Sonntag, 30. März 2008

Schon wieder ein Monat rum (März 2008)


Ich komme wirklich immer seltener dazu hier etwas zu veröffentlichen…

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ich mich immer besser in Paraguay einlebe. Neulich war ich auf dem Geburtstag einer der Söhne von meiner Lieblingsfamilie.













Als ich mich bedankte, dass er mich eingeladen hätte, meinte er das sei doch wirklich mehr als selbstverständlich, da ich ja quasi zur Familie gehören würde. Mit ganz stolz geschwellter Brust habe ich dann die Party verlassen.












Die beiden Söhne haben mich an diesem Abend das erste Mal in Männerbegleitung gesehen und Arnaldo ist von ihnen mehr als nur beäugt worden. Ich hatte ja noch nie Brüder, aber fand es überaus witzig zu hören, dass beide am nächsten Tag ihre Mutter fragten, ob sie Arnaldo näher kennen würde und ob ich auch 100 prozentig in guten Händen wäre. Auf der Geburtstagsparty haben Arnaldo und ich das erste Mal zusammen getanzt und ich war wirklich mehr als nur überrascht, dass er ein wirklich ausgezeichneter Tänzer ist. Als wir nach dem Tanzen wieder in Richtung unseres Tisches unterwegs waren erhielten wir Applaus und wurden gefragt, wie lange wir schon zusammen üben würden…. Mir war in diesem Moment noch ganz anders von den vielen Drehungen und ich war drum bemüht meinen wie nach einem Marathon rasenden Herzschlag wieder in den Griff zu bekommen. Tanzen kann doch etwas anstrengend sein habe ich festgestellt.


Da wir so viel Spaß beim Tanzen hatten sind wir gleich zwei Tage drauf wieder Tanzen gewesen. Meine Freundin Sady, mit der ich im April zusammenziehen werde, Arnaldo und ich waren leider nahezu die einzigen, die gerade diese Bar an diesem Abend ausgesucht hatten.

















Weil die Musik aber ausgezeichnet war und wir bei gähnender Leere mehr Platz hatten zum Tanzen haben wir keinen Ortswechsel in Betracht gezogen.














Bis morgens um 7 haben wir getanzt bis die Füße wirklich wund waren. So langsam habe ich mich an das späte Weggehen hier gewöhnt. Vor 12 Uhr nachts fängt man gar nicht erst an mit Ausgehen und vor 7 braucht man auch nicht glauben, dass man daheim ist. Das Zauberwort heißt: Vorschlafen! Die hier berühmt berüchtigte Siesta lässt einen dann nachts länger durchhalten.


An Ostern hat mich Arnaldo zu einem kleinen Osterausflug eingeladen. Meine Familie hier war ganz betrübt, dass ich nicht traditionell mit ihnen an Ostern „Chipa“ backen würde, aber man kann halt nicht immer überall gleichzeitig sein. Wir haben uns in San Ignacio eine riesige Osterprozession angeschaut.










An die 8000 Menschen haben diesen Ort mit uns aufgesucht. Auf dem gesamten Berg waren tausende von Kerzen aufgestellt und riesige Fackeln säumten den Weg. Es war schon sehr beeindruckend, wie die sehr gläubigen Paraguayer den Leidensweg Jesu in Szene gesetzt haben. Die nächsten zwei Tage haben Arnaldo und ich die Natur genossen und es uns gut gehen lassen in der Idylle des Hinterlandes von Paraguay.
























Es ist allerdings schwer in Paraguay Orte zu finden, die man gerne als Tourist besuchen möchte. Es gibt kaum Reiseführer oder Schilder oder irgendetwas was darauf hinweist, wo sich solche Orte befinden. Man kann nur im Gespräch mit Paraguayern herausfinden, wo schöne Ecken sind.














Ein absolutes Highlight der letzten Zeit war eine paraguayische Hochzeit. Einer der Cousins von Arnaldo hat geheiratet und ich habe mich sehr gefreut, dass er mich mitnehmen wollte. Samstagmittag habe ich dann etwas überraschend festgestellt, dass die Kleidung, die ich hier in Paraguay habe, absolut unangemessen ist für eine solche Festlichkeit. Ballkleidung ist das einzig zulässige für eine Frau, wenn man sich nicht total blamieren möchte. Arnaldo war schon ganz unruhig geworden, da seine Mutter und seinen Schwester doch schon die ganze Woche gefragt hatten, ob ich denn die passende Kleidung besitzen würde. Zum Glück gibt es da noch meine Freundin Sady, die mir in dieser Notsituation mit einem Ballkleid aushalf.










