Seit letzten Sonntag ist Micha jetzt in Asuncion. Leider hat die sms Konveration garnicht funktioniert, deswegen stand er auch für mich etwas sehr überraschend plötzlich am Busterminal. Zum Glück konnte dem Taxifahrer erklärt werden, wo ich gerade beim Essen war und mit dickem fetten Rucksack wurde Micha kurze Zeit später rechtzeitig zum Essen geliefert. Die letzten Artikel fuer die aktuelle Rundschau haben wir dann noch zusammengeschrieben und ausserdem stand in Asuncion noch ein Abendessen mit dem Rotary Club auf dem Programm. Desto gehobener die Gesellschaft um so tiefer die Temperaturen in den Raeumen in denen sie sich aufhalten. Deswegen froren wir auch ganz furchtbar beim Abendessen. Wenigstens war der voellig ueberteuerte Fisch von Micha umsonst gewesen, weil die Portion so mini war mussten wir danach naemlich eh nochmal Essen gehen. Besonders amuesiert haben mich Michas erste Reitversuche. Er musste ferststellen, dass nicht all das Glueck dieser Erde auf dem Ruecken der Pferde liegt vor allem, wenn man kurze Hosen an hat. Etwas aufgescheuert stolzierte Micha den Rest der Woche mit O/ Beinen durch die Stadt! Unser Abschied musste natuerlich auch ordentlich mit Bier begossen werden. Feierwillige waren nicht schwer zu finden und auch das Barbeque liess sich in einer gemeinsamen Anstrengung mit meinen Arbeitskollegen aus dem Mercosurgericht arrangieren. Berge voll Flesich befanden sich schon auf dem Grill, als Micha sich mit meinem grossen Rucksack auf dem Ruecken auf meinem Motorrad durch den Strassenverkehr schleuste, um kaltes Bier zu kaufen. Dieses lieferte dann den Treibstoff bis morgens frueh um drei! Zum Glueck haben die Hausmaedchen die meisten Partyueberreste gleich am naechsten Morgen beseitigt, dass wir uns ohne weitere Umstaende wieder unserer Freiszeitgestaltung widmen konnten. Nachts um 11 geht unsere Reise los in den Chaco!!! Mal sehen wie uns die Savanne so gefallen wird!Donnerstag, 29. November 2007
Abschied aus Asuncion - Vorbereitungen für die große Reise
Seit letzten Sonntag ist Micha jetzt in Asuncion. Leider hat die sms Konveration garnicht funktioniert, deswegen stand er auch für mich etwas sehr überraschend plötzlich am Busterminal. Zum Glück konnte dem Taxifahrer erklärt werden, wo ich gerade beim Essen war und mit dickem fetten Rucksack wurde Micha kurze Zeit später rechtzeitig zum Essen geliefert. Die letzten Artikel fuer die aktuelle Rundschau haben wir dann noch zusammengeschrieben und ausserdem stand in Asuncion noch ein Abendessen mit dem Rotary Club auf dem Programm. Desto gehobener die Gesellschaft um so tiefer die Temperaturen in den Raeumen in denen sie sich aufhalten. Deswegen froren wir auch ganz furchtbar beim Abendessen. Wenigstens war der voellig ueberteuerte Fisch von Micha umsonst gewesen, weil die Portion so mini war mussten wir danach naemlich eh nochmal Essen gehen. Besonders amuesiert haben mich Michas erste Reitversuche. Er musste ferststellen, dass nicht all das Glueck dieser Erde auf dem Ruecken der Pferde liegt vor allem, wenn man kurze Hosen an hat. Etwas aufgescheuert stolzierte Micha den Rest der Woche mit O/ Beinen durch die Stadt! Unser Abschied musste natuerlich auch ordentlich mit Bier begossen werden. Feierwillige waren nicht schwer zu finden und auch das Barbeque liess sich in einer gemeinsamen Anstrengung mit meinen Arbeitskollegen aus dem Mercosurgericht arrangieren. Berge voll Flesich befanden sich schon auf dem Grill, als Micha sich mit meinem grossen Rucksack auf dem Ruecken auf meinem Motorrad durch den Strassenverkehr schleuste, um kaltes Bier zu kaufen. Dieses lieferte dann den Treibstoff bis morgens frueh um drei! Zum Glueck haben die Hausmaedchen die meisten Partyueberreste gleich am naechsten Morgen beseitigt, dass wir uns ohne weitere Umstaende wieder unserer Freiszeitgestaltung widmen konnten. Nachts um 11 geht unsere Reise los in den Chaco!!! Mal sehen wie uns die Savanne so gefallen wird!Mittwoch, 28. November 2007
Wochenrückblick 25.11.2007
Einschub: Ich entschuldige mich an dieser Stelle aufrichtig für die Veröffentlichung des Bildes. Ich war mir der grossen Lesergemeinschaft meines Blogs nicht bewusst. Eigentlich dient er nur der Verständigung mit meiner Familie und meinen Freunden in Deutschland. Eine Zurechenbarkeit auf Personen war von mir nicht beabsichtigt, da ich hier eigentlich nur denjenigen, die mir lieb sind und die weit weit weg wohnen, einen Eindruck von Paraguay vermitteln möchte. Deswegen auch die ehrliche Schreibweise, die an dieser Stelle wirklich etwas unüberdacht war. Die Gastfreundschaft der Menschen, die ich besucht habe war wirklich aussergewöhnlich. Ich hoffe nicht, dass mein Fehler einen Einfluss darauf haben wird!
