Freitag, 27. Juni 2008

Erschreckende bzw. erbärmliche Zahlen für Paraguay

Ich wusste ja schon immer, dass der Staatsapparat in Paraguay besser sein könnte, diese aktuellen Zahlen aus einer der bekanntesten Zeitungen in Paraguay entnommen sind jedoch wirklich erschreckend:


Staatsapparat Paraguays extrem ineffizient. - Die paraguayische Regierung gilt als eine der ineffektivsten des lateinamerikanischen Kontinents. Auf einer Rangliste von 100 Punkten erhielten paraguayische Staatsangestellte lediglich einen Durchschnitt von 12 Punkten. Somit gehört Paraguay zu den drei Ländern Lateinamerikas, deren Staatsapparat die größte Ineffizienz aufweist. Wie in einer Bemerkung diesbezüglich verlautete, seien die Staatsangestellten der paraguayischen Regierung hauptsächlich darauf bedacht, ihr Gehalt und die eigenen Interessen zu verteidigen. Im Bereich der erreichten Ziele erhielt Paraguay dagegen 16 von 100 Punkten. Der Bericht wurde von der Interamerikanischen Entwicklungsbank erstellt. Neben Paraguay wurden auch Ecuador und Perú mit einer minimal effizienten Regierung bezeichnet. Die beste Punktezahl erhielten Brasilien, Chile und Mexiko. Doch selbst diese Länder erreichten nicht einmal den Durchschnitt von 50 Punkten.




Sonntag, 15. Juni 2008

Wochendenausflug Nummer 2

Sobald endlich wieder Wochenende war und wir nicht arbeiten mussten haben wir die Mutter wieder in das rote kleine Autochen eingepackt und sind paraguayische Sehenswürdigkeiten abklappern gefahren. Obwohl wir die Mutter explizit gebeten hatten doch sportliche Schuhe vorzuziehen, bestand sie auf ihre Prinzessinnenschuhe, "die sich hervorragend auch für längere Wegstrecken eignen".























Auf dem Programm stand als erstes Caacupe mit seiner riesigen und wirklich schönen Kirche. Umrandet war diese von zahlreichen Ständen mit Souvenirs aller Art. In besonders grosser Anzahl findet man dort kleine Marienstatuen der Jungfrau von Caacupe in den schillernsten Farben.


















Manchmal sogar mit glitzerndem Kunsthaar versehen oder von einem blinkenden Heiligenschein umgeben. Erstaunt waren wir über den erstaunlich guten Zustand der Kirche. Ich würde sogar das Wort prachtvoll verwenden. Im Normalfall legt man beim Bau von Gebäuden nicht unbedingt grossen Wert auf eine ordentliche Verarbeitung oder gar auf kleine kunstvolle Detailles. Hingerotzt nach allen Regeln der Kunst werden hier oft die Gebäude und auf Nachfrage an den Bauherren erhält man nur ein müdes Schulterzucken. Oder man wird gefragt, ob alles nochmal gemacht werden soll, was natürlich beinhaltet, dass nochmal alles bezahlt wird. Zurück zur Kirche: Diese ist mehr als ordentlich und mit viel Liebe gebaut und konstruiert worden.





































Dies liegt daran, weil sie den beliebtesten Wallfahrtsort in ganz Paraguay darstellt. Jeden 8 Dezember wandert jeder der Laufen kann nach Caacupe um dort die heilige Jungfrau zu besuchen. Ein Ereignis, an dem ich leider letztes Jahr nicht teilnehmen konnte, weil ich mich auf Rundreise befunden habe. Nachdem auch die Mutti und ich eine kleine kitschige Heiligenfigur erstanden haben war dann auch schon wieder Zeit zum Mittagessen. Von einem typischen Grill, den man an allen Ecken in Paraguay findet assen wir super zähes Fleisch mit wenig Beilage. Fleisch und Brot ist hier bei jedem Essen das Hauptgericht. Gemüse wird im allgemeinen nicht besonders geschätzt. Wenn es denn mal sein muss vielleicht ein Salat für den Vitaminhaushalt, aber bestimmt kein Zuchiniauflauf oder ein Blumenkohleintopf!!!!!!!!!!!





