Sie lieferte nicht nur das passende Kleid, sondern auch den Schmuck und die Handtasche.














Das Kleid war leider nicht ganz auf mich zugeschnitten und verursachte einige Probleme an diesem Abend, aber meine zuvorkommende Abendbegleitung hat immer sehr dezent die verrutschenden Träger korrigiert.











Der Rücken meines Kleides wurde komplett geschnürt und Arnaldo ist immer kreativer geworden in Bezug auf die Schnürtechnik, die wir doch mehrere Male abändern mussten. Es ist ganz schön schwer mit einem hautengen Kleid Tanzen zu wollen, vor allem wenn man zudem auf 10 Zentimeter hohen Absätzen steht. Aber in Bezug auf Mode muss man in Paraguay sich doch einiges an Mühe geben, um nicht völlig unterzugehen. Es war nicht eine einzige schlecht angezogene Dame auf der Hochzeit. Bei 500 Gästen finde ich keine schlechte Leistung.










Den meisten Frauen sah man auch definitiv an, dass sie an die 4 Stunden im Bad verbracht haben dürften. Gleich nach dem Abendessen wurden die typischen lateinamerikanischen Rhythmen aufgelegt und sehr wild getanzt. Sowohl jung als auch alt befanden sich auf der Tanzfläche, während an den Tischen gähnende Leere herrschte. Um 5 Uhr morgens waren meine Füße dann so taub, dass ich es für angebracht hielt den Heimweg anzutreten. Die Woche ließ ich wie üblich bei meiner Lieblingsfamilie ausklingen. Es hat mich sehr traurig gemacht zu hören, dass sie in große finanzielle Probleme geraten sind. Die Mutter von Miriam ist sehr krank geworden und ein Krankheitsfall bedeutet in Paraguay immer eine schwere finanzielle Belastung. Zudem ist das Gehalt des Familienvaters schon vor geraumer Zeit so zusammengekürzt worden, dass es nicht reicht um die Familie zu ernähren. Miriam ist im Moment im letzten Semester ihres Studiums und versucht verzweifelt einen Nebenjob zu finden, damit die Situation irgendwie überwunden werden kann. Für Paraguayer einen Job zu finden ist leider um einiges schwieriger als für mich und ich weiss nicht, ob ich ihr diesbezüglich irgendwie helfen kann. Sie war diese Woche nicht bei der Uni, weil kein Geld für den Bus vorhanden war. Der Abschluss des Studiums bedeutet selbst in ihrem Alter den einzigen Ausweg aus der finanziellen Misere. An dieser Stelle sieht man ganz deutlich, dass ein Sozialstaat schon viel Wert sein kann. Die Familie springt zwar an dieser Stelle ein und bezahlt Stromrechnungen oder was sonst so anfällt, aber es war meiner Familie doch deutlich anzusehen, dass sie kaum mehr über die Runden kommt. Das hat mich sehr traurig gemacht und ich werde schauen, wie ich ihnen helfen kann……