Es ist nahezu unglaublich wie schnell die Zeit vergehen kann muss ich auch diesen Sonntag wieder feststellen. Ich war diese Woche mutig genug mir hier eine Gelbfieberimpfung verpassen zu lassen. Nachdem ich ungefähr zwei Stunden danach gesucht hatte, stand ich endlich vor dem Gesundheitsministerium. Grund für die lange Suche war, dass Paraguayer, wenn sie nicht wissen, wo der Ort ist nach dem ich frage manchmal dazu tendieren, einfach in die nächstbeste Richtung zu zeigen. Aber da ich hier ja nicht unbedingt unter Zeitdruck stehe hab ich mich diesbezüglich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Dafür ging die Impfung dann umso schneller. Ich hatte kaum die Frage ausgesprochen hatte ich auch schon ne Nadel im Oberarm und eine halbe Minute später stand ich mit der dazugehörenden Bescheinigung auch schon wieder auf der Straße. Ich musste irgendwie etwas schmunzeln bei dem Gedanken, dass man in Deutschland zu einem Spezialisten gehen muss für die Impfung und jede Menge Hinweise zur Impfung bekommt. Mit dem guten Gefühl, mich total auf diese Impfung verlassen zu können, fühle ich mich nun um einiges sicherer in Bezug auf die Mückenplage (Ironie Ende), die anscheinend in den richtig heißen Sommermonaten hier noch richtig schlimm werden soll. Einen sehr netten Morgen habe ich auch mit einer meiner Kolleginnen aus dem Mercosurgericht verbracht. Sie war vom Chef abbestellt worden sich doch um mich und meine Einkaufsprobleme zu kümmern. Mit dieser Paraguayerin im Schlepptau konnten auf dem Mercado Quadro meine letzten Urlaubsvorbereitungen zu sehr günstigen Preisen erledigt werden. Jedes Mal, wenn mir ein viel zu teurer Preis genannt wurde erzählte sie den Verkäufern, dass ich mich hier in einen Paraguayer verliebt hätte und wahrscheinlich in Paraguay bleiben werde, weil es mir so gut gefällt. Dies zauberte nicht nur ein Lächeln auf die Gesichter der Verkäufer, sondern senkte den Preis um ungefähr 25%. Nachdem ich meine liebenswerte Kollegin daheim abgesetzt hatte und ordentlich ihr kleines Baby bestaunt hatte war es für mich wieder Zeit für meine richtige Arbeit bei der Zeitung. Wie sehr ich mich schon an die paraguayische Arbeitsweise gewöhnt habe wurde mir bewusst, als ich mit einer österreichischen Delegation an Parlamentariern und wirtschaftlichen Vertretern konfrontiert wurde, über die ich berichten musste. Der mir von Ihnen ausgeliehene Memoriestick zum Datenaustausch war leider nicht mit dem Vermerk „umgehend zurück zu geben“ versehen worden. Ich kam auch nicht auf die Idee, dass sie, obwohl sie sich die nächsten zwei Tage nicht in der Stadt befanden und deswegen auch keinen Zugriff darauf hätten haben können, diesen doch gerne schon sicher im Hotel gewusst hätten. Nachdem sie den Chef der Zeitung, seine Sekretärin und mich ausreichend mit Anrufen traktiert hatten konnten wir immerhin noch bewirken, dass der Stick ungefähr einen Tag vor ihrer Rückkehr im Hotel auf sie wartete. Ansonsten musste ich während des Interviews feststellen, dass es mir nicht wirklich gefällt mit wie viel Weltverbessertum im Gepäck, die Herren Gesandten auf einem sehr hohen Ross den weiten Weg in Kauf genommen hatten, um dem armen Paraguay mal zu zeigen wo der Bartel den Moscht holt… Auch die Menonitten, die ich am Wochenende in ihrer Kolonie besucht habe, sind trotz ihrer langen Präsenz in Paraguay auch noch nicht auf die Idee gekommen, dass man vom Paraguayer abgesehen von der Essens- und Trinkenzubereitung auch noch etwas anderes lernen kann. Es fällt Ausländern im Allgemeinen schwer zu verstehen, warum der Paraguayer eigentlich recht glücklich ist in seinem Land ohne Meer mit dem vielen Dreck und dem definitiv fehlenden Wohlstand. Vielleicht bleiben die deutschen Menonitten, die ihr Glück als Bauern in Paraguay machten, deswegen auch so sehr unter sich: Sie können nicht nachvollziehen, warum der Paraguayer nicht wie sie den ganzen Tag auf seinen Feldern für etwas mehr Wohlstand schufftet und statt dessen lieber die Hälfte des Tages in der Sonne sitzt und Terrere trinkt. Genauso fällt es wohl auch dem Paraguayer schwer zu verstehen, warum man denn den ganzen Tag schufften soll, wenn man am Abend dann nur noch tot ins Bett fallen kann. Der goldene Weg liegt wohl, wie so oft irgendwo in der Mitte. Interessant war es schon zu sehen, was für ein Leben die Deutschen da draußen im Nirgendwo Paraguays führen. Eine 35 km lange rote Schotterstraße stellt die einzige Verbindung der Menonitten in „Friesland“ zum Rest der Zivilisation dar. Innerhalb der Kolonie gibt es alles was man zu einem spartanischen Leben braucht und seit ungefähr 2 Monaten sogar einen Bäcker, damit die gute Hausfrau nicht wirklich alles selber backen muss. Ich war bei einer kleinen Familie für die Nacht untergebracht, die wohl schon über eine Stunde am liebevoll gerichteten Abendessenstisch gesessen und auch mich gewartet hatten. Angeschaut wurde ich mehr oder weniger wie eine Spezies von einem anderen Planeten von dem ungefähr 28 jährigen Ehepaar und den beiden Kindern, die 7 und 8 Jahre alt waren. Die kulturellen Unterschiede lagen förmlich auf der Hand.
Allerdings war ihr selbstgebackener Kuchen und die selbstgebackenen Brötchen und die vielen anderen Leckereien definitiv die Erfahrung wert. Genauso wie die Gespräche, die überaus interessant waren, obwohl ich mir nie vorstellen könnte so zu leben. Besonders fasziniert haben mich die beiden völlig verweichlichten Kinder der Familie. Irgendwie musste ich ständig an die Straßenkinder in Asuncion denken, die manchmal schon vor dem 6 Lebensjahr sich selbst verdienen denken, als das Mädchen anfing zu weinen, als ihr die Gabel aus den Fingern glitt und auf den Boden fiel. Grund meines Besuches war das 70 jährige Bestehen der Kolonie! Diese Jubiläum wurde gebührend gefeiert und man freute sich besonders, dass man es geschafft hat so viele Jahre unter sich zu bleiben.
Zurück in der Zivilisation war ich froh, dass ich noch am gleichen Abend aus den vielen Möglichkeiten, die sich in der Großstadt bieten mein Abendprogramm auswählen durfte. Auf wilde Rhythmen tanzten wir bis spät in die Nacht.