Das nächste Ziel auf unserem Ausflug war die Töpferstadt Tobati. Nahezu alle Dachziegel, die es in Paraguay zu kaufen gibt werden dort in den grossen Öfen hergestellt. Zahlreiche schmauchende Schornsteine zierten den Strassenrand, zerstörten allerdings in keinster Weise das Landschaftsbild. Nahezu romantisch muten diese Öfen an, die weit zurück liegen im Zeitalter der Industrialisierung. Auf einem kleinen Aussichtspunkt liessen wir die Landschaft auf uns wirken.








































Mutters Prinzessinnenschuhe bewährten sich, mit etwas Hilfe, auch an dieser Stelle. Der Auf- und Abstieg über Felsen mutete zwar mit diesem Schuhwerk etwas merkwürdig an, aber mit der hilfreichen Hand von Arnaldo meisterte die Mutter auch diesen holprigen Abgang.






















Nachdem wir einen riesigen Souveniershop abgeklappert hatten ergab sich auch noch die Gelegenheit ein typisches paraguayisches Foto zu schiessen. Dicht hintereinander passierten wir mit dem Auto zuerst einen typischen paraguayischen Gaucho mit der stilgerechten Schaffellmontur, dicht gefolgt von einem Ochsenkarren, der einem in Paraguay sehr oft über den Weg fährt.
























Die Menschen freuten sich sehr über die Aufmerksamkeit, die ihnen zu Gute kam und posierten bereitwillig vor der Kamera. Den Abschluss unseres Ausfluges bildete Atyra, die sauberste Stadt in ganz Paraguay. Hier konnte die Mutter noch eine Ledertasche abstauben, bevor wir von einem Berg aus den Blick über das kleine Städtchen genossen. Auf diesem Berg befindet sich auch eines der schönsten Hotels in ganz Paraguay. Luxus pur kann man auf diesem Berg erleben, in wunderschönem Ambiente mit einem genialen Ausblick über einen der letzten Waldstücke in Paraguay.

Samstag, 14. Juni 2008

Ein Tag im Nationalpark Ybicui

Frei nach dem Moto "Das Wandern ist des Müllers Lust" haben Arnaldo und ich uns Wanderschuhe angezogen, während die Mutter schreiend pinkene Feenschuhe bevorzugte. Entsprechend ausgerüstet sind wir in das kleine rote Autochen von Arnaldos Schwester gestiegen und stundenlang weit aus Asuncion hinaus in die Pampa gefahren. Man darf sich das nicht so vorstellen, dass man irgendwelchen Schildern folgt, die ausweisen, wo sich die wunderbaren paraguayischen Sehenswürdigkeiten befinden. Als Ausländer hat man eigentlich keine Chance jemals einen schönen Ort in Paraguay zu finden, wenn man nicht einen Guide bei sich hat. Zum Glück hat Arnaldo diese Funktion übernommen und zudem seine Schwester davon überzeugen können, dass sie das Auto dieses Wochenende wirklich nicht braucht. Der Durchschnittsparaguayer schätzt weder wunderschöne Landschaften und noch viel weniger eine straffe Wanderung von über zwei Stunden, um nahezu unberührte Fleckchen Erde aufzusuchen. Deswegen haben wir bei unserem Ausflug auch niemanden getroffen, abgesehen von dem einsamen Wächter, der den Eingang bewachen musste. Hier erinnert wirklich garnichts an Spaziergänge auf den überbevölkerten Strassen rund um den Bodensee, so dass man nahezu in Reih und Glied marschieren muss, um überhaupt ein Plätzle in der wunderschönen Natur einnehmen zu können.Weil ich manchmal eben doch noch viel zu europäisch denke bin ich irgendwie davon ausgegangen, dass es in dem Park irgendwo etwas zu Essen geben würde. Abgesehen von der Essgelegenheit, die nicht aufzufinden was, gab es auch keine Mülleimer oder Hinweisschilder, die einem andeuten, dass man die Hälfte des Weges hinter sich hat oder sich überhaupt auf dem richtigen Weg befindet. Mit einer Packung trockener Kekse bewaffnet sprintete unser kleiner Mogli alias Arnaldo uns vorraus und hatte auch keine Scheu ungefähre Aussagen über die Länge des verbleibenden Weges zu machen, die sich jedoch meist als sehr vage erwiesen. Trotz fehlender anderer Wanderer waren wir in ständiger Begleitung von unzähligen kleinen fiesen Blutsaugern, die eine Vorliebe für europäisches Blut zu haben schienen. Obwohl die Temperaturen eigentlich ein ärmelloses Wandern zugelassen hätten, blieb uns nichts anderes übrig, als schwitzend die Hitzewallungen unter dem Stoff zu etragen. Die Mutter machte jedoch auf die kleinen Biester einen so süssen Eindruck, dass sie auch vor ihrer Stirn keinen Halt machten. Als fabelhaftes Einhorn mit pinkenen Schuhen beendete die Mutter unseren kleinen Ausflug.