Sonntag, 9. März 2008

Mein Neues Leben XXL- Zusammenfassung der letzten Zeit

Ich habe es leider immer noch nicht geschafft die Informationen über meinen kompletten Urlaub aufzuarbeiten und so wie es aussieht werde ich in Zukunft auch immer weniger Zeit haben mich darum zu kümmern. Seit März habe ich 3 Jobs hier in Paraguay. Morgends bin ich bei Alice beschäftigt und helfe nach Paraguay eingereisten Deutschen sich hier in Paraguay zurecht zu finden. Anschliessend suche ich kurz die Redaktion auf, um meine Artikel abzuliefern oder neue Artikel zu planen und anschliessend fahre ich zusammen mit meinem Kollegen zum Kolpingwerk. Abgesehen von dem Schreiben für die Zeitung sind die anderen Arbeitsplätze noch recht neu für mich und ich werde wohl eine Weile brauchen um mich dort einzuarbeiten. Ich hoffe, dass sich viele Synergieeffekte ergeben werden, damit ich jedem Arbeitgeber irgendwie gerecht werden kann. Ich arbeite eigentlich für alle Leute, mit denen ich letzte Woche zusammen eine Organisation gegründet habe. Ich sitze im Aufsichtsrat dieser neuen Organisation, die hoffentlich sich irgendwann in der Zukunft einen Namen machen wird und sich für Umweltschutz und Aufforstung in Paraguay einsetzt. Wir wollen den Versuch unternehmen eine ökologisch und sozial attraktive aber auch gewinnbringende Investitionsmöglichkeit anzubeiten. Ein Projekt bei dem zugleich Menschen in Paraguay geholfen werden soll, die Umwelt geschützt wird und wir hoffentlich irgendwann auch mal etwas dran verdienen werden. Aber Auch in meiner Freizeit muss noch viel geplant und organisiert werden. Mit dem Besitzer der Pension habe ich mich auch so geeinigt, dass ich billiger in der Wohnung, die zur Pension gehört bleiben kann, wenn ich ihm helfe neue Gäste in die Pension zu bringen und seinen Internetauftritt in Angriff nehme. Ich habe jedoch auch nicht vor alleine diese große Wohnung zu beziehen. Eine Freundin aus der Redaktion, die Paraguayerin ist, aber auch schon ein Jahr in Deutschland gelebt hat, werden ab nächstem Monat zusammenziehen und gemeinsam schauen, dass sich die Pension etwas mit Leben füllt. Mit diesem neuen etwas ausgiebigeren Arbeitsalltag als bisher werde ich für paraguayische Maßstäbe sehr gut verdienen, allerdings bleibt das im internationalen Maßstab eine recht lächerliche Summe, die ich wohl lieber hier nicht nennen werde... Nach dem letzten Monat in dem ich mehr als genügend Freizeit hatte sieht es diesen Monat dann doch etwas anders aus. Es bleibt kaum noch Zeit für meine Spanischkurse oder meinen Reitunterricht. Aber da ich ja in Paraguay bin, bleibt mir zumindest das Wochenende um ordentlich auszuspannen! Diese Zeit verbringe ich meist zusammen mit meiner paraguayischen Lieblingsfamilie oder mi meinen Freunden. Ein älterer Arbeitskollege von mir hat beschlossen, die Erziehung von mir mit
zu übernehmen. Zuerst hat er mir nur bei allem und bei jedem geholfen,
aber momentan korregiert er mich auch liebevoll, genauso wie seine 24
jährige Tochter und versucht aus mir eine Paraguayerin zu machen, damit ich bessere Chancen auf dem paraguayischen Heiratsmarkt habe. Mir gefällt diese Familie besonders gut, weil sie im Vergleich zu vielen anderen Paraguayern kein Blatt vor den Mund nehmen und mir genau sagen, wann ich gegen Paraguayische Umgangsformen verstoße oder wie man sich am Besten in gewissen Situationen verhält. Da die Kleidung und die äußere Erscheinungsform hier um eineiges wichtiger sind, als in Deutschland hat man mir erst mal einen Termin bei der Mani- und Pediküre verpasst. Weil man das als Frau hier so macht! Ich hatte ja noch nie so schöne Fingernägel in meinem Leben muss ich zugeben....starre sie den ganzen Tag über total fasziniert an! Zdem wird Wert darauf gelegt, dass ich immer passende weibliche Assecoires zu meinen Outfits trage. Sehr humorvoll nehme ich diese ganzen kleinen Korrekturen, da mir ja schon immer von vielen Freunden nachgesagt wurde, dass ich zu wenig "damelig" (Wortkreation meines lieben Freundes Stefan!) sei. Alles in allem eine bereicherung mein paraguayischer Ersatzpapi und seine Familie. Ich lerne so auch die paraguayischen Familiengewohnheiten und -pflichten, die um einiges ausgeprägter sind als in Deutschland. Die Familie kommt hier immer an erster Stelle und es wird sich auch viel mehr Zeit genommen um diese zu pflegen und zu hegen. Ich bin mittlerweile fast völlig in diesen riesigen Familienverbund der Familie Verdun integriert worden, obwohl ich wohl noch Monate brauchen werde um die vielen Namen der ganzen Verwandten behalten zu können. Schliesslich hat mich diese Familie auch mit in die kirche geschleppt, weil eine gute Deutsch-Paraguayerin auch in die Kirche gehen muss, wenn sie hier nen anständigen mann finden will! Nächstes Zukunftsprojekt ist, dass sie mir beibringen typisch paraguayisch zu Kochen! Alles in allem bin ich also in besten Händen.
Da ich seit diesem Jahr auch wirklich drauf bestehe in Asuncion zu bleiben und nicht ständig durch die Weltgeschichte rumreise haben sich doch so langsam einige Freundschaften entwickelt. Mein immer besser werdendes Spanisch ist jedoch auch teilweise dafür verantwortlich, dass ich einige Paraguayer schon aussortieren musste, nachdem ich sie dann endlich mal wirklich verstehen konnte. Garnicht so leicht in einer komplett anderen Kultur mit großen Sprachproblemen Gleichgesinnte zu finden! Da man in Paraguay sehr früh heiratet werde ich schon seit Beginn meines Aufenthaltes in Paraguays oft gefragt warum ich keinen Ehemann habe. Daran habe ich mich langsam gewöhnt, genauso wie an die Tatsache, dass man sich hier mit blonden Haaren einer sehr großen Beliebtheit erfreut. Trotzdem bleibe ich wohl bei der Aussage, dass Gut Ding Weile haben will! In diesem Sinne lasse ich die Schlange an kunterbunt gemischten "Anwärtern" hinter mir, steige auf mein Motorrad und düse in den Sonnenuntergang, wenn mir das ganze zu chaotisch wird. Das Glück dieser Erde liegt eh auf dem Rücken der Pferde und die zweimal in der Woche, die ich es noch in die Natur rausschaffe um mit den lieben Pferdchen über Hindernisse zu springen sind mir immer Momente in denen ich wirklich entspannt und relaxed bin!