Wochenrückblick 18. November
Ich gebe mir alle Mühe hier so zu tun, wie wenn ich auch auf Fußball stehen würde, weil hier wirklich jeder auf Fußball steht und ich mir doch vorgenommen habe etwas paraguayischer zu werden. In netter männlicher Begleitung fällt das dann auch garnicht so schwer und vor allem wenn mein guter alter Freund Cerveza noch dabei ist.

Ich erfreue mich seit kurzem einer überaus guten Küche, seit dem Alex in die Pension eingezogen ist. Einen herzlichen Dank an dieser Stelle für die wundervolle und liebevolle Essenzubereitung!

Besonderer Höhepunkt dieser Woche war definitiv das Feministinnentreffen, auf dem ich recht spontan am Wochenende gelandet war. Der Grund für diesen kurzfristigen Planwechsel war allerdings nicht gerade feministischer Natur, sondern schlicht und einfach die Tatsache, dass Samuel, mit dem ich auch schon die Botschaftsreise unternommen habe mich fragte ob ich ihn nicht begleiten wolle. Er wurde von seiner Chefin zu diesem Event geschickt und auch ich konnte meinem Chef bei der Zeitung irgendwie klarmachen, dass es wichtig wäre die Frauenbewegung in Paraguay nicht aus den Augen zu verlieren. Durch dieses Einverständnis meines Chefs waren dann nämlich auch automatisch die Probleme der Finanzierung des kleinen Ausfluges nach Encarnacion (ungefähr 5 Stunden Busfahrt von Asuncion entfernt) geklärt. Samuel und ich hatten uns schon besonders auf die Busfahrt gefreut, die viel Zeit gelassen hätte, um sich zu unterhalten. Aber da es ja immer anders kommt als man denkt, selbst wenn die ganze Reise sehr geschickt eingefädelt worden war, musste er leider in Begleitung seiner Chefin im Auto voraus fahren. Dieser traurige Umstand bot mir dann jedoch die Gelegenheit mit den anderen Mitfahrenden besser in Kontakt kommen zu können- ich hatte ja schließlich der Frauen zu Liebe diese weite Reise auf mich genommen und nicht wegen eines recht süßen Paraguayers!!
In Encarnacion angekommen ging es dann auch gleich mit Kundgebungen und Protestmärschen durch die Stadt weiter. Umringt von einer recht bunten Schar an Frauen jeglichen Alters hatte auch ich recht bald Plakate in der Hand und machte einfach mal bei etwas mit von dem ich eigentlich gar keine Ahnung hatte.

Dank dieses Wochenendes habe ich jedoch einen Crashkurs in Sachen Frauenprobleme in Paraguay erhalten und kann somit vielleicht auch ein bisschen ausgleichen, dass sich wie immer sehr wenig weibliche Personen in meinem Freundeskreis befinden. Im Gegensatz zum deutschen Pendant namens Alice Schwarzer beschäftigen sich die Vertreterinnen der Frauenvereinigungen hier jedoch mit wirklich vorhandenen Problemen. Der Anteil der Frauen in besseren Berufen ist leider gering und allein die vielen schwangeren jungen Mädchen und die vielen bettelnden Kinder in der Straße sind Zeugnis genug dafür, dass auch in Sachen Aufklärung noch einiges getan werden muss. Zudem ist auch der starke Katholizismus im Land dafür verantwortlich, dass Stichworte wie Verhütung und Schutz vor Krankheiten leider noch nicht das Bewusstsein von vielen Frauen erreichen konnten. Da die Abtreibung nach dem Scheitern eines Gesetzesentwurfes letzte Woche im Senat immer noch illegal ist, wird es wohl auch weiterhin sehr viele Todesfälle aufgrund von Pfuschern geben, die sich der Schwangerschaftsprobleme der Frauen annehmen. Trotzdem wurden klar auch die üblichen Stereotypen artikuliert wie zum Beispiel, dass man sich von Männern nicht einreden lassen dürfe, dass fett nicht schön sei oder das Männer einfach grundsätzlich wahnsinnig böse sind.