Sonntag, 25. Mai 2008

Die Mutter zu Besuch

Rechtzeitig zu meinem Geburtstag ist die liebe Mutter extra aus Deutschland eingeflogen. Es waere auch eine wirkliche Ueberraschung gewesen, wenn die Sonja sich nicht vorher schon verplappert haette. Ich glaenzte am Flughafen erst mal durch nicht geplantes zu spaet kommen. Obwohl ich doch schon eine Weile in Asuncion bin, war ich vorher naemlich noch nie am Flughafen. Bin immer nur mit dem Bus nach Paraguay eingereist. Mit zwei riesigen Koffern stand die Mutter also schon eine Weile am Flughafen und wartete in der mittaglichen Hitze nahezu komplett in schwarz gekleidet... Ueber ein halbes Jahr hatte ich die gute Mutti nicht gesehen und sie hatte sich ueberhaupt nicht veraendert. Die Damen, die in der Pension arbeiten meinten auch gleich, dass eine elegant aussehende Dame angekommen waere, die fast noch schoener waere als ihre Tochter..... Aehnlichkeiten bei uns beiden konnten die meisten allerdings nicht entdecken. Komisch! Am ersten Abend wollten wir eigentlich alleine Essen gehen und uns einen riesigen Blumenkohl ans Ohr quatschen, um das halbe Jahr wieder aufzuarbeiten. Das hatte ich meinem Freund auch so gesagt, aber er hat die Spannung nicht wirklich ausgehalten und rief irgendwann an nur um mitzuteilen, dass er gerade gaaaaanz zufaellig in der Naehe des Restaurants waere und kurz vorbeikommen koennte.


















Ganz schoen aufgeregt war der liebe Arnaldo und hat geredet wie ein Wasserfall, um dies irgendwie zu ueberspielen. Nach dem ersten Glas Wein hat sich das jedoch um einiges gebessert und wir fingen an ueber Gott und die Welt zu diskutieren. Ich selbst leider weniger, weil ich so beschaeftigt damit war zwischen den beiden hin und her zu uebersetzen, dass ich kaum dazu gekommen bin mir selber irgendeinen sinnvollen Beitrag auszudenken. Um zwoelf bin ich dann 26 Jahre alt geworden. Mein Reitlehrer meinte, dass ich ab spaetestens jetzt mein Alter nicht mehr wirklich nennen sollte. Das wuerde die paraguayischen Maennerwelt erschrecken, zudem, weil ich ja immer noch unverheiratet sei. Deswegen habe ich hier jedem am naechsten Tag stolz erzaehlt, dass ich gerade mal 18 geworden waere. Wie auch immer haben wir jedoch am selben Abend noch mit einer Flasche Sekt auf meine 26 Jahre angestossen, bevor wir dann alle ins Bett gefallen sind. Am naechsten Tag habe ich den kompletten Lohn der Zeitung von einer Woche bei einem Abendessen rausgehauen. Das wollte ich wirklich immer schon mal machen. Umgerechnet in Euro war es eigentlich sehr billig, aber wenn man dann Guarani verdient kann man ja leider nicht so denken.
















