Mittwoch, 23. April 2008
OOOOHHHH du lieber Augustin alles ist hin!!!!!
Aus meiner Wohnung wurden entfernt:
1. Mein Notebook
2. Mein deutsches geliebtes Handy, dass ich extra nie mitgenommen habe, damit es nicht geklaut wird
3. Meine geliebte Kamera
4. Die Kamera meines Chefs, die gerade an diesem Tag in meiner Wohnung war
5. Der MP3 meines Chefs auf dem sich alle meine neuesten Artikel befanden, als Sicherung, falls das Notebook den Geist aufgibt!
6. Eine Webcam mitsamt Headset!
Das war natürlich ein arger Schock, nachdem ich die Nacht über so wundervoll in den Armen meines Freundes geschlafen hatte, meinen leergeräumten Schreibtisch am Morgen vorfinden zu müssen. Anschliessend ging es bei mir zu wie in einem Taubenschlag: Ich hatte zufällig eine Woche zuvor den Chef der paraguayischen Polizei kennengelernt (und den natürlich auch ordnungsgemäss mit meiner Kamera abgelichtet), der mir einen Beamten nach dem anderen vorbei schickte. Mir wurde geraten die Zimmer der anderen Leute, die in der Pension wohnen zu durchsuchen, nachdem irgendjemand versuchte auf mein Online-Banking zuzugreifen. Durch diese Tatsache rückten die Deutschen in meinem Umfeld in das Hauptaugenmerk der Fandung. Ziemlich peinlich berührt habe ich die Unterhosen- und Sockenschubladen der Deutschen in der Pension durchsuchen müssen, die grösstenteils zu meinem Freundeskreis hier in Paraguay zählen. Eine Erfahrung, die ich auch nicht unbedingt nochmal machen möchte. Gefunden wurde natürlich nichts, aber wenigstens kann ich jetzt sicher sein, dass nicht im Zimmer nebenan, jemand auf meinem Laptop tippt. Es bleibt weiterhin unklar, ob die Diebe sich über ein Eisen Zutritt durch mein Fenster verschafft haben oder ob dies nur ein Ablenkungsmanöver war um nicht auf die Idee zu kommen, dass es einer aus dem Haus sein könnte. Nachdem eigentlich jeder ein Verdächtiger sein kann, bleibt mir eigentlich nur die Möglichkeit zu allen den Kontakt abzubrechen, oder einfach so weiter zu machen wie bisher. Unglaubliche Verschwörungtheorien wurden besprochen, angefangen von einem Zusammenhang mit zwei weiteren Raubüberfällen, unter denen weitere Redaktionsangestellte leiden mussten, bis hin zu einem Zusammenhang mit 18 weiteren Überfällen von Journalisten im ganzen Land. Nachdem dann auch Interpol bei mir zu Hause war, hatte ich dann doch irgendwann genug von allen möglichen Verschwörungstheorien und habe damit begonnen, die Dinge, die ich als Journalistin brauche irgendwie wieder zu organisieren! Ein Dank an meinen lieben Vater an dieser Stelle, der sich grosszügig dazu bereit erklärte, seiner im Moment recht mittellosen Tochter nochmal unter die Arme zu greifen!
Fies und gemein finde ich es trotzdem, dass alle meine Fotos und Daten weg sind.....
Aber im Namen der Gerechtigkeit wird hoffentlich irgendjemand anderes die Diebe für ihre "Fiesigkeit" bestrafen!
Montag, 21. April 2008
WAHLSIEG DES BISCHOFS DER ARMEN
Dies ist ein historisches Ereignis, weil nach 61 Jahren der Herrschaft der selben Partei eine neue Partei die Macht übernimmt. Es wurde ausserdem die höchste Wahlbeteiligung seit dem Ende des Stroessner-Regimes verzeichnet. PARAGUAY HAT EINE WEITERE HÜRDE AUF DEM WEG ZUR DEMOKRATIE GENOMMEN!