Am Abend ließ ich mich trotz einiger Schauergeschichten, die mir über die paraguayischen Männer erzählt worden waren, nicht davon abbringen mich mit Samuel vom Rest der Gruppe etwas abzusondern. Ich hatte nicht vor diesen einen der insgesamt 4 anwesenden Männer (bei einer Gesamtanzahl von ungefähr 600 Personen) mit den ganzen anderen Frauen zu teilen. Leider kann ich über diesen Abend nichts unbedingt spektakuläres berichten. Bei lauer Sommerluft, saßen wir bis morgens um 5 auf einer Bank im Park und haben uns unterhalten. Nachdem wir uns erst mal leer gequatscht hatten waren wir wohl eine der letzten, die unsere Betten aufsuchten. Für paraguayische Verhältnisse ging das Programm am nächsten Tag auch gleich um 8 Uhr wieder weiter. Nachdem ich mir auch die Probleme der paraguayischen Lesben und Transvestiten, der Bauersfrauen, der Frauen in der Politik, der Prostituierten, der indigenen Frauen und all der anderen Minderheiten, die ich bisher nicht erwähnt hatte, angehört hatte war es auch schon wieder Abend. Beim letzten Schlusswort des letzten Vortrags für den Tag waren Samuel und ich auch schon auf dem Flur, um ja keinem die Chance zu geben uns irgendwie in unsere Abendplanung rein zu quatschen. Mit einem Bus fuhren wir kurzerhand über die argentinische Grenze um uns die Stadt Pousada anschauen zu können. Wir hatten uns keine Gedanken darüber gemacht, wie denn genau unser Rückweg aussehen sollte und stellten erst in Argentinien fest, dass wir wohl vor morgens um 6 auf keinen Fall mit dem Bus zurückkehren konnten. Eigentlich war uns das aber auch ganz recht so! Die Uferpromenande am Rio Paraguay war auch ausgesprochen romantisch und zum Glück auch nicht ganz einsam und verlassen, weil man in Südamerika immer darauf achten sollte andere Menschen bei Nacht um sich rum zu haben, um nicht irgendwelchen Dieben zum Opfer zu fallen. Die argentinische Seite des Flusses hob sich sehr stark von der paraguayischen Seite ab. Die Straßen sind ordentlicher, die Stadt ist im Allgemeinen sauberer und man sieht sofort, dass auf dieser Seite mehr Wohlstand vorhanden ist. Die ganzen Bars, Kneipen und Diskos und die vielen vergnügungssüchtigen Jugendlichen, die sich dort rumtrieben, ließen auch keine Zweifel daran offen, dass auch das nötige Kapital für Spaß zur Verfügung stand. Mit unseren lumpigen Guaranies in der Tasche, haben wir erst gar keine Bar aufgesucht, sondern wie auch den Abend zuvor auf einer Parkbank verbracht mit schönem Ausblick verbracht. Die Zeit bis um sechs verging eigentlich auch wie im Flug, wenn man sich wirklich gut unterhält, muss ich sagen. Die Müdigkeit war dafür umso größer, als wir nach ungefähr 2 Stunden Schlaf schon wieder beim nächsten Vortrag saßen. Trotz krasser Müdigkeit haben Samuel und ich auch bei der Rückfahrt im Bus kein Auge zugemacht, sondern die gemeinsame Zeit noch genutzt! Alles in allem nenne ich das mal eine wirklich sportliche Leistung von uns! Total tot lag ich dafür um 22 Uhr abends dann im Bett und war auch am nächsten Tag noch nicht fähig zur Arbeit zu gehen!
Freitag, 16. November 2007
Wochenrückblick 11. November


Wir konnten es kaum erwarten am nächsten Tag die Wasserfälle zu sehen und waren dann etwas schockiert über die Tatsache, dass unzählige andere Touristen den gleichen Entschluss gefasst hatten.
Mehr oder weniger in Reih und Glied mit Rentnergruppen, Schülern und jeder Menge Ausländer wanderten wir die sauber organisierten Wege des Parks ab. Man muss jedoch sagen, dass die Wasserfälle trotz allem sehr beeindruckend sind, auch wenn man sich wirklich fast prügeln muss, um ein gutes Bild zu ergattern. Da wir ja mit kleinem Budget unterwegs waren wurde im Park genauso wie an der Unterkunft etwas gespart. Etwas wehmütig schauten wir den komplett nassen Touristen nach, die sich mit einem Boot direkt in die Wasserfälle hatten fahren lassen.

Am ersten Tag entlockte uns noch wirklich jeder einzelne neue Wasserfall und jede neue Perspektive auf das tosende Wasser ein fröhliches Jauchzen! Am zweiten Tag, als wir zur brasilianischen Seite gewechselt haben war unsere Begeisterung dann schon nicht mehr ganz so groß. Ist schon witzig, wie schnell man sich selbst an einen so spektakulären Anblick gewöhnen kann.

