Samstag, 4. Oktober 2008

Independencia- Ein Tag der Ruhe und des Friedens
















Das war eine schwierige Geburt, den arbeitswütigen Arnaldo mal einen Tag lang aus Asuncion hinaus zu schleppen um die schönen Seiten von Paraguay geniessen zu können.

























Etwas gestresst fuhren wir aus dem Rummel der Stadt hinaus, liessen den ganzen üblen Verkehr hinter uns, in die Pampa, wo sich Fuchs und Haas gute Nacht sagen und ansonsten wirklich nichts passiert. Zufällig erzählte mir ein Deutscher von seiner Pension mitten in der Pampa, wo man es sich richtig gut gehen lassen kann. Die Gelegenheit musste natürlich am Schopf gepackt werden, es geht doch nichts über deutschen Service und Deutsche Sauberkeit mitten in der Pampa. Der Weg bis zu unsere Unterkunft führte allerdings über viele wackelige Holzbrücken, die erst einmal überwunden werden mussten.




















Nach dem Bezug des Zimmers schnupperten wir seit langem zum ersten Mal wieder richtig frische Landluft und spazierten die roten Erdwege entlang unter dem wunderschönen hellen Sternenhimmel. Wenn wirklich keinerlei Lichter der Zivilisation zu sehen sind ist der nächtliche Sternenhimmel noch viel viel schöner.























Am nächsten Morgen standen wir so früh wie möglich auf um das kleine rote Autochen die Landstrasse entlang zu dem Wasserfall "Salto Suizzo" zu quälen. Die letzten Meter wanderten wir um den leider etwas spärlichen Wasserfall, aufgrund von starker Trockenheit bestaunen zu können. Es war etwas frisch, aber ich konnte es nicht lassen, mich etwas von dem Wasserrinsel berieseln zu lassen, während Arnaldo die Stille genoss. Nur für ein Foto war er bereit, wenigstens seine Hand ins kühle Nass zu tauchen.

























Oben wo das Wasser anfängt herunterzufallen legten wir uns auf die Felsen in die Sonne. Wir genossen stundenlang den Wind der durch die Bäume rauscht und die Sonnenstrahlen, die uns durch die Baumwipfel hindurch kitzelten. Dort fand Arnaldo auch endlich mal ein bisschen Musse Deutsch zu lernen. Nahezu fehlerfrei singt er jetzt: Hänsel und Gretel verliefen sich im Wald, dort war es finster und auch so bitterkalt.......
















Anschliessend stand ein Reitausflug auf dem Programm. 2 einhalb Stunden lang vergnügten die Reitlehrerin und ich uns auf den Pferden, während Arnaldo genau den gleichen Zeitraum hindurch leiden musste.
















Zwei Tage später lief er noch mit O-Beinen durch die Gegend und klagte über Schmerzen am Hinterteil.





















Die Landschaft war unglaublich. Weit entfernt von jeglicher Zivilisation spazierten wir auf Pferden durch die Gegend, über Felder und durch Wälder, an Flussläufen vorbei, über kleine Berge und durch Täler.


















Das wollte ich immer schon mal machen. Lange habe ich warten müssen um die richtige Gelegenheit dazu zu bekommen. Sehr freundlich sind die Menschen, die in dieser Gegend wohnen, ganz anders als in Asuncion ist hier alles um einiges friedlicher. Allerdings darf man nicht immer mit einer fehlerfreien Stromversorgung rechnen. Siehe Bild






















Spät abends ging es zurück nach Asuncion, da Arnaldo am nächsten Tag früh arbeiten musste. Am liebsten hätte ich mich mit meinen Fingernägeln im Türrahmen festgekrallt, als wir diesen Ort der wunderschönen Idylle verlassen mussten. Schmollend und zornend wie ein kleines Kind sass ich dann im Auto zurück in die schmutzige Grossstadt. Dies half jedoch leider auch alles nichts und wenige Stunden später waren wir wieder zurück im ganz normalen Wahnsinn.

