflege ausmacht, sehr stark an unseren Kindern“, schildert das Ehepaar. Das kleine Mädchen war im Gegensatz zu ihren beiden Geschwistern schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt einer Pflegefamilie übergeben worden und verbrachte die meiste Zeit in einem liebevollen familiären Umfeld, was keinerlei negative Spuren hinterlassen hat.
Auf die Smiths kommt jetzt eine weitere harte Probe zu: Aufgrund der turbulenten und teilweise kriminellen Adoptionsvergangenheit von Paraguay wird von Groß-Britannien die Adoption nicht als legal anerkannt. In ihrem Heimatland müssen sich die Smiths erneut zahlreichen Prüfungen unterziehen, um offiziell auch dort das Sorgerecht zu erhalten. Da sie sich entschieden haben, wieder nach England zurück zu kehren, wird die Adoption, diesmal von englischen Behörden, nochmal komplett aufgerollt. Ihnen wurde jedoch versprochen, dass dies im Normalfall weniger als ein Jahr dauern soll, da sie ja schon so lange mit den Kindern zusammen leben. Es bleibt ihnen nichts anderes übrig, als weiter zu warten und zu hoffen, dass der ganze Prozess bald endgültig abgeschlossen ist. Die Wartezeit wird den Smiths jedoch versüßt durch ihre drei dunkelhäutigen paraguayischen Kinder, die fließend Englisch sprechen und bestens vorbereitet sind auf ein Leben in Europa.

Sonntag, 28. Dezember 2008

Ein kleiner Ausflug in die landwirtschaftliche Idylle Paraguays

Seit langem wollte ich mal wieder die dreckige und stickige, glühend heiße Hauptstadt verlassen, um endlich mal wieder etwas Landluft zu schnuppern. Arnaldo war zuerst nicht so begeistert, dass er am Samstag, direkt nach der Arbeit, ins Auto ohne Klimaanlage steigen musste, um Madame nach Altos zu fahren. Eine Woche vorher hatte ich einen in Paraguay geborenen Deutschen kennen gelernt, der mir unbedingt die kleine Estancia von Bekannten von ihm zeigen wollte, auf der auch einige seiner Rinder weiden. Ganz im Sinne meiner neuen Arbeit, bei der ich Artikel über Land- und Viehwirtschaft in Paraguay schreiben muss, opferte ich hingegen gerne einen freien Tag um mir mal einen kleinen viehwirtschaftlichen Betrieb anschauen zu können. Auch Arnaldo war bester Dinge, sobald wir die Stadt hinter uns ließen und er feststellte, dass der Deutsche hervorragend Spanisch sprach und einiges zu erzählen hatte. Er wurde in Paraguay geboren und lebt seit dem zwischen den beiden Welten. Seine Liebe zu Paraguay versteht seine Ex-Frau leider nicht wirklich und ist deswegen auch nicht wirklich aufgeschlossen gegenüber seinen Vorschlägen, sein Töchterlein mal mit nach Paraguay zu nehmen.













In letzter Zeit beschäftigt uns immer mehr die Frage der Möglichkeit eines gemeinsamen Daseins zwischen Paraguay und Deutschland. Da auch die liebe Oma Pia beim letzten Telefonat angemerkt hatte, dass es für mich an der Zeit sei, zum Ernst des Lebens zurück zu kehren und endlich mal etwas in meine Rente ein zu zahlen, sind Diskussionen über eine gemeinsame Rückkehr nach Europa zur Zeit ständig auf der Tagesordnung. Fest steht auf jeden, dass ich den halb wilden Paraguayer, den ich mir da in Paraguay vom Baum geholt habe (Ironie Ende), auf jeden Fall mitnehmen werde, in die Welt der Finanzkrise und der Seriosität und Ernsthaftigkeit. Die Frage bleibt natürlich, wo wir uns wohler fühlen werden. Man muss schon sagen, dass das Leben hier einige Vorzüge hat, die sich nicht verleugnen lassen. Was mir jedoch fehlt ist leider oft die geistige Herausforderung. Aufgrund meiner europäischen Bildung kann ich mich hier mit Leichtigkeit auf meinen Bildungsvorteil verlassen, der um einiges kleiner wird, sobald ich europäischen Boden betrete. Dort spricht jeder 2 Sprachen, hat jeder im Ausland studiert oder gearbeitet und das Konkurrenzdenken in einer Ellenbogengesellschaft ist doch noch einmal etwas ganz anderes verglichen zu der Welt der Freundschaft und Kontakte, in der ich mich hier so hervorragend zu bewegen weiß. Auf der anderen Seite amüsiert man sich hier ohne Pause. Sehr oft fehlen mir doch tiefgründige oder Fachgespräche, Konversationen, aus denen man ein paar neue Ansichten gewinnen kann oder einfach mal ein Abend an dem man über Gott und die Welt philosophiert. Wenn man schon in verschiedenen „Welten“ gelebt hat bewegt einen immer mehr die Frage, wo man auf der Erde einen Platz findet auf dem man alle Vorteile der unterschiedlichen Kulturen vereint antrifft. Die deutsche Beschwerdementalität versuche ich auf der einen Seite ab zu legen auf der anderen Seite finde ich überall etwas, was mir nicht so gut gefällt.

Zurück zum Thema: In Altos angekommen wurden wir von den Bekannten des Deutschen mit hervorragenden Köstlichkeiten sehr freundlich empfangen. Nachdem wir viel mit den Gastgebern gelacht hatten suchten Arnaldo und ich ein schönes Hotel, direkt am See von San Bernardino auf um uns mal richtig verwöhnen zu lassen.














Weil Paraguay recht klein ist, trafen wir im Städtchen abends eine Freundin aus Asuncion mit der wir ein paar Bierchen genossen, bevor wir uns in unsere Suite mit Seeblick zurück zogen. Früh am nächsten Morgen brachen wir zur Estancia auf, bewunderten Kühe und endlose Wiesen und Felder und amüsierten uns darüber wie einfach es hier ist mit ein bisschen Vieh Geld zu machen. Hier muss nicht jeden Tag das Vieh im Stall gehegt und gepflegt werden. Mal stellt diesem einfach eine große Weidefläche zur Verfügung und muss sich weder mit Stallausmisten noch mit Füttern herum ärgern.










Ganz alleine wird das Rindfleisch fett und saftig und muss nur mit den entsprechenden Impfungen versehen werden, damit es auch verkauft werden kann. Ärgern muss man sich nur hin und wieder über Trockenheiten oder riesige Termitenhügel, die wertvolle Fläche wegnehmen auf der eigentlich Weidegras wachsen sollte.










Vielleicht deswegen ist der Paraguayer bekannt für seine Vorliebe zum Faulenzen und Terreretrinken im Schatten der Bäume. Die großen Landreserven, die üppig wachsende Natur in Kombination mit ausreichend Regen bieten schon eine perfekte Grundlage sowohl für Land- als auch Viehwirtschaft, ohne sich einen abschuften zu müssen. Vielleicht deswegen ist man hier immer guter Dinge und nicht so abgekämpft wie manch einer in Deutschland, dem nicht gerade die Bananen in den Mund wachsen.