Meine Lieblingsfamilie in Paraguay, Arnaldo, meine Mutter und ich haben uns in einer Churrasqueria mit Fleisch so richtig schoen den Bauch vollgeschlagen. Leider war die Konversation etwas schleppend, da ich immer uebersetzen musste. Deswegen hab ich auch am Tag drauf nahezu nur Deutsche zum Abendessen eingeladen, damit endlich mal wieder ein ordentliches Gespraech zustande kommt.

















Nur der liebe Arnaldo blickte stumm um den ganzen Tisch herum, an dem nur Deutsch gesprochen wurde. Ihm blieb nicht viel anderes uebrig, als das leckere von Mutti gekochte Essen zu geniessen. Absolutes Highlight des Abends war definitiv, als ein Stuhl unter dem lieben Michael zusammenbrach, weil er zu oft Nachgeschlagen hatte.....





































Bestes Geschenk war die Reitpeitsche, die mir mein Reitlehrer geschenkt hatte. Erstes Opfer war dann Arnaldo. Man muss ja schliesslich gleich seine Geschenke ausprobieren. Nach diesem Abendessen hatten wir definitiv meinen Geburtstag mehr als ausreichend gefeiert.


Abgerundet haben wir dieses Wochenende mit einem kleinen Besuch in San Bernardino. Dem Urlaubsparadies fuer gestresste Menschen aus der Stadt Asuncion.































Die Haupturlaubsmonate sind jedoch Januar und Februar. Den Rest des Jahres liegt der schöne See recht verlassen in der grünen Landschaft.
























Wir kamen gerade noch rechtzeitig, um die letzten Mittagsstunden und anschliessend den Sonnenuntergang geniessen zu können.


DER TOM IST GARSTIG!!

Mittwoch, 23. April 2008

OOOOHHHH du lieber Augustin alles ist hin!!!!!

Nachdem ich mich jetzt von dem ersten Schreck erholt habe ist es mir doch eine Notiz wert, um über meine neuesten schlechten Nachrichten zu berichten:
Aus meiner Wohnung wurden entfernt:

1. Mein Notebook
2. Mein deutsches geliebtes Handy, dass ich extra nie mitgenommen habe, damit es nicht geklaut wird
3. Meine geliebte Kamera
4. Die Kamera meines Chefs, die gerade an diesem Tag in meiner Wohnung war
5. Der MP3 meines Chefs auf dem sich alle meine neuesten Artikel befanden, als Sicherung, falls das Notebook den Geist aufgibt!
6. Eine Webcam mitsamt Headset!

Das war natürlich ein arger Schock, nachdem ich die Nacht über so wundervoll in den Armen meines Freundes geschlafen hatte, meinen leergeräumten Schreibtisch am Morgen vorfinden zu müssen. Anschliessend ging es bei mir zu wie in einem Taubenschlag: Ich hatte zufällig eine Woche zuvor den Chef der paraguayischen Polizei kennengelernt (und den natürlich auch ordnungsgemäss mit meiner Kamera abgelichtet), der mir einen Beamten nach dem anderen vorbei schickte. Mir wurde geraten die Zimmer der anderen Leute, die in der Pension wohnen zu durchsuchen, nachdem irgendjemand versuchte auf mein Online-Banking zuzugreifen. Durch diese Tatsache rückten die Deutschen in meinem Umfeld in das Hauptaugenmerk der Fandung. Ziemlich peinlich berührt habe ich die Unterhosen- und Sockenschubladen der Deutschen in der Pension durchsuchen müssen, die grösstenteils zu meinem Freundeskreis hier in Paraguay zählen. Eine Erfahrung, die ich auch nicht unbedingt nochmal machen möchte. Gefunden wurde natürlich nichts, aber wenigstens kann ich jetzt sicher sein, dass nicht im Zimmer nebenan, jemand auf meinem Laptop tippt. Es bleibt weiterhin unklar, ob die Diebe sich über ein Eisen Zutritt durch mein Fenster verschafft haben oder ob dies nur ein Ablenkungsmanöver war um nicht auf die Idee zu kommen, dass es einer aus dem Haus sein könnte. Nachdem eigentlich jeder ein Verdächtiger sein kann, bleibt mir eigentlich nur die Möglichkeit zu allen den Kontakt abzubrechen, oder einfach so weiter zu machen wie bisher. Unglaubliche Verschwörungtheorien wurden besprochen, angefangen von einem Zusammenhang mit zwei weiteren Raubüberfällen, unter denen weitere Redaktionsangestellte leiden mussten, bis hin zu einem Zusammenhang mit 18 weiteren Überfällen von Journalisten im ganzen Land. Nachdem dann auch Interpol bei mir zu Hause war, hatte ich dann doch irgendwann genug von allen möglichen Verschwörungstheorien und habe damit begonnen, die Dinge, die ich als Journalistin brauche irgendwie wieder zu organisieren! Ein Dank an meinen lieben Vater an dieser Stelle, der sich grosszügig dazu bereit erklärte, seiner im Moment recht mittellosen Tochter nochmal unter die Arme zu greifen!