Zu Besuch in einem "widerborstigen" Land

Mit einem Gepäck voller Sachen, die das Leben der Tochter schöner machen, begab sich Jürgen R. auf den langen Weg zur Erkundung der neuen Heimat von Rafaela R. Zeit für langsames Eingewöhnen in das subtropische Klima gab es nicht, vor allem nicht, wenn man bei einem kurzen Aufenthalt so viel wie möglich vom Land mitnehmen will. Direkt vom Flughafen ging es zur Botschaftsparty der Schweiz, damit bewiesen werden konnte, dass man auch in Paraguay echten Schweizer-Käse essen kann.
























Dann kam auch schon das Wochenende. Da man ja seinem Vater nur die besten Seiten von Asuncion zeigen will, fuhren wir erst mal zum Golf und Yacht Club. Dort findet man allerhand kostspielige Wasserfahrzeuge genauso wie auch die dazugehörigen teuren Luxusvillen. Eigentlich merkt man hier kaum, dass man sich noch in Paraguay befindet.

















Am nächsten Tag musste erst mal mein Pressebonus ausgespielt werden. Da wir leider etwas zu spät aufgestanden waren fanden wir vor dem Bahnhof des antiken Zuges eine lange Warteschlange. Arnaldo kämpfte sich tapfer bis nach ganz vorne vor, wurde aber erst mal abgewiesen. Da blieb mir nichts anderes übrig als die Pressekarte zu ziehen, wo sich dann plötzlich doch noch 3 Plätze im Zug fanden. Mit etwas schlechtem Gewissen trotteten wir vorbei an der Schlange der schlechtgelaunten Gesichter, die sich immerhin bis zu einem Platz auf der Warteliste vorgearbeitet haben. Um mein schlechtes Gewissen an dieser Stelle etwas beruhigen zu können möchte ich hier öffentlich publizieren, dass die Zugfahrt nach Aregua wohl eines der wenigen perfekt organisierten Touristenevents in Paraguay darstellt. Die Dampflock, die noch wirklich mit Holz betrieben wird, fährt über Luque nach Aregua, wo man dann den schönen Ausblick, die idyllische Stadt und die Ruhe am Strand neben dem Fluss geniessen kann. So oder so hätte ich hier geschrieben, dass dieser kleine Ausflug ein absolutes Muss für jeden Paraguay- Bereisenden darstellt, ich werde jetzt aber doch ein bisschen ausführlicher den Tripp darstellen, da ich ja schliesslich auch auf mein Presserecht bestanden habe. Besonders amüsant ist die Zugfahrt, weil man sich durch die Schauspieler an Board zurückversetzt fühlt in alte Zeiten, als wirklich noch Zugreisende Hühner unter den Bänken oder auf dem Schoss mitführten. Vor allem die kurze Batmaneinlage, der den bösen Joker durch den ganzen Zug jagte amüsierte die Kinder sehr. Auch folklorische Musik stand auf dem Programm, während sich der Zug durch die schöne Landschaft, vorbei an winkenden Menschen schlängelte. Das einzige was uns nicht so gut gefiel war die starke Diskriminierung gegenüber Ausländern. Während meine bessere paraguayische Hälfte für das Vergnügen gerade mal 30 000 zahlen musste blätterten mein Vater und ich satte 100 000 pro Person hin. Aber so ist wohl das Leben: Nicht immer wirklich fair.




































































Dienstag, 9. September 2008

Warum man im paraguayischen Strassenverkehr kein Mitleid haben sollte

Nahezu keinen Regeln folgend schlängelt sich der Verkehr wirr und fuer manchen undurchschaubar durch Asuncions Strassen. Es scheint das Gesetz des Staerkeren vorzuherrschen. Der Rangordnung nach kommt der grosse 4X4 Jeep an erster Stelle, das normale Auto kaempft in der Mitte, waehrend das Motorrad von keinem beachtet wird und Gefahr laeuft als erstes unter die Raeder zu kommen. Ganz anders sieht die Situation jedoch aus, wenn das Motorrad wirklich mal unter die Reader eines Fahrzeuges kommt. Der kleine Mann kann durch Mitleid an dieser Stelle noch einiges an Geld rausholen, vor allem wenn er auf einen gutmütigen Menschen trifft, der die Gerissenheit nicht gleich durchschaut.