Der scheidende Präsident Nicanor Duarte konnte nach fünfjähriger Amtszeit nicht wiedergewählt werden. Seine Colorado-Partei wird mit Jahrzehnten der Korruption in Verbindung gebracht. Dank eines straffen Parteiapparats und mehrerer hunderttausend loyaler Beamter konnte sie sich so lange an der Macht halten. Mit freudigen Rufen forderten die Menschen, die sich in der Innenstadt eingefunden hatten um das Ergebnis zu feiern, Haftstrafe für den ehemaligen Präsidenten. Die Tatsache, dass endlich die Chance auf einen Wechsel besteht weckt Hoffnungen bei vielen Menschen. Lugo warb im Wahlkampf für eine bessere Lebensqualität insbesondere der indigenen Bevölkerung. Blanca Ovelar, die Gegenkandidatin, räumte in einer Fernsehansprache ihre Niederlage ein.
Mit dem Sieg des „Bischofs der Armen“ setzt sich der Trend zu Mitte-Links-Regierungen in Südamerika fort – wie zuvor schon in Venezuela, Bolivien, Ecuador, Brasilien, Argentinien, Chile und Uruguay.




Die Freude der Menschen nach dem Ausgang der Wahl war gross. Überall in den Strassen bildeten sich Menschenaufläufe, Autos fuhren hupend mit Fahnen ausgestattet durch die Stadt.




Die Stimmabgabe verlief an den von mir besuchten Stellen sehr ruhig und friedlich. Habe auch meinen Freund begleitet, als er wählen gegangen ist. Interessant erschien mir, dass auf den Stimmzetteln Gesichtern neben den Namen zu finden sind, wegen der hohen Analphabetenrate in Paraguay. An jedem einzelnen Wahltisch im Land sass jeweils ein Vertreter von jeder Partei. Da keinen keinem traut ist dieses Verfahren nötig.




Sonntag, 30. März 2008
Schon wieder ein Monat rum (März 2008)
Ich komme wirklich immer seltener dazu hier etwas zu veröffentlichen…
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ich mich immer besser in Paraguay einlebe. Neulich war ich auf dem Geburtstag einer der Söhne von meiner Lieblingsfamilie.
Als ich mich bedankte, dass er mich eingeladen hätte, meinte er das sei doch wirklich mehr als selbstverständlich, da ich ja quasi zur Familie gehören würde. Mit ganz stolz geschwellter Brust habe ich dann die Party verlassen.
Die beiden Söhne haben mich an diesem Abend das erste Mal in Männerbegleitung gesehen und Arnaldo ist von ihnen mehr als nur beäugt worden. Ich hatte ja noch nie Brüder, aber fand es überaus witzig zu hören, dass beide am nächsten Tag ihre Mutter fragten, ob sie Arnaldo näher kennen würde und ob ich auch 100 prozentig in guten Händen wäre. Auf der Geburtstagsparty haben Arnaldo und ich das erste Mal zusammen getanzt und ich war wirklich mehr als nur überrascht, dass er ein wirklich ausgezeichneter Tänzer ist. Als wir nach dem Tanzen wieder in Richtung unseres Tisches unterwegs waren erhielten wir Applaus und wurden gefragt, wie lange wir schon zusammen üben würden…. Mir war in diesem Moment noch ganz anders von den vielen Drehungen und ich war drum bemüht meinen wie nach einem Marathon rasenden Herzschlag wieder in den Griff zu bekommen. Tanzen kann doch etwas anstrengend sein habe ich festgestellt.
Da wir so viel Spaß beim Tanzen hatten sind wir gleich zwei Tage drauf wieder Tanzen gewesen. Meine Freundin Sady, mit der ich im April zusammenziehen werde, Arnaldo und ich waren leider nahezu die einzigen, die gerade diese Bar an diesem Abend ausgesucht hatten.
Weil die Musik aber ausgezeichnet war und wir bei gähnender Leere mehr Platz hatten zum Tanzen haben wir keinen Ortswechsel in Betracht gezogen.
Bis morgens um 7 haben wir getanzt bis die Füße wirklich wund waren. So langsam habe ich mich an das späte Weggehen hier gewöhnt. Vor 12 Uhr nachts fängt man gar nicht erst an mit Ausgehen und vor 7 braucht man auch nicht glauben, dass man daheim ist. Das Zauberwort heißt: Vorschlafen! Die hier berühmt berüchtigte Siesta lässt einen dann nachts länger durchhalten.
An Ostern hat mich Arnaldo zu einem kleinen Osterausflug eingeladen. Meine Familie hier war ganz betrübt, dass ich nicht traditionell mit ihnen an Ostern „Chipa“ backen würde, aber man kann halt nicht immer überall gleichzeitig sein. Wir haben uns in San Ignacio eine riesige Osterprozession angeschaut.