Der Park auf der Brasilianischen Seite hatte von der Organisation des Massentourismus her, sehr viel gemeinsam mit Walt Disney World und stieß bei uns eher auf Unmut als auf Begeisterung. Vor allem, als wir in einer langen Schlange standen, um mit den klimatisierten Bussen, in denen künstliche Urwaldgeräusche die Touristen unterhalten, wieder zurück zum Ausgangspunkt gefahren zu werden, war unsere Geduld etwas am Ende.
Diese Überorganisation und der Massentourismus haben mir deutlich bewusst gemacht, warum ich absolut glücklich bin in Paraguay zu sein, schon allein um mich nicht ständig mit tausend andere Backpackern um die günstigsten Angebote schlagen zu müssen. Deswegen breitete sich bei mir auch ein leichtes Gefühl von daheim sein aus, als ich nach einem reichlichen Abendessen mit den beiden Südamerikabummlern wieder auf paraguayischem Boden war. Der Bus fuhr zu so später Stunde leider nicht mehr über die Brücke nach Paraguay, deswegen stieg ich kurzerhand auf ein Motorradtaxi, dass mich im Handumdrehen auf die andere Seite brachte. Bei der Einreise wurde ich natürlich erst mal ins Büro gebeten, weil mir der Ausreisestempel aus Paraguay fehlte und ich auch keinen Ausreisestempel von Brasilien hatte. Zuerst wollten die Paraguayer, dass ich für diesen kleinen Fauxpas eine Strafgebühr zahle. Nachdem ich jedoch erwähnte, wie gerne ich in Paraguay lebe und das ich für die Presse arbeite, war plötzlich dann doch keine Bezahlung mehr nötig. Mir wurden sogar Tipps gegeben, wie ich um Kosten für ein Visum herum komme. Zum Glück wartete das Motorradtaxi noch vor der Tür um mit mir noch mal die einzelnen Stationen abzufahren, an denen weitere Stempel eingeholt werden mussten. Nach 6 Stunden Busfahrt war ich wieder zurück in meiner neuen Heimatstadt.
Dienstag, 6. November 2007
Wochenrückblick 4. November 2007
Gestern war ich erst wieder in dem Laden und habe es genossen, dass bildlich gesprochen der rote Teppich für mich ausgelegt wurde und mir jeder Wunsch von den Augen abgelesen wurde. Anlass meines Besuches im Motorradladen war allerdings ein blöder: Ich hatte gleich am ersten Tag nach dem Kauf meines wunderschönen neuen Gefährtes die Rutschgefahr bei Regen unterschätzt und brauchte die ersten Ersatzteile, nachdem ich mir das Motorrad von unten angesehen hatte. Meine Lektion habe ich allerdings gelernt: Wenn die Straße innerhalb von 10 Minuten zum Fluss wird sollte man gar nicht erst versuchen ob das Motorrad auch schwimmen kann, sondern schleunigst ein trockenes Plätzchen zum Unterstellen finden. Interessanterweise hat mir dieser Sturz zu einer gewissen Berühmtheit verholfen. Wurde ich doch nicht neulich von einem Wildfremden auf einer Party angesprochen, ob ich nicht die verrückte blonde Deutsche wäre, die bei Regen über die Straße geschlittert wäre. Ich habe mit meinem wirklich nicht schlimmen Sturz ein kleines Verkehrschaos ausgelöst, an dem irgendwie halb Asuncion teilgenommen hat. Der Mann hinter mir im Auto, der einmal kräftig auf die Bremse treten musste, schreibt mir immer noch sms, dass ich doch bitte, falls ich noch mal ausrutschen sollte, doch auch wieder vor seinem Auto landen möchte, weil er mit Sicherheit gut auf mich acht geben wird. Die Pressefahrt hat mir auch zu einiger Berühmtheit verholfen: Mir ist jetzt schon von mehreren bestätigt worden, dass ich bei unzähligen Berichten zu den unterschiedlichsten Themen auftauchen würde, über die ich natürlich auch in der Deutschen Zeitung berichte oder berichtet habe!
Aber nun zurück zum Roller: Ich bin erst mal stundenlang in der Stadt rumgedüst am Wochenende, um alle möglichen Ecken kennen zu lernen und vor allem zu lernen, wie man von dem ersten in den vierten Gang kommt. Die Fahren hier ja wie die Affen und nach eingehender Prüfung musste ich feststellen: ES GIBT HIER GARKEINE VERKEHRSREGELN! Jeder macht das was er will und wer am dreistesten fährt siegt. Der Sturzhelm ist zwar gesetzlich vorgeschrieben, aber ich hab mindestens schon 20 Polizisten an mir vorbeifahren sehen, die keinen Sturzhelm trugen. Auch die Vorfahrtsstrassen sind nicht automatisch immer Vorfahrtsstraßen, sondern manchmal sind sie auch keine. Einen Rhythmus in der ganzen Angelegenheit kann ich eigentlich nicht erkennen. Aber ich glaube ich schlage mich gut! Ich bin zwar schon mindestens 100 mal angehupt worden, aber ich mache das was alle anderen in diesem Fall auch machen: Entweder zurück hupen oder einfach mal grob ignorieren! Mit einem riesigen Glücksgefühl, weil ich so ein großes Stück Freiheit und Unabhängigkeit durch diesen Roller gewonnen habe, bin ich dann erst mal in Richtung Pampa gedüst um mir einen Reitlehrer zu suchen.