Sehr schuldig fuehlt man sich zuerst, wenn ein armer zahnloser Mensch auf seinem mehr einem Fahrrad als einem Motorrad gleichenden Fahrzeug ungewollt auf das eigene Auto stoesst. Selbst wenn der leichte Aufprall nur einen kleinen Kratzer auf dem Auto und ein etwas verschobenes Vorderrad beim Motorrad hinterlaesst, ohne den Fahrer in Mitleidenschaft zu ziehen. Man verspricht dem Fahrer sofort fuer den Schaden aufzukommen und moechte ihm am liebsten sofort etwas Geld in die Hand druecken, damit er sich wieder besser fuehlt. Man wundert sich auch zuerst nicht, dass dem armen Kerl voellig zu unrecht das Bein weh tut und er zudem ueber leichtes Schwindelgefuehl klagt. Noch schlechter fuehlt man sich dadurch und ist gewillt auf jedes Angebot einzugehen, dass der Mensch einem unterbreitet. Gerade noch rechtzeitig kam bei mir der Anruf meines Freundes, der mir erklaerte, dass wenn ich ihm jetzt Geld gebe er morgen wieder vor meiner Tuer stehen wird und das ganze noch viele Konsequenzen haben wird. Etwas verunsichert bezueglich der Rechtslage zog ich mir dann noch die Hilfe meiner Chefin hinzu, die zusammen mit einem Wachmann am Ort des Geschehens eintraf. Gleichzeitig mit einem von dem Angefahrenen gerufenen Minilaster, der sofort im Begriff war das Motorrad aufzuladen. Wir waren gerade im Inbegriff eine Einigung mit dem Menschen auszuhandeln, die er dann auch vor einem Notar unterschreiben sollte mit der Klausel, dass beidseitig keine weiteren Verpflichtungen bestehen, als mein Freund darauf bestand wegen der Versicherung die Verkehrspolizei hinzu zu rufen. Aufgrund des geringen Schadens wollte ich dies eigentlich vermeiden, aber so fuhren wir die beiden zu Schaden gekommenen Fahrzeuge plus Insassen zur Verkehrspolizei, fuer eine hohe Gebuehr des Transportfahrzeuges versteht sich. Dort angekommen nahmen wir stundenlang den Schaden in Augenschein, fuellten Formulare aus und erstellten Skizzen des Tathergangs. Als der junge Mann seinen Führerschein vorzeigen sollte hatte er keinen. „Dann übernimmt die Versicherung eh nicht den Schaden des Motorrads“ teilte mir der Polizist mit. Als die Polizei mir andeutete, dass sie sein Motorrad gleich hierbehalten wuerden und das er ne Million Strafe zahlen muesste, um seinen Fuehrerschein nachtraeglich zu beantragen, konnte ich dies dem armen Menschen natuerlich nicht antun, den ich ja schliesslich angefahren hatte.
Ein Zurückziehen der Anzeige kostet 360 000 Guarani. Es bestand auch die Moeglichkeit dem netten Beamten einfach ein Drittel des Betrages in die Hand zu druecken, ohne einen Beleg zu erhalten. Bei den hohen Summen, die ueber den Tisch gingen, witterte der junge Angefahrene dann doch eine einmalige Gelegenheit auf die Schnelle ein bisschen Geld zu verdienen. Hatter er vorher noch hoch und heilig versprochen, keinen weiteren Ärger zu machen, wenn ich die Anzeige zurueck ziehe, ging es ihm ploetzlich so schlecht, dass er nicht sicher war, ob er morgen arbeiten könne. Wir hatten grosse Sorge, dass er am naechsten Tag tatsaechlich mit irgendwelchen ueber Nacht entstandenen ploetzlich nach Unfaellen auftauchenden Verletzungen auftauchen wuerde, deswegen fuhren wir mit ihm natuerlich gleich ins Krankenhaus. Am Schluss präsentierten sie mir eine nette Rechnung und einen kleinen Zettel der besagte, dass es dem jungen Mann blendend gehe. Diese Vorkehrungen mussten wir treffen, da der junge etwas daemliche Angefahrene zum Glueck dem Taxifahrer freudestrahlend erzaehlte, dass er aus „der reichen Auslaenderin sehr viel Schadensersatzgeld herauspressen“ wuerde, wenn es sein muss mit Hilfe seines Cousins, der Anwalt ist. Auch wenn man im Endeffekt recht behaelt, ist es in einem Land wie Paraguay nicht ratsam in so ein Verfahren verwickelt zu werden, deswegen versuchten wir verzweifelt uns irgendwie gegen diese Eventualitaeten abzusichern, ohne dabei Kosten zu scheuen. Am nächsten Morgen wurde mir dann die dicke Rechnung der Reperatur seines Motorrädchens präsentiert, die sein Bruder „sehr sehr günstig“ für ihn gemacht hätte. Ich hatte in diesem Moment grosse Zweifel, ob dies das Motorrad im Gesamtwert überhaupt wert ist und versuchte einen Abschlag zu verhandeln. Meine Lust und Laune sich mit einem beruflich als Knochenzersäger Tätigen, der zudem weiss, wo das eigene Büro ist, anzulegen war allerdings nicht besonders gross. Zähneknirschend zahlte ich die horrende Rechnung und liess mir von ihm unterschreiben, dass er gesund und munter ist, ich für jeglichen Schaden aufgekommen bin und er keinerlei weitere Forderungen an mich stellen wird. Sehr glücklich war ich endlich aus der Sache herausgekommen zu sein, als mir meine Chefin mitteilte, dass mit einer blossen Unterschrift garnichts endgültig vom Tisch ist. Vor dem Notar muss diese geleistet werden, damit sie nicht anfechtbar ist. Da bleibt mir nichts als Bangen und Hoffen, dass der angefahrene Paraguayer nicht doch noch auf dumme Gedanken kommt.