An die 8000 Menschen haben diesen Ort mit uns aufgesucht. Auf dem gesamten Berg waren tausende von Kerzen aufgestellt und riesige Fackeln säumten den Weg. Es war schon sehr beeindruckend, wie die sehr gläubigen Paraguayer den Leidensweg Jesu in Szene gesetzt haben. Die nächsten zwei Tage haben Arnaldo und ich die Natur genossen und es uns gut gehen lassen in der Idylle des Hinterlandes von Paraguay.
Es ist allerdings schwer in Paraguay Orte zu finden, die man gerne als Tourist besuchen möchte. Es gibt kaum Reiseführer oder Schilder oder irgendetwas was darauf hinweist, wo sich solche Orte befinden. Man kann nur im Gespräch mit Paraguayern herausfinden, wo schöne Ecken sind.
Ein absolutes Highlight der letzten Zeit war eine paraguayische Hochzeit. Einer der Cousins von Arnaldo hat geheiratet und ich habe mich sehr gefreut, dass er mich mitnehmen wollte. Samstagmittag habe ich dann etwas überraschend festgestellt, dass die Kleidung, die ich hier in Paraguay habe, absolut unangemessen ist für eine solche Festlichkeit. Ballkleidung ist das einzig zulässige für eine Frau, wenn man sich nicht total blamieren möchte. Arnaldo war schon ganz unruhig geworden, da seine Mutter und seinen Schwester doch schon die ganze Woche gefragt hatten, ob ich denn die passende Kleidung besitzen würde. Zum Glück gibt es da noch meine Freundin Sady, die mir in dieser Notsituation mit einem Ballkleid aushalf.
Sie lieferte nicht nur das passende Kleid, sondern auch den Schmuck und die Handtasche.
Das Kleid war leider nicht ganz auf mich zugeschnitten und verursachte einige Probleme an diesem Abend, aber meine zuvorkommende Abendbegleitung hat immer sehr dezent die verrutschenden Träger korrigiert.
Der Rücken meines Kleides wurde komplett geschnürt und Arnaldo ist immer kreativer geworden in Bezug auf die Schnürtechnik, die wir doch mehrere Male abändern mussten. Es ist ganz schön schwer mit einem hautengen Kleid Tanzen zu wollen, vor allem wenn man zudem auf 10 Zentimeter hohen Absätzen steht. Aber in Bezug auf Mode muss man in Paraguay sich doch einiges an Mühe geben, um nicht völlig unterzugehen. Es war nicht eine einzige schlecht angezogene Dame auf der Hochzeit. Bei 500 Gästen finde ich keine schlechte Leistung.
Den meisten Frauen sah man auch definitiv an, dass sie an die 4 Stunden im Bad verbracht haben dürften. Gleich nach dem Abendessen wurden die typischen lateinamerikanischen Rhythmen aufgelegt und sehr wild getanzt. Sowohl jung als auch alt befanden sich auf der Tanzfläche, während an den Tischen gähnende Leere herrschte. Um 5 Uhr morgens waren meine Füße dann so taub, dass ich es für angebracht hielt den Heimweg anzutreten. Die Woche ließ ich wie üblich bei meiner Lieblingsfamilie ausklingen. Es hat mich sehr traurig gemacht zu hören, dass sie in große finanzielle Probleme geraten sind. Die Mutter von Miriam ist sehr krank geworden und ein Krankheitsfall bedeutet in Paraguay immer eine schwere finanzielle Belastung. Zudem ist das Gehalt des Familienvaters schon vor geraumer Zeit so zusammengekürzt worden, dass es nicht reicht um die Familie zu ernähren. Miriam ist im Moment im letzten Semester ihres Studiums und versucht verzweifelt einen Nebenjob zu finden, damit die Situation irgendwie überwunden werden kann. Für Paraguayer einen Job zu finden ist leider um einiges schwieriger als für mich und ich weiss nicht, ob ich ihr diesbezüglich irgendwie helfen kann. Sie war diese Woche nicht bei der Uni, weil kein Geld für den Bus vorhanden war. Der Abschluss des Studiums bedeutet selbst in ihrem Alter den einzigen Ausweg aus der finanziellen Misere. An dieser Stelle sieht man ganz deutlich, dass ein Sozialstaat schon viel Wert sein kann. Die Familie springt zwar an dieser Stelle ein und bezahlt Stromrechnungen oder was sonst so anfällt, aber es war meiner Familie doch deutlich anzusehen, dass sie kaum mehr über die Runden kommt. Das hat mich sehr traurig gemacht und ich werde schauen, wie ich ihnen helfen kann……