Fies und gemein finde ich es trotzdem, dass alle meine Fotos und Daten weg sind.....
Aber im Namen der Gerechtigkeit wird hoffentlich irgendjemand anderes die Diebe für ihre "Fiesigkeit" bestrafen!

Montag, 21. April 2008

WAHLSIEG DES BISCHOFS DER ARMEN

Am 20. April 2008 siegte bei den Präsidentschaftswahlen Fernando Lugo, auch bekannt als Bischof der Armen“, über die korrupte Colorado-Partei. Nach einem halben Jahrhundert ist die Herrschaft der korrupten Colorado-Partei in Paraguay beendet und der abtrünnige Bischof wurde mit einer klaren Mehrheit von 41 Prozent der Wählerstimmen gewählt. Lugo vertrat als Bischof von 1994 an die linksgerichtete Theologie der Befreiung und geriet damit in Konflikt mit dem Vatikan. Im Dezember 2006 legte er sein geistliches Amt nieder, weil er sonst nach der Verfassung des Landes nicht für ein politisches Amt hätte kandidieren können.


Dies ist ein historisches Ereignis, weil nach 61 Jahren der Herrschaft der selben Partei eine neue Partei die Macht übernimmt. Es wurde ausserdem die höchste Wahlbeteiligung seit dem Ende des Stroessner-Regimes verzeichnet. PARAGUAY HAT EINE WEITERE HÜRDE AUF DEM WEG ZUR DEMOKRATIE GENOMMEN!

Der scheidende Präsident Nicanor Duarte konnte nach fünfjähriger Amtszeit nicht wiedergewählt werden. Seine Colorado-Partei wird mit Jahrzehnten der Korruption in Verbindung gebracht. Dank eines straffen Parteiapparats und mehrerer hunderttausend loyaler Beamter konnte sie sich so lange an der Macht halten. Mit freudigen Rufen forderten die Menschen, die sich in der Innenstadt eingefunden hatten um das Ergebnis zu feiern, Haftstrafe für den ehemaligen Präsidenten. Die Tatsache, dass endlich die Chance auf einen Wechsel besteht weckt Hoffnungen bei vielen Menschen. Lugo warb im Wahlkampf für eine bessere Lebensqualität insbesondere der indigenen Bevölkerung. Blanca Ovelar, die Gegenkandidatin, räumte in einer Fernsehansprache ihre Niederlage ein.

Mit dem Sieg des „Bischofs der Armen“ setzt sich der Trend zu Mitte-Links-Regierungen in Südamerika fort – wie zuvor schon in Venezuela, Bolivien, Ecuador, Brasilien, Argentinien, Chile und Uruguay.


Unterstützt wird Lugo von dem vor acht Monaten gebildeten Bündnis Patriotische Allianz für den Wechsel, dem neben der größten Oppositionspartei auch Gewerkschaften und Vertreter von Landarbeitern und Indianern angehören.