Mittwoch, 30. Juli 2008

Zusammenfassung



Grady zu Besuch!

Ganze 14 Tage lang war ich für den 14 jährigen Grady aus Utah verantwortlich. Sorgsam geplant hatte ich sein Programm für die Wochentage, so dass er immer morgens Spanischunterricht hat und mittags ein Sozialpraktikum macht. Die Paraguayer haben mir gleich am ersten Tag einen ordentlichen Strich durch die sauber geplante Rechnung gemacht: Die Kunstschule die ich ausgesucht hatte, war von einem Tag auf den anderen genau während der Zeit geschlossen in der Grady da war. Spontanität bleibt eben doch die oberste Tugend in diesem Land. Voller Stolz kann ich jetzt behaupten zu wissen was es heisst einen Job zu haben und nebenher den Tag für ein Kind zu organisieren. Das ist garnicht so einfach, vor allem wenn man sich wirklich Sorgen machen muss, dass der vom Aussehen sehr auffallende Ausländer verloren geht in dieser ihm unbekannten Welt.























Arnaldo hat sich besonders über den Besuch gefreut. Nur für Grady natürlich hat er erst mal ein paar Spiele gekauft, die wir dann jeden Abend gespielt haben. Vor allem Monopoly kann einen wirklich süchtig machen!




