Sonntag, 9. März 2008
Mein Neues Leben XXL- Zusammenfassung der letzten Zeit
zu übernehmen. Zuerst hat er mir nur bei allem und bei jedem geholfen,
aber momentan korregiert er mich auch liebevoll, genauso wie seine 24
jährige Tochter und versucht aus mir eine Paraguayerin zu machen, damit ich bessere Chancen auf dem paraguayischen Heiratsmarkt habe. Mir gefällt diese Familie besonders gut, weil sie im Vergleich zu vielen anderen Paraguayern kein Blatt vor den Mund nehmen und mir genau sagen, wann ich gegen Paraguayische Umgangsformen verstoße oder wie man sich am Besten in gewissen Situationen verhält. Da die Kleidung und die äußere Erscheinungsform hier um eineiges wichtiger sind, als in Deutschland hat man mir erst mal einen Termin bei der Mani- und Pediküre verpasst. Weil man das als Frau hier so macht! Ich hatte ja noch nie so schöne Fingernägel in meinem Leben muss ich zugeben....starre sie den ganzen Tag über total fasziniert an! Zdem wird Wert darauf gelegt, dass ich immer passende weibliche Assecoires zu meinen Outfits trage. Sehr humorvoll nehme ich diese ganzen kleinen Korrekturen, da mir ja schon immer von vielen Freunden nachgesagt wurde, dass ich zu wenig "damelig" (Wortkreation meines lieben Freundes Stefan!) sei. Alles in allem eine bereicherung mein paraguayischer Ersatzpapi und seine Familie. Ich lerne so auch die paraguayischen Familiengewohnheiten und -pflichten, die um einiges ausgeprägter sind als in Deutschland. Die Familie kommt hier immer an erster Stelle und es wird sich auch viel mehr Zeit genommen um diese zu pflegen und zu hegen. Ich bin mittlerweile fast völlig in diesen riesigen Familienverbund der Familie Verdun integriert worden, obwohl ich wohl noch Monate brauchen werde um die vielen Namen der ganzen Verwandten behalten zu können. Schliesslich hat mich diese Familie auch mit in die kirche geschleppt, weil eine gute Deutsch-Paraguayerin auch in die Kirche gehen muss, wenn sie hier nen anständigen mann finden will! Nächstes Zukunftsprojekt ist, dass sie mir beibringen typisch paraguayisch zu Kochen! Alles in allem bin ich also in besten Händen.
Da ich seit diesem Jahr auch wirklich drauf bestehe in Asuncion zu bleiben und nicht ständig durch die Weltgeschichte rumreise haben sich doch so langsam einige Freundschaften entwickelt. Mein immer besser werdendes Spanisch ist jedoch auch teilweise dafür verantwortlich, dass ich einige Paraguayer schon aussortieren musste, nachdem ich sie dann endlich mal wirklich verstehen konnte. Garnicht so leicht in einer komplett anderen Kultur mit großen Sprachproblemen Gleichgesinnte zu finden! Da man in Paraguay sehr früh heiratet werde ich schon seit Beginn meines Aufenthaltes in Paraguays oft gefragt warum ich keinen Ehemann habe. Daran habe ich mich langsam gewöhnt, genauso wie an die Tatsache, dass man sich hier mit blonden Haaren einer sehr großen Beliebtheit erfreut. Trotzdem bleibe ich wohl bei der Aussage, dass Gut Ding Weile haben will! In diesem Sinne lasse ich die Schlange an kunterbunt gemischten "Anwärtern" hinter mir, steige auf mein Motorrad und düse in den Sonnenuntergang, wenn mir das ganze zu chaotisch wird. Das Glück dieser Erde liegt eh auf dem Rücken der Pferde und die zweimal in der Woche, die ich es noch in die Natur rausschaffe um mit den lieben Pferdchen über Hindernisse zu springen sind mir immer Momente in denen ich wirklich entspannt und relaxed bin!
Samstag, 16. Februar 2008
Cusco und der lange Weg nach Lima!