Im stundenlangen Kampf um ein Foto, konnte ich direkt vor der Bühne stehend einige Bilder des neuen Präsidenten machen. Dies geschah im wahrsten Sinne des Wortes im Schweisse meines Angesichts. Ich habe noch nie so hart um eine Foto gekämpft!!!!!!!!





















































Die Freude der Menschen nach dem Ausgang der Wahl war gross. Überall in den Strassen bildeten sich Menschenaufläufe, Autos fuhren hupend mit Fahnen ausgestattet durch die Stadt.






































































Die Stimmabgabe verlief an den von mir besuchten Stellen sehr ruhig und friedlich. Habe auch meinen Freund begleitet, als er wählen gegangen ist. Interessant erschien mir, dass auf den Stimmzetteln Gesichtern neben den Namen zu finden sind, wegen der hohen Analphabetenrate in Paraguay. An jedem einzelnen Wahltisch im Land sass jeweils ein Vertreter von jeder Partei. Da keinen keinem traut ist dieses Verfahren nötig.











Sonntag, 30. März 2008

Schon wieder ein Monat rum (März 2008)


Ich komme wirklich immer seltener dazu hier etwas zu veröffentlichen…

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ich mich immer besser in Paraguay einlebe. Neulich war ich auf dem Geburtstag einer der Söhne von meiner Lieblingsfamilie.













Als ich mich bedankte, dass er mich eingeladen hätte, meinte er das sei doch wirklich mehr als selbstverständlich, da ich ja quasi zur Familie gehören würde. Mit ganz stolz geschwellter Brust habe ich dann die Party verlassen.












Die beiden Söhne haben mich an diesem Abend das erste Mal in Männerbegleitung gesehen und Arnaldo ist von ihnen mehr als nur beäugt worden. Ich hatte ja noch nie Brüder, aber fand es überaus witzig zu hören, dass beide am nächsten Tag ihre Mutter fragten, ob sie Arnaldo näher kennen würde und ob ich auch 100 prozentig in guten Händen wäre. Auf der Geburtstagsparty haben Arnaldo und ich das erste Mal zusammen getanzt und ich war wirklich mehr als nur überrascht, dass er ein wirklich ausgezeichneter Tänzer ist. Als wir nach dem Tanzen wieder in Richtung unseres Tisches unterwegs waren erhielten wir Applaus und wurden gefragt, wie lange wir schon zusammen üben würden…. Mir war in diesem Moment noch ganz anders von den vielen Drehungen und ich war drum bemüht meinen wie nach einem Marathon rasenden Herzschlag wieder in den Griff zu bekommen. Tanzen kann doch etwas anstrengend sein habe ich festgestellt.


Da wir so viel Spaß beim Tanzen hatten sind wir gleich zwei Tage drauf wieder Tanzen gewesen. Meine Freundin Sady, mit der ich im April zusammenziehen werde, Arnaldo und ich waren leider nahezu die einzigen, die gerade diese Bar an diesem Abend ausgesucht hatten.

















Weil die Musik aber ausgezeichnet war und wir bei gähnender Leere mehr Platz hatten zum Tanzen haben wir keinen Ortswechsel in Betracht gezogen.














Bis morgens um 7 haben wir getanzt bis die Füße wirklich wund waren. So langsam habe ich mich an das späte Weggehen hier gewöhnt. Vor 12 Uhr nachts fängt man gar nicht erst an mit Ausgehen und vor 7 braucht man auch nicht glauben, dass man daheim ist. Das Zauberwort heißt: Vorschlafen! Die hier berühmt berüchtigte Siesta lässt einen dann nachts länger durchhalten.


An Ostern hat mich Arnaldo zu einem kleinen Osterausflug eingeladen. Meine Familie hier war ganz betrübt, dass ich nicht traditionell mit ihnen an Ostern „Chipa“ backen würde, aber man kann halt nicht immer überall gleichzeitig sein. Wir haben uns in San Ignacio eine riesige Osterprozession angeschaut.










An die 8000 Menschen haben diesen Ort mit uns aufgesucht. Auf dem gesamten Berg waren tausende von Kerzen aufgestellt und riesige Fackeln säumten den Weg. Es war schon sehr beeindruckend, wie die sehr gläubigen Paraguayer den Leidensweg Jesu in Szene gesetzt haben. Die nächsten zwei Tage haben Arnaldo und ich die Natur genossen und es uns gut gehen lassen in der Idylle des Hinterlandes von Paraguay.
