Besuch im Zoo mit Grady. Wie fast überall auf der Welt so ist auch der Zoo in Paraguay für die inhaftierten Tiere kein besonderes Vergnügen. Besonders im Gedächtnis blieben ein total verfetteter Jaguar, der aufgrund des kleinen Käfigs ständig im Kreis lief und ein riesiges Nilpferd, dass mit einer kleinen Pfütze Vorlieb nehmen musste bei den heissen Temperaturen.





















Wo es doch in Deutschland nichts schöneres gibt, als an einem Fluss spazieren zu gehen, ist dies in Paraguay etwas anderes. Es gibt wenig Orte, wo man sich überhaupt dem Fluss nähern kann, ohne sich um seine Sicherheit sorgen zu müssen. Die Armensiedlungen befinden sich häufig direkt neben den Flüssen, so auch in Asuncion. Nur direkt vor dem Regierungspalast kann man den Fluss besuchen.

















Es waren schöne 14 Tage mit dem kleinen Grady, aber sie waren auch sehr anstrengend. Einstimmiges Fazit von Arnaldo und mir war, dass noch lange nicht der richtige Zeitpunkt für Kinder ist!



EXPO 2008 - Fleisch, Fleisch, und noch mehr Fleisch





Besuch auf der landwirtschaftlichen Messe in Asuncion:

Um sich wirtschaftlich weiter entwickeln zu können, sei eine Bekanntmachung der paraguayischen Produkte auch über die Landesgrenzen hinaus wichtig. Dies müsse man der Bevölkerung bewusst machen, hieß es seitens der Organisatoren der gerade zu Ende gegangenen Expo für Landwirtschaft, Industrie und Handel nahe Asuncion. Während sich 1200 nationale und internationale Firmen zur Teilnahme an dieser „Handelsrunde", angemeldet hatten, präsentierte sich die Messe für viele „normale“ Besucher ganz anders.

Bei einem abendlichen Vergnügungsbesuch galt das Hauptaugenmerk der Massen meist der Liebe zum Fleisch und der Beschau von großen Fahrzeugen sowie Geräten. Natürlich kam auch der Konsum nicht zu kurz

Bild 1:
633 Kilogramm bringt das 25 Monate alte Angusrind auf die Waage. Für um die 50 Millionen Guarani ist das feinfaserige, von kräftiger roter Farbe gut marmorierte und auch nach dem Braten zarte und saftige Angusfleisch mit köstlichem Eigengeschmack zu haben. Allerdings in lebendiger Form und außerdem zum Verzehr auch viel zu schade, weil dieses Prachtfleischstück sich hervorragend zur Deckung eignet.
























Bild 2:
812 Kilogramm schwer ist der saftige Hintern und der Rest des üppigen Körpers des 32 Monate alten Brahman-Rindes. Diese Rasse wurde bereits vor etwa 8.500 Jahren in Indien gezüchtet. Markenzeichen sind die hängenden Ohren, die an Hasenohren erinnern, und die Wamme (Hautfalte am Hals), die sich auch hervorragend zum Verzehr eignet. Diese Tiere scheinen fast zu fleischbehangen zu sein, um sich noch viel bewegen zu können.




















Bild 3:
Um die 48 Kilogramm schwer sind die leicht bekleideten Mädchen, die sich vor jedem namhaften paraguayischen Dienstleister, Verkäufer oder Produzenten tummeln. Grundsätzlich lässt sich die Formel aufstellen: je mehr Einnahmen das Unternehmen, umso mehr hübsche Mädchen tummelten sich vor den leuchtenden Kennziffern ihrer Stände auf der Expo. Vor allem Handynetzbetreiber scheinen viele schwarze Zahlen zu verzeichnen.



