Micha bestand drauf eine weitere Nacht in Cusco zu bleiben. Er hatte so Gefallen an dem Salsa gefunden, dass er sich unbedingt noch mal mit seiner Salsalehrerin treffen wollte. Mir ging es leider immer noch nicht besonders gut, deswegen verkrümelte ich mich recht früh vom Tanzparkett nach Hause! Unser lieber brasilianischer Reisegefährte kam mitten in der Nacht zurück getorkelt und hatte das dringende Bedürfnis mit mir Reden zu wollen. Ich glaube er hat gar nicht gemerkt, dass ich eigentlich gleich wieder eingeschlafen bin. Micha kam erst in den frühen Morgenstunden zurück. Ebenfalls mit dem dringende Bedürfnis von seinen nächtlichen Abenteuern erzählen zu wollen. Wie soll man denn da auch gesund werden, wenn man so um seine Nachtruhe gebracht wird. Wir drei waren schon voller Vorfreude auf unsere Weiterfahrt nach Lima. Wir hatten uns zur Abwechslung einmal einen richtig schönen Bus geleistet.
Einen mit breiten Ledersitzen, die man komplett zu einem Bett umfunktionieren kann. So gegen 5 Uhr abends kuschelten wir uns in das breite Polster unseres Luxusgefährtes und ließen uns von der Bedienung unser Abendessen bringen. Wir amüsierten uns königlich über 3 Amerikaner, die für die Sitze gleich neben uns ungefähr den doppelten Preis bezahlt hatten. Schon blöde, wenn man nur nach dem den besten und größten Sitzen fragt und gar nicht auf die Idee kommt, dass die Preise in Peru eigentlich immer Verhandlungssache sind. Micha nahm auch wie gewohnt kein Blatt vor den Mund, als er den Amerikanern ihr Versagen im Feilschen immer wieder neu aufs Butterbrot schmierte. Wundervoll war die erste Stunde Schlaf, die wir zugedeckt mit kleinen Deckchen verbrachten bis uns alle ein ohrenbetäubender Krach weckte. Über und über bedeckt mit kleinen Glasscherben wachten wir anhand dem Getöse und dem plötzlichen Windzug auf.
Der Bus verlangsamte nicht etwa seine Fahrt und mit kleinen müden Augen betrachteten wir alle die Stelle wo bis vor kurzem noch eine Glasscheibe gewesen war. Wilde Gerüchte verbreiteten sich über ein anderes Gefährt, dass wir gerammt hatten, über Räuber, die die Fensterscheiben von Bussen anschießen, um die Touristen ausrauben zu können und andere Horrorgeschichten. So wirklich habe ich nicht verstanden was passiert ist. Wir sind auf jeden Fall bis zur nächsten Busstation gefahren und haben uns dort erklären lassen, dass ein Ersatzbus irgendwann kommt. Die Wartezeit betrug im Endeffekt über 8 Stunden und unser neuer Bus war keiner mit breiten Ledersitzen, sondern ein recht gammeliger Linienbus. Interessant war während der Wartezeit zu beobachten, wie sich die Leute alle furchtbar aufregten, die Buslinie verklagen wollten, weil sie sich nicht schneller um Ersatz bemühten und weiterhin alle möglichen Theorien aufgestellt wurden. Alles Gezeter und Gemurre half nur leider reichlich wenig, wir haben trotzdem ewig gewartet und die anschließende Fahrt im Ersatzbus hat überhaupt keinerlei Spaß gemacht. Wir amüsierten uns noch königlich über die Amerikaner, die einen Anschlussflug von Lima hatten den sie wohl so nicht erwischen würden. Wir wägten uns absolut in Sicherheit, dass wir ja zum Glück erst einen Tag später einen Flug hatten, wie wir beide der Meinung waren. Als wir nach fast 2 Tagen Horrortour im Bus endlich in Lima ankamen, nahmen wir uns erst mal ein Hotelzimmer und aßen noch zusammen mit zwei Argentiniern und dem Brasilianer zu Abend bevor es endlich wieder eine Nacht in einem gemütlichen Bett gab. Unsere Jugendherberge in Lima war außergewöhnlich schön muss man sagen. Ihr fehlte der übliche schäbige Jugendherbergsflair vollkommen!
Am nächsten Tag schauten wir uns in aller Ruhe die Stadt an.