Ich hab einfach so lange irgendwelche Leute gefragt, bis ich vor meinem sehr verdutzten Reitlehrer stand, der sich keinen Reim drauf machen konnte, wie es mich denn hierher verschlagen hatte. Nichts desto trotz durfte ich sofort ein Pferd besteigen und nach ungefähr einer halben Stunde hat es mich im wilden Galopp ordentlich durchgebeutelt auf dem Rücken einer braunen Stute. Ich wurde außerdem von meinem nach einer halben Stunde förmlich aufgetauten Reitlehrer mit vielen Fragen gelöchert. Ihn erstaunte die Tatsache sehr, dass ich mit 25 noch nicht verheiratet war. Er fragte außerdem, ob er mir bei der Suche etwas behilflich sein sollte, was ich dankend ablehnte. Mein Lehrer meinte ich sei ein Naturtalent, aber das verschonte mich leider nicht vor dem abartigen Muskelkater, der mich am nächsten Tag wie ein echtes Cowgirl mit breiten O-Beinen laufen ließ.
Den Sonntag hab ich in netter Gesellschaft eines Paraguayers mit Namen Daniel verbracht, der sich bereit erklärte, zusammen mit mir eine Spritztour mit meinem neuen Gefährt zu machen. Ich musste aufgrund des schlimmen Muskelkaters jedoch ihn fahren lassen, weil ich schon Probleme hatte mein Motorrad zu besteigen.


Es erwies sich als hervorragende Idee mir von einem waschechten Paraguayer die Gegend zeigen zu lassen. Ausgestattet mit dem traditionellen Terrerebehälter waren wir eineinhalb Stunden unterwegs, bevor wir den Sonnenuntergang am Fluss Paraguay genossen.
Leider fehlt dem Fluss jedoch im Moment einiges an Wasser und die eigentliche Uferpromenade hat sich um eine komische schlammig trockene Ebene erweitert, die man eigentlich gar nicht sehen sollte.

Bisher vorenthalten habe ich Bildmaterial über meine momentane Unterkunft. Nicht, weil man sie nicht herzeigen kann, sondern weil man sich gute Dinge ja ganz gerne für besondere Momente aufhebt und so lange in Vorfreude schwelgt. Hier nun ein kleiner Einblick in den Garten:


Montag, 29. Oktober 2007
28.10.2007 Wochenrückblick
Der Wachmann neben mir im Bus hat von dem ganzen Spektakel noch nicht mal was mitbekommen, aber auch ich habe mich mittlerweile an solche Vorkommnisse gewöhnt: Eigentlich recht unberührt von den Geschehnissen des Morgens erreichte ich halt auch die Redaktion etwas später.

Dienstag waren alle Mitarbeiter des Mercosur Gerichts und somit auch ich zum Essen eingeladen. All You CAN EAT Fleisch Buffet! Ich hab mir so dermaßen den Bauch voll geschlagen, dass ich nachher zur Redaktion rollen musste. Ich als alter Schwabe musste wenn es schon mal umsonst ist natürlich auch so viel wie möglich davon mitnehmen! Mittwoch bin ich mit dem Bus zwei Stunden nach Altos gefahren um dort eine deutsche Schule zu inspizieren.

Die Deutschen Nationalfarben strahlten mir förmlich entgegen, als ich das Grundstück der Privatschule in Altos betrat. Einheitlich in schwarz rot gold gekleidet sangen mir im Hof der Schule ein paar Kinder voller Freude „Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne“ vor, was schon etwas abstrakt wirkte mitten in einem kleinen Kuhdorf irgendwo in der Pampa von Paraguay. Diese Schule ist noch ein Überbleibsel von nach dem zweiten Weltkrieg und mittlerweile rechtfertigt nur noch die Tatsache, dass eine Stunde in der Woche Deutsch unterrichtet wird den Namen „Deutsche Schule“.

Die wenigsten der Kinder sprechen also wirklich Deutsch. Der Schule fehlt das Geld um zwei der 11 Klassenzimmer zu renovieren um sie nicht nur mit Möbeln und Gebrauchsgegenständen, sondern auch mit Leben füllen zu können. Umso beengter sitzen die 420 Schüler dann in den anderen Räumen unter kreisenden Ventilatoren, die die Hitze des Tages etwas lindern. Allerdings muss dazu gesagt werden, dass die Kinder entweder vormittags 4 Stunden oder abends 4 Stunden Unterricht haben. Eine Deutsche hat es sich dort zur Aufgabe gemacht, die Schule wieder etwas auf Vordermann zu bringen und ein bisschen Disziplin und Zucht und Ordnung in die ganze Sache zu bringen. Ich fand es interessant zu sehen in wie weit sich ihre deutschen Vorstellungen mit der Mentalität der Menschen hier vereinbaren ließen. Eigentlich hatte es fast schon etwas komisches, wie diese engagierte Dame versucht die guten Eigenschaften eines Deutschen: Fleiß, Genauigkeit und Pünktlichkeit in der paraguayischen Gesellschaft zu etablieren und diesen verzweifelten Kampf noch nicht aufgegeben hat. Ihr penibel sauberes, wohl behütetes Haus wirkt wie eine kleine Insel inmitten der Pampa, die weder ein Festnetz, Internet noch einen staubfreien Haushalt zulässt! Auf der anderen Seite können Leute wie sie hier in Paraguay einiges bewirken, wenn ihnen nicht die Luft ausgeht bevor sie angefangen haben Dinge nicht mehr so ernst zu nehmen und einfach mal ordentlich zu lachen.
Bewaffnet mit einem detaillierten Stundenplan für die nächsten zwei Tage (und damit meine ich auch wirklich stündliches Programm) brach ich donnerstagmorgens um 6 in einem klimatisierten Bus der Deutschen Botschaft zusammen mit vielen anderen Reportern in Richtung Inland auf. Sinn und Zweck der Übung war es, einen Überblick zu bekommen über alle Entwicklungsprojekte an denen die GTZ oder die Deutsche Botschaft sich hier in Paraguay beteiligen oder die sie initiiert haben. Nach üblicher Manier von journalistischen Kaffeefahrten wurden ich zusammen mit den anderen Journalisten an jeder Station für kurze Zeit in die Hitze des Tages entlassen um schnell ein paar Fotos machen zu können, viel Papiermaterial in die Hände gedrückt zu bekommen und mit so vielen Leuten wie möglich in möglichst kurzer Zeit zu sprechen bevor die Fahrt dann auch schon wieder weiter ging.