Samstag, 16. Februar 2008

Cusco und der lange Weg nach Lima!

Als wir sehr früh morgens wieder zurück in Cusco waren, brauchten wir erst mal noch ein kleines Nickerchen, bevor wir die Stadt unsicher machen konnten. Bisher hatten wir ja kaum die Zeit gefunden uns diese ehemalige Inkahauptstadt anzuschauen. Außerdem mussten dringend noch ein paar Souveniers gekauft werden.





























Micha bestand drauf eine weitere Nacht in Cusco zu bleiben. Er hatte so Gefallen an dem Salsa gefunden, dass er sich unbedingt noch mal mit seiner Salsalehrerin treffen wollte. Mir ging es leider immer noch nicht besonders gut, deswegen verkrümelte ich mich recht früh vom Tanzparkett nach Hause! Unser lieber brasilianischer Reisegefährte kam mitten in der Nacht zurück getorkelt und hatte das dringende Bedürfnis mit mir Reden zu wollen. Ich glaube er hat gar nicht gemerkt, dass ich eigentlich gleich wieder eingeschlafen bin. Micha kam erst in den frühen Morgenstunden zurück. Ebenfalls mit dem dringende Bedürfnis von seinen nächtlichen Abenteuern erzählen zu wollen. Wie soll man denn da auch gesund werden, wenn man so um seine Nachtruhe gebracht wird. Wir drei waren schon voller Vorfreude auf unsere Weiterfahrt nach Lima. Wir hatten uns zur Abwechslung einmal einen richtig schönen Bus geleistet.













Einen mit breiten Ledersitzen, die man komplett zu einem Bett umfunktionieren kann. So gegen 5 Uhr abends kuschelten wir uns in das breite Polster unseres Luxusgefährtes und ließen uns von der Bedienung unser Abendessen bringen. Wir amüsierten uns königlich über 3 Amerikaner, die für die Sitze gleich neben uns ungefähr den doppelten Preis bezahlt hatten. Schon blöde, wenn man nur nach dem den besten und größten Sitzen fragt und gar nicht auf die Idee kommt, dass die Preise in Peru eigentlich immer Verhandlungssache sind. Micha nahm auch wie gewohnt kein Blatt vor den Mund, als er den Amerikanern ihr Versagen im Feilschen immer wieder neu aufs Butterbrot schmierte. Wundervoll war die erste Stunde Schlaf, die wir zugedeckt mit kleinen Deckchen verbrachten bis uns alle ein ohrenbetäubender Krach weckte. Über und über bedeckt mit kleinen Glasscherben wachten wir anhand dem Getöse und dem plötzlichen Windzug auf.