Bild 4:
Kiloweise kann man auf der Expo die saftigen Fleischstücke von den riesigen Grills der unzähligen Restaurants auf den eigenen Teller wandern lassen. Auf rot glühenden Kohlen präsentiert sich die paraguayische Qualitätsware hier ohne den beißenden Stallgeruch, der jedem Besucher der Ausstellungstiere sofort entgegen schlägt.
Auf der Expo von Paraguay konnte man vor allem jede Menge Fleisch bewundern:




















Es haben sich auch gewisse Neuerungen ergeben:

Arnaldo und ich sind jetzt stolze Besitzer eines wunderschönen Teeservices. Hauchdünn sind die Tassen und Teller und lassen feine englische Teepartys zu.









































Eine weiter Neuerung ist das Auto, das wir uns gemeinsam geleistet haben! Mit guten 150 000 km auf dem Buckel schnurrt es immer noch wie ein Kätzchen. Leider fehlt ihm jedoch recht oft irgendwas, egal ob es jetzt eine neue Betterie, ein neuer Scheibenöffner oder ein neuer Auspuff ist. Gespart wird wo es nur geht, weil es sich nicht wirklich rentiert Geld in das alte Ding zu investieren, deswegen haben wir auch in Handarbeit, den gerissenen Sitzbezug wieder repariert.































Der einzige Nachteil an einem eigenen Auto ist, dass man kaum drumrum kommt sich an jeder Strassenampel die Scheiben putzen zu lassen. Es fällt mir definitiv schwer nein zu sagen, wenn grosse Kinderaugen einen bittend durch die Glasscheibe anschauen. Der Anblick der Strassenkinder lässt mich immer noch nicht kalt, deswegen fahre ich tagtäglich mit super sauberen Scheiben durch die Stadt.












































































































Freitag, 27. Juni 2008

Erschreckende bzw. erbärmliche Zahlen für Paraguay

Ich wusste ja schon immer, dass der Staatsapparat in Paraguay besser sein könnte, diese aktuellen Zahlen aus einer der bekanntesten Zeitungen in Paraguay entnommen sind jedoch wirklich erschreckend:


Staatsapparat Paraguays extrem ineffizient. - Die paraguayische Regierung gilt als eine der ineffektivsten des lateinamerikanischen Kontinents. Auf einer Rangliste von 100 Punkten erhielten paraguayische Staatsangestellte lediglich einen Durchschnitt von 12 Punkten. Somit gehört Paraguay zu den drei Ländern Lateinamerikas, deren Staatsapparat die größte Ineffizienz aufweist. Wie in einer Bemerkung diesbezüglich verlautete, seien die Staatsangestellten der paraguayischen Regierung hauptsächlich darauf bedacht, ihr Gehalt und die eigenen Interessen zu verteidigen. Im Bereich der erreichten Ziele erhielt Paraguay dagegen 16 von 100 Punkten. Der Bericht wurde von der Interamerikanischen Entwicklungsbank erstellt. Neben Paraguay wurden auch Ecuador und Perú mit einer minimal effizienten Regierung bezeichnet. Die beste Punktezahl erhielten Brasilien, Chile und Mexiko. Doch selbst diese Länder erreichten nicht einmal den Durchschnitt von 50 Punkten.




Sonntag, 15. Juni 2008

Wochendenausflug Nummer 2

Sobald endlich wieder Wochenende war und wir nicht arbeiten mussten haben wir die Mutter wieder in das rote kleine Autochen eingepackt und sind paraguayische Sehenswürdigkeiten abklappern gefahren. Obwohl wir die Mutter explizit gebeten hatten doch sportliche Schuhe vorzuziehen, bestand sie auf ihre Prinzessinnenschuhe, "die sich hervorragend auch für längere Wegstrecken eignen".























Auf dem Programm stand als erstes Caacupe mit seiner riesigen und wirklich schönen Kirche. Umrandet war diese von zahlreichen Ständen mit Souvenirs aller Art. In besonders grosser Anzahl findet man dort kleine Marienstatuen der Jungfrau von Caacupe in den schillernsten Farben.


