Weil ich meist in Spanisch noch etwas langsam Konversation betreibe, war ich auch als einzige noch nicht wirklich fertig, als wir schon wieder weiter mussten. Um ehrlich zu sein hatte ich überhaupt nicht verstanden was ich an diesem Ort an Information hätte mitnehmen sollen, aber wie alle anderen hab ich mal alles fotografiert und anschließend versucht im Bus bessere Informationen zu erhalten. Zum Glück war der Chef der GTZ in Paraguay an der ersten Station zugestiegen und bei ihm konnte ich mir auf Deutsch die Informationen aus erster Hand und in meiner Muttersprache einholen.

Mein Informationsvorsprung gegenüber den spanisch sprechenden Journalisten war dadurch wieder gewährleistet und ich war in der ersten Runde als Karla Kolumna noch nicht aus der Bahn geworfen worden. Mancherorts gestaltete sich mein Dasein als rasende Reporterin dann aber doch etwas schwieriger, vor allem wenn die Interviewpartner nur Guaraní sprechen. Ziemlich bald kollaborierte ich deswegen mit einem jungen Journalisten, der Kommunikationswissenschaften in Asuncion studiert. Er hat mir nach jeder Station in einfacheren Worten erklärt, worüber der Bauer oder Händler gerade geredet hatte und zudem war er so lieb die für mich total fremd klingenden Namen der Beteiligten korrekt zu notieren.
Muchas gracias Samuel por tu pacienca y tu ayuda!
Auch bei der Konversation mit den anderen Reportern die sich einen Spaß daraus machten mich in Guaraní voll zu quatschen war er eine große Hilfe. Ich bin nach diesen zwei Tagen ein ganz großer Landwirtschaftsspezialist geworden und wenn ich grad nichts anderes zu tun hätte, könnte ich mir morgen ein Stück Boden kaufen und dort korrekte Direktsaat mit Gründünger betreiben, ohne das mein Boden seine Nährstoffe verliert und deswegen weniger Erträge liefert.


Das ist hier in Paraguay eine ganz schöne Herausforderung muss ich dazu sagen, weil das Feld das ganze Jahr über bestellt wird und zudem die Sonne hier ordentlich auf die Prärie knallt! Mein Opa Rudolf hätte wahrscheinlich die größte Freude an all den Dingen, die ich gelernt habe in nur zwei Tagen!
Zur Beruhigung eines jeden Deutschen Steuerzahlers kann ich nur sagen, dass die GTZ hier hervorragende Arbeit leistet und die Arbeit nicht nur bildlich gesprochen auf fruchtbaren Boden fällt.
Die Hilfsmaßnahmen sind gut durchdacht und angepasst auf paraguayische Bedürfnisse und den Entwicklungsstand und den Bauern wird nichts von oben vorgegeben, sondern jeder Produzent arbeitet mit an den Wertschöpfungsketten die hier aufgebaut werden und vom Rohprodukt bis zum Endproduzent gut durchdacht werden.

Bei einigen Mitarbeitern der GTZ ließ sich auch erkennen, dass das Land auch schon einige Spuren und Eindrücke bei ihnen hinterlassen hat. Keiner der Deutschen rückte ohne sein Terrere Gefäß und das dazugehörige Becherchen (Guampe), gefüllt mit Kräutern aus. Aus diesem wird dann reihum eiskaltes Wasser mit einem silbernen Strohhalm herausgeschlürft. Meine Mutter hätte ihre wahre Freude an dieser Tradition, weil wirklich jeder da seinen Rüssel reinhängt.

Unseren Zeitplan konnten wir natürlich nicht wirklich einhalten, weil unserem Vorhaben irgendwann die paraguayischen Freundlichkeit dazwischen kam. Vor lauter Freude, dass sich mal ein paar Leute aus der Stadt in die Pampa verirren, hatten die Leute mancherorts große Festlichkeiten organisiert. Aus riesigen Boxen schepperte uns zur Feier der Einweihung einer neuen Apotheke schon die lateinamerikanische Stimmungsmusik entgegen und mit vielen Küssen links und rechts wurden sowohl die Leute von der GTZ und Botschaft als auch die Journalisten begrüßt.