Der Bus verlangsamte nicht etwa seine Fahrt und mit kleinen müden Augen betrachteten wir alle die Stelle wo bis vor kurzem noch eine Glasscheibe gewesen war. Wilde Gerüchte verbreiteten sich über ein anderes Gefährt, dass wir gerammt hatten, über Räuber, die die Fensterscheiben von Bussen anschießen, um die Touristen ausrauben zu können und andere Horrorgeschichten. So wirklich habe ich nicht verstanden was passiert ist. Wir sind auf jeden Fall bis zur nächsten Busstation gefahren und haben uns dort erklären lassen, dass ein Ersatzbus irgendwann kommt. Die Wartezeit betrug im Endeffekt über 8 Stunden und unser neuer Bus war keiner mit breiten Ledersitzen, sondern ein recht gammeliger Linienbus. Interessant war während der Wartezeit zu beobachten, wie sich die Leute alle furchtbar aufregten, die Buslinie verklagen wollten, weil sie sich nicht schneller um Ersatz bemühten und weiterhin alle möglichen Theorien aufgestellt wurden. Alles Gezeter und Gemurre half nur leider reichlich wenig, wir haben trotzdem ewig gewartet und die anschließende Fahrt im Ersatzbus hat überhaupt keinerlei Spaß gemacht. Wir amüsierten uns noch königlich über die Amerikaner, die einen Anschlussflug von Lima hatten den sie wohl so nicht erwischen würden. Wir wägten uns absolut in Sicherheit, dass wir ja zum Glück erst einen Tag später einen Flug hatten, wie wir beide der Meinung waren. Als wir nach fast 2 Tagen Horrortour im Bus endlich in Lima ankamen, nahmen wir uns erst mal ein Hotelzimmer und aßen noch zusammen mit zwei Argentiniern und dem Brasilianer zu Abend bevor es endlich wieder eine Nacht in einem gemütlichen Bett gab. Unsere Jugendherberge in Lima war außergewöhnlich schön muss man sagen. Ihr fehlte der übliche schäbige Jugendherbergsflair vollkommen!
















Am nächsten Tag schauten wir uns in aller Ruhe die Stadt an.

















Lima hat mir eigentlich in Peru am Besten gefallen. Die Stadt ist nicht so abstrakt wie La Paz, liegt direkt am Meer und die schönen Gebäude und die tolle Fußgängerzone laden förmlich ein zu einem ausgiebigen Spaziergang durch die Stadt.




















Den ganzen Tag waren wir zu fünft unterwegs und klapperten so viele Touristenziele wie möglich ab.






















































Nach unserer Planung blieb genügend Zeit zum Abendessen, bevor wir dann vorhatten um halb eins morgens den Flieger nach Chile zu nehmen. Leider nur hatten wir unseren Flug anders gebucht gehabt und zu dem Zeitpunkt als wir das feststellten, den Flug bereits verpasst gehabt. Eine Stunde nach dem wir in Lima mit dem Bus angekommen waren, wäre unser Flug gegangen. Wir hätten also so oder so den Flug nicht erwischt. In aller Gemütsruhe hatten wir uns die Stadt angesehen und waren gar nicht auf die Idee gekommen, dass wir uns im Datum geirrt hatten. Das muss man erst mal hinkriegen. Als Micha dann am Abend bei der Fluglinie anrief, konnten wir zum Glück gegen eine Strafgebühr umbuchen. Mir ist kurzzeitig das Herz etwas in die Hose gerutscht. Ich hatte aufgrund von Kostengründen den Flug eh schon ungern gebucht und hätten wir den Flug noch mal komplett zahlen müssen, hätte das wohl etwas mein Budget gesprengt. Wahrscheinlich war meine weiße Gesichtsfarbe der Grund für eine großzügige Kavaliersgeste meines Reisebegleiters! (DAAAANKE!!!!!!!!!!) Etwas traurig war noch der Abschied von unserem treuen brasilianischen Reisegefährten. Aber irgendwie freuten wir uns auch darauf, wieder etwas unter uns zu sein. In Hinblick aufs Reisen sind Micha und ich halt doch ein gut eingespieltes Team und zu zweit gibt es am wenigsten Reibungspunkte! Außerdem sind drei Reisende halt doch auch eine blöde Zahl. Mit seiner kratzigen Stimme sagte mir Thiago noch, dass er mich sehr vermissen würde, bevor wir in unser Taxi zum Flughafen stiegen… schnüff!



