Lima hat mir eigentlich in Peru am Besten gefallen. Die Stadt ist nicht so abstrakt wie La Paz, liegt direkt am Meer und die schönen Gebäude und die tolle Fußgängerzone laden förmlich ein zu einem ausgiebigen Spaziergang durch die Stadt.
Den ganzen Tag waren wir zu fünft unterwegs und klapperten so viele Touristenziele wie möglich ab.
Nach unserer Planung blieb genügend Zeit zum Abendessen, bevor wir dann vorhatten um halb eins morgens den Flieger nach Chile zu nehmen. Leider nur hatten wir unseren Flug anders gebucht gehabt und zu dem Zeitpunkt als wir das feststellten, den Flug bereits verpasst gehabt. Eine Stunde nach dem wir in Lima mit dem Bus angekommen waren, wäre unser Flug gegangen. Wir hätten also so oder so den Flug nicht erwischt. In aller Gemütsruhe hatten wir uns die Stadt angesehen und waren gar nicht auf die Idee gekommen, dass wir uns im Datum geirrt hatten. Das muss man erst mal hinkriegen. Als Micha dann am Abend bei der Fluglinie anrief, konnten wir zum Glück gegen eine Strafgebühr umbuchen. Mir ist kurzzeitig das Herz etwas in die Hose gerutscht. Ich hatte aufgrund von Kostengründen den Flug eh schon ungern gebucht und hätten wir den Flug noch mal komplett zahlen müssen, hätte das wohl etwas mein Budget gesprengt. Wahrscheinlich war meine weiße Gesichtsfarbe der Grund für eine großzügige Kavaliersgeste meines Reisebegleiters! (DAAAANKE!!!!!!!!!!) Etwas traurig war noch der Abschied von unserem treuen brasilianischen Reisegefährten. Aber irgendwie freuten wir uns auch darauf, wieder etwas unter uns zu sein. In Hinblick aufs Reisen sind Micha und ich halt doch ein gut eingespieltes Team und zu zweit gibt es am wenigsten Reibungspunkte! Außerdem sind drei Reisende halt doch auch eine blöde Zahl. Mit seiner kratzigen Stimme sagte mir Thiago noch, dass er mich sehr vermissen würde, bevor wir in unser Taxi zum Flughafen stiegen… schnüff!
Das war noch nicht alles von der Reise, aber die neuen Ereignisse in Asuncion überschlagen sich so, dass mir die Zeit fehlt den Rest der Reise zusammen zu fassen. Gesehen haben wir noch Santiago de Chile und anschließend in Argeninien die Städte Mendoza und Buenos Aires. Krönender Abschluss war, dass wir uns haben ausrauben lassen, am 24. Dezember 2007 um 16 Uhr nachmittags. Frohe Weihnachten hätte ich gerne den Dieben hinterhergerufen. Leider war ich noch so fassunglos, dass ich nur stumm beobachtete wie sie um die nächste Ecke flitzten mit meiner Handtsche in der Hand....
Noch mal zusammengefasst die Higlights unserer Reise:
Accomplished:
- in der sengenden Hitze des Chacos in Paraguay erfahren was richtiger Durst ist
- Einmal quer durch den Krisenherd Bolivien- ein Land im ständigen politischen Ausnahmezustand
- Trotz dem Geniessen von interessant aussehenden Köstlichkeiten in Santa Cruz, Samaipata und Cochabamba es geschafft keinen Durchfall zu bekommen
- die sportliche Herausforderung gemeistert in der akuten Höhenluft (3600 m) von La Paz nicht weniger Bier als sonst zu konsumieren
- Um Haaresbreite einem Seeunglück auf dem Titikakasee entwischt
- kleinen Kindern auf schwimmenden Strohinseln in Puno beim Spielen beobachtet
- Straßenverkäufer und aufdringliche Händler in Cousco mit ihren eigenen Waffen geschlagen
- mit akutem Schnupfen und Halsweh den atemberaubenden Machu Picchu bestiegen
- Busunglück und einen Regen von Glasscherben in den Anden überlebt
- Aufgrund von gigantischer Sorglosigkeit lieber in Lima rumgeschlendert, als den Flug nach Santiago de Chile zu erwischen
- in Mendoza so viel Wein wie möglich an einem Tag probiert
- Last but not least: sich mal so richtig schön in Buenos Aires ausrauben lassen