Anschließend folgten lange Dankesreden, bei dem sich einfach nur jeder bei jedem bedankte, ohne wirklich etwas auszusagen und eine Sicherstellung des wachsenden Schwimmrings um die Hüften durch paraguayische Köstlichkeiten. Nach über 12 Stunden Programm brauchte ich erst mal ne Siesta bevor um 21 Uhr abends dann ordentlich auf Kosten der Botschaft diniert werden konnte. An dieser Stelle sollte ich vielleicht zugeben, dass sich doch auch schon das ein oder andere Pfund auf meine Hüften gesellt hat. Schuld daran ist das viele Fleisch, dass ich jeden Tag esse. Es vergeht wirklich kein Tag an dem mir nicht irgendwo eine halbe Sau im Wecken oder irgendein Teil aus der Kuh angedreht wird. In diesem Land Vegetarier sein zu wollen ist glaube ich wirklich eine sehr große Herausforderung. Die Hilfsprojekte der Deutschen Botschaft sind im Gegensatz zu den detailliert durchdachten ganzen Programmen, die die GTZ auf die Beine stellt, eher ergänzend gedacht und verbessern punktuell an gewissen Stellen die Situation der Ärmsten im Lande. Bei manchen Hilfeleistungen hatte man das Gefühl, dass sie wie ein Tropfen auf dem heißen Stein kaum eine Wirkung zeigen. Vor allem wenn die Förderung eines Aspekts in einem Umfeld absoluten Armut diesen absolut grotesk erscheinen lassen. In einem Krankenhaus zum Beispiel wurde die Betreuung von behinderten Kleinkindern gefördert. Der für diese mit allem nötigen ausgestatteten Raum befand sich inmitten eines sehr armen Krankenhauses, das eigentlich sonst nur aus leeren Räumen besteht ohne Apparate, Medikamenten aber dafür reichlich Schimmel an den Wänden.
Besonders rührend war die Übergabe eines Spielplatzes an einen Kinderhort, in dem etwa 40 von ihren Eltern verlassene Kinder ein neues Zuhause gefunden haben. Eine einzelne ältere Dame hat es sich dort zur Aufgabe gemacht jeden Tag aufs Neue Spendengelder für die Kinder und sich zu sammeln, damit diese weiterhin zur Schule gehen, Essen, Trinken und Schlafen können. Wir waren alle überrascht, mit wie viel Einsatz und wie viel Geschick diese krebskranke Frau für die Kinder eine kleine heile Welt aus dem Boden gestampft hat.


Nach diesem zweiten sehr ereignisreichen Tag habe ich tatsächlich abends noch mal die Energie aufgebracht mit meinem Mitbewohner und einem anderen Deutschen zu einem Rockkonzert zu fahren. Wie immer stellte sich morgens um vier dann die Frage, wie man denn wieder zurück nach Hause kommt, was nicht immer einfach ist in Asuncion. Thomas und ich sind dann kurzerhand hinten bei einem Laster aufgesprungen und sind unter offenem Himmel über die Landstraße nach Hause geholpert. Wäre da nicht das letzte Stück Weg zu Laufen gewesen, wäre es echt ein angenehmer Heimweg gewesen in der sehr lauwarmen Luft der Nacht. Samstagnacht war ich ein weiteres Mal mit dem lieben Juan Manuel aus. Im ordentlich gebügelten weißen Hemd stand er pünktlich vor meiner Tür. Er hat drauf bestanden mich daheim abzuholen (mit dem Bus wohlgemerkt), weil ich - „seine Prinzessin“ - unmöglich alleine Bus fahren könnte. Er wollte mir nicht verraten was den das Ziel unseres Ausfluges war und überraschte mich kurze Zeit später mit einem kleinen Auftritt seinerseits in einer Karaokebar. Mit einer gesanglich wirklich reifen Leistung gab er gleich zwei romantische lateinamerikanische Lieder zum Besten, während er mir mit seinen Bambiaugen zuzwinkerte. Allerdings fand ich dann doch dass er etwas überengagiert ist, als mir mein eigenes Antlitz, auf seinem Handy als Bildschirmschoner verwendet, entgegen blickte! Weil es sonst eigentlich eher ich bin, die andere Leute überfährt, fand ich es ziemlich amüsant aus Perspektive des Überfahrenen mal die Situation zu betrachten! Auch heute habe ich mich den ganzen Tag an den vielen kleinen Gedichten erfreuen können, die mir der junge Mann über das Handy ohne Unterlass zukommen lässt. Klassischer Fall von weit übers Ziel hinaus geschossen. Ich versuche schon verzweifelt, bei seiner viel zu schnell in Fahrt geratenen Euphorie die Bremse zu betätigen, aber wahrscheinlich bleibt mir nur der Notausstieg!
Pünktlich zum Mittagessen wurde ich von einem Mitglied des Lionsclubs nach Aregua abgeholt, wo die Übergabe eines bayrischen alten Feuerwehrfahrzeuges an die Feuerwehr vor Ort ordentlich gefeiert werden sollte.

Mitglieder der Presse werden hier wirklich immer besonders liebevoll hofiert und so wurde mir heute sogar über das Mikrophon für mein Dasein gedankt. Anschließend hatte ich die Ehre zur ersten Polka, die laut aus den überdimensionalen Boxen schepperte, mit dem Hauptmann zu Tanzen. Aus den üppigen Fleischbrocken, die auf dem riesigen Grill lagen hab ich mir mal wieder eines der größten Stücke rausgesucht, bevor ich mir anschließend den zweiten Nachtisch habe aufschwatzen lassen. Meine einzige sportliche Leistung heute bestand darin, die glücklichen Feuerwehrmänner, die erst mal den Umgang mit dem Schlauch übten und sich von oben bis unten nass spritzten und ordentlich im Dreck wälzten, zu fotografieren.


Zudem habe ich noch etwas Sightseeing betreiben können, weil meine persönliche Chauffeurin für den Tag sich anbot mir noch etwas die Stadt und die alte Eisenbahn zu zeigen. Nachdem ich dann eine Esseneinladung für die nächste Woche erhalten hatte, konnte ich dann den dezenten 42 Grad entkommen indem ich mich in meine klimatisierte Wohnung zurückzog.






