Manchmal sogar mit glitzerndem Kunsthaar versehen oder von einem blinkenden Heiligenschein umgeben. Erstaunt waren wir über den erstaunlich guten Zustand der Kirche. Ich würde sogar das Wort prachtvoll verwenden. Im Normalfall legt man beim Bau von Gebäuden nicht unbedingt grossen Wert auf eine ordentliche Verarbeitung oder gar auf kleine kunstvolle Detailles. Hingerotzt nach allen Regeln der Kunst werden hier oft die Gebäude und auf Nachfrage an den Bauherren erhält man nur ein müdes Schulterzucken. Oder man wird gefragt, ob alles nochmal gemacht werden soll, was natürlich beinhaltet, dass nochmal alles bezahlt wird. Zurück zur Kirche: Diese ist mehr als ordentlich und mit viel Liebe gebaut und konstruiert worden.





































Dies liegt daran, weil sie den beliebtesten Wallfahrtsort in ganz Paraguay darstellt. Jeden 8 Dezember wandert jeder der Laufen kann nach Caacupe um dort die heilige Jungfrau zu besuchen. Ein Ereignis, an dem ich leider letztes Jahr nicht teilnehmen konnte, weil ich mich auf Rundreise befunden habe. Nachdem auch die Mutti und ich eine kleine kitschige Heiligenfigur erstanden haben war dann auch schon wieder Zeit zum Mittagessen. Von einem typischen Grill, den man an allen Ecken in Paraguay findet assen wir super zähes Fleisch mit wenig Beilage. Fleisch und Brot ist hier bei jedem Essen das Hauptgericht. Gemüse wird im allgemeinen nicht besonders geschätzt. Wenn es denn mal sein muss vielleicht ein Salat für den Vitaminhaushalt, aber bestimmt kein Zuchiniauflauf oder ein Blumenkohleintopf!!!!!!!!!!!





















Das nächste Ziel auf unserem Ausflug war die Töpferstadt Tobati. Nahezu alle Dachziegel, die es in Paraguay zu kaufen gibt werden dort in den grossen Öfen hergestellt. Zahlreiche schmauchende Schornsteine zierten den Strassenrand, zerstörten allerdings in keinster Weise das Landschaftsbild. Nahezu romantisch muten diese Öfen an, die weit zurück liegen im Zeitalter der Industrialisierung. Auf einem kleinen Aussichtspunkt liessen wir die Landschaft auf uns wirken.








































Mutters Prinzessinnenschuhe bewährten sich, mit etwas Hilfe, auch an dieser Stelle. Der Auf- und Abstieg über Felsen mutete zwar mit diesem Schuhwerk etwas merkwürdig an, aber mit der hilfreichen Hand von Arnaldo meisterte die Mutter auch diesen holprigen Abgang.






















Nachdem wir einen riesigen Souveniershop abgeklappert hatten ergab sich auch noch die Gelegenheit ein typisches paraguayisches Foto zu schiessen. Dicht hintereinander passierten wir mit dem Auto zuerst einen typischen paraguayischen Gaucho mit der stilgerechten Schaffellmontur, dicht gefolgt von einem Ochsenkarren, der einem in Paraguay sehr oft über den Weg fährt.
























Die Menschen freuten sich sehr über die Aufmerksamkeit, die ihnen zu Gute kam und posierten bereitwillig vor der Kamera. Den Abschluss unseres Ausfluges bildete Atyra, die sauberste Stadt in ganz Paraguay. Hier konnte die Mutter noch eine Ledertasche abstauben, bevor wir von einem Berg aus den Blick über das kleine Städtchen genossen. Auf diesem Berg befindet sich auch eines der schönsten Hotels in ganz Paraguay. Luxus pur kann man auf diesem Berg erleben, in wunderschönem Ambiente mit einem genialen Ausblick über einen der letzten Waldstücke in Paraguay.