Das war noch nicht alles von der Reise, aber die neuen Ereignisse in Asuncion überschlagen sich so, dass mir die Zeit fehlt den Rest der Reise zusammen zu fassen. Gesehen haben wir noch Santiago de Chile und anschließend in Argeninien die Städte Mendoza und Buenos Aires. Krönender Abschluss war, dass wir uns haben ausrauben lassen, am 24. Dezember 2007 um 16 Uhr nachmittags. Frohe Weihnachten hätte ich gerne den Dieben hinterhergerufen. Leider war ich noch so fassunglos, dass ich nur stumm beobachtete wie sie um die nächste Ecke flitzten mit meiner Handtsche in der Hand....

Noch mal zusammengefasst die Higlights unserer Reise:

Accomplished:
- in der sengenden Hitze des Chacos in Paraguay erfahren was richtiger Durst ist
- Einmal quer durch den Krisenherd Bolivien- ein Land im ständigen politischen Ausnahmezustand
- Trotz dem Geniessen von interessant aussehenden Köstlichkeiten in Santa Cruz, Samaipata und Cochabamba es geschafft keinen Durchfall zu bekommen
- die sportliche Herausforderung gemeistert in der akuten Höhenluft (3600 m) von La Paz nicht weniger Bier als sonst zu konsumieren
- Um Haaresbreite einem Seeunglück auf dem Titikakasee entwischt
- kleinen Kindern auf schwimmenden Strohinseln in Puno beim Spielen beobachtet
- Straßenverkäufer und aufdringliche Händler in Cousco mit ihren eigenen Waffen geschlagen
- mit akutem Schnupfen und Halsweh den atemberaubenden Machu Picchu bestiegen
- Busunglück und einen Regen von Glasscherben in den Anden überlebt
- Aufgrund von gigantischer Sorglosigkeit lieber in Lima rumgeschlendert, als den Flug nach Santiago de Chile zu erwischen
- in Mendoza so viel Wein wie möglich an einem Tag probiert
- Last but not least: sich mal so richtig schön in Buenos Aires ausrauben lassen

Donnerstag, 7. Februar 2008

Peru - Der Tag der Wahrheit- ist der Berg zu hoch bist du zu schwach!

Machu Picchu












Da wir ja wie gesagt kein überaus üppiges Reisebudget zur Verfügung hatten, haben wir gespart wo es nur geht. So haben wir auch auf den Bustransfer zum Park des Machu Picchu verzichtet und sind nachts um 3 Uhr 30 losgewandert um rechtzeitig zum Sonnenaufgang einen wunderschönen Ausblick über die Ruinen zu haben. Der Husten und Schnupfen, die Gliederschmerzen, der raue Hals und die allgemeine Müdigkeit waren wie auch die Tage zuvor schon, auch bei dieser riesigen Wanderaktion meine ständigen Begleiter.












Aber weil ich ja nicht so leicht tot zu bekommen bin, habe ich es sogar noch vor dem Brasilianer geschafft komplett durchgeschwitzt vor dem Eingang des Parks zu stehen. Besonders gesprächig bin ich allerdings nicht gewesen bei diesem Kraftakt.

