Es ist allerdings schwer in Paraguay Orte zu finden, die man gerne als Tourist besuchen möchte. Es gibt kaum Reiseführer oder Schilder oder irgendetwas was darauf hinweist, wo sich solche Orte befinden. Man kann nur im Gespräch mit Paraguayern herausfinden, wo schöne Ecken sind.














Ein absolutes Highlight der letzten Zeit war eine paraguayische Hochzeit. Einer der Cousins von Arnaldo hat geheiratet und ich habe mich sehr gefreut, dass er mich mitnehmen wollte. Samstagmittag habe ich dann etwas überraschend festgestellt, dass die Kleidung, die ich hier in Paraguay habe, absolut unangemessen ist für eine solche Festlichkeit. Ballkleidung ist das einzig zulässige für eine Frau, wenn man sich nicht total blamieren möchte. Arnaldo war schon ganz unruhig geworden, da seine Mutter und seinen Schwester doch schon die ganze Woche gefragt hatten, ob ich denn die passende Kleidung besitzen würde. Zum Glück gibt es da noch meine Freundin Sady, die mir in dieser Notsituation mit einem Ballkleid aushalf.










Sie lieferte nicht nur das passende Kleid, sondern auch den Schmuck und die Handtasche.














Das Kleid war leider nicht ganz auf mich zugeschnitten und verursachte einige Probleme an diesem Abend, aber meine zuvorkommende Abendbegleitung hat immer sehr dezent die verrutschenden Träger korrigiert.











Der Rücken meines Kleides wurde komplett geschnürt und Arnaldo ist immer kreativer geworden in Bezug auf die Schnürtechnik, die wir doch mehrere Male abändern mussten. Es ist ganz schön schwer mit einem hautengen Kleid Tanzen zu wollen, vor allem wenn man zudem auf 10 Zentimeter hohen Absätzen steht. Aber in Bezug auf Mode muss man in Paraguay sich doch einiges an Mühe geben, um nicht völlig unterzugehen. Es war nicht eine einzige schlecht angezogene Dame auf der Hochzeit. Bei 500 Gästen finde ich keine schlechte Leistung.










Den meisten Frauen sah man auch definitiv an, dass sie an die 4 Stunden im Bad verbracht haben dürften. Gleich nach dem Abendessen wurden die typischen lateinamerikanischen Rhythmen aufgelegt und sehr wild getanzt. Sowohl jung als auch alt befanden sich auf der Tanzfläche, während an den Tischen gähnende Leere herrschte. Um 5 Uhr morgens waren meine Füße dann so taub, dass ich es für angebracht hielt den Heimweg anzutreten. Die Woche ließ ich wie üblich bei meiner Lieblingsfamilie ausklingen. Es hat mich sehr traurig gemacht zu hören, dass sie in große finanzielle Probleme geraten sind. Die Mutter von Miriam ist sehr krank geworden und ein Krankheitsfall bedeutet in Paraguay immer eine schwere finanzielle Belastung. Zudem ist das Gehalt des Familienvaters schon vor geraumer Zeit so zusammengekürzt worden, dass es nicht reicht um die Familie zu ernähren. Miriam ist im Moment im letzten Semester ihres Studiums und versucht verzweifelt einen Nebenjob zu finden, damit die Situation irgendwie überwunden werden kann. Für Paraguayer einen Job zu finden ist leider um einiges schwieriger als für mich und ich weiss nicht, ob ich ihr diesbezüglich irgendwie helfen kann. Sie war diese Woche nicht bei der Uni, weil kein Geld für den Bus vorhanden war. Der Abschluss des Studiums bedeutet selbst in ihrem Alter den einzigen Ausweg aus der finanziellen Misere. An dieser Stelle sieht man ganz deutlich, dass ein Sozialstaat schon viel Wert sein kann. Die Familie springt zwar an dieser Stelle ein und bezahlt Stromrechnungen oder was sonst so anfällt, aber es war meiner Familie doch deutlich anzusehen, dass sie kaum mehr über die Runden kommt. Das hat mich sehr traurig gemacht und ich werde schauen, wie ich ihnen helfen kann……