Micha hätte ich einmal schier seine Kamera um die Ohren gehauen, als er den Versuch unternahm mein jämmerliches Dasein in seiner Digitalkamera festzuhalten. Zugegebenermaßen war an diesem Tag insgesamt wohl nicht wirklich gut Kirschen essen mit mir! Gut vorbereitet wie immer hatten wir uns auch kein Wasser mitgenommen und waren überrascht, dass die nervenden Strassenverkäufer, die in Cousco unsere ständigen Begleiter waren, sich in dem Moment, wo wir uns wirklich mal über sie gefreut hätten, weit und breit nicht zu sehen waren. Thiago versicherte uns, dass er viel früher auf dem Berg gewesen wäre, wenn seine Schuhe heute nicht so störrisch wären. Armer Kerl! Schon blöd, wenn man Zauberschuhe hat, die nicht immer und auf Abruf funktionieren. Nachdem wir stundenlang Serpentinen hoch gewandert waren wir natürlich voller freudiger Erwartung auf den gigantischen Ausblick- der allerdings noch einige Zeit auf sich warten ließ.












Während unser Guide uns mit Nebensächlichkeiten, wie die Essgewohnheiten der Inkas langweilte, starrten wir gebannt ins Leere. Doch der Nebel lichtete sich nur wirklich sehr langsam. Der Anblick der alten Ruinen, die mystisch aus dem Nebel auftauchten war überwältigend.















Auf einem steilen Gebirgsstock haben die Inka eine Stadt angelegt, in der wahrscheinlich nahezu 4000 Menschen gelebt haben. Erst 1911 wurde die Stadt von dem Amerikaner Hiram Bingham entdeckt. Er nannte sie Machu Picchu „alte Bergspitze“, weil er nicht sicher wusste, ob es die von den Spaniern nie entdeckte letzte Zufluchtsstelle der Inka war.
















Eingebettet zwischen dicht bewachsenen Bergen war die Stadt für die spanischen Eroberer im Jahre 1532 unsichtbar und ist dadurch der Zerstörung entgangen. Sinn und Zweck dieser Stadt sind bis heute umstritten. Es existieren über sie keine Überlieferungen bzw. wissenschaftliche Aufzeichnungen, weshalb nur Vermutungen angestellt werden können. Dieses Geheimnis, genauso wie die Tatsache, dass keiner weiß warum der Ort verlassen wurde machen diesen Ort nur noch geheimnisvoller. Der Machu Picchu ist deswegen wohl eine der größten Touristenattraktionen in Südamerika. Täglich besuchen durchschnittlich etwa 2.000 Personen die Sehenswürdigkeit.






















Voller weiterem Tatendrang konnten wir das Ende der Führung kaum erwarten, um auch noch den Wayna Picchu besteigen zu können.























Weitere 2 Stunden extrem steiler Aufstieg trennten uns von einem weiteren spektakulären Aussichtspunkt über die alten Ruinen. Die Pfade waren teilweise so eng, dass man den Gegenverkehr an Touristen passieren lassen musste um weiter gehen zu können. Bei so vielen Stufen war es auch nicht verwunderlich, dass bei manchen schon seit längerem das Deo versagt hatte. Deutlich von den meisten Touristen hoben sich diejenigen ab, die den sagenumwobenen Inka-Trail- das heißt eine 4 Tagestour hinter sich gebracht hatten. Die Inka besaßen ein ausgeklügeltes System von Kurierpfaden durch ihr Reich, auch zwischen der Hauptstadt Cuzco und Machu Picchu. Ein Teil dieser Strecke von etwa 40 Kilometern wird von vielen Touristen in Begleitung von erfahrenen Reiseleitern bewandert. Nach so einem anspruchsvollen Programm hatten wir natürlich vollstes Verständnis für struppiges Haar, leichten Modergeruch von nassgewordenen Klamotten und ausgegangenem Deoambiente. So ein Abenteuerleben ist halt schon was! Auch etwas struppig genossen wir zusammen mit den vielen anderen Touristen den wundervollen Ausblick über die gesamte Anlage!













Auf dem Rückweg zurück ins Tal haben durften wir uns an einem üppigen Regenguss erfreuen. Die 13 Haarnadelkurven ins acht Kilometer abwärts gelegene Aguas Caliente haben wir schließlich auch irgendwie noch ohne Murren hinter uns gebracht.














Die völlige Erschöpfung kehrte dann bei uns direkt nach dem Abendessen so gegen 8 Uhr abends bei uns ein. An weitere Bewegung oder ein Abendprogramm dachte keiner mehr von uns drein. Schließlich musste am nächsten Morgen ja auch um halb 5 schon wieder ein Zug bestiegen werden, der uns zurück nach Couscu bringen sollte.