Montag, 15. Dezember 2008

Landwirtschaft im großen Stil

Nachdem ich eine kleine Farm besichtigt hatte, stellte sich mir natürlich die Frage, wie genau sieht landwirtschaftliches Stillleben denn im großen Stil aus? Warum genau fahren die Großgrundbesitzer hier in Paraguay so große Autos und wie bewirtschaftet man ein großes Stück Land in Paraguay, wo die Regierung meist noch nicht mal dafür sorgen kann, dass das Stück Land auch an eine Straße oder an Strom und Wasser angeschlossen ist? Eine Arbeitskollegin von mir machte mich aufmerksam auf die Gruppe Espirito Santo, die nicht nur in Paraguay, sondern weltweit mit Erfolg investiert. Das Erfolgsrezept dieser Gruppe aus Brasilien ist, dass sie nicht einseitig investiert, sondern neben der Finanzbranche auch auf eine Reise- und eine Landwirtschaftliche Branche, so genannte „Real Assets“ vertraut. Mir bot sich ein Einblick in die Geschäfte der Gruppe in Paraguay durch einen Besuch der Estancia Golondrina. Wundervoll gemütlich reiste ich mit dem Direktor der Gruppe Espirito Santo in Paraguay in einem riesigen, durch eine Klimaanlage wohltemperierten Fahrzeug in Richtung der riesigen Wälder und Felder der Farm.





Über einen 17 km langen Erdweg, der von der Ruta 7 ungefähr bei km 235 abzweigt, gelangt man zum Eingang der riesigen Estancia mit Naturwaldreservat. Schon beim Überqueren einer vorbildlich in Stand gehaltenen Brücke erklärte mir der Direktor, dass dies alles von den Besitzern in Stand gehalten wird. Man zahlt in Paraguay zwar gerade mal 10 Prozent Umsatzsteuer, darf jedoch nicht erwarten, dass Wege, Strom oder Wasser einem irgendwie zur Verfügung gestellt werden! Träumerherzen, die sich nichts sinnlicher wünschen, als irgendwann auf dem eigenen Grund und Boden in Paraguay gewinnbringend zu wirtschaften, lässt ein Besuch auf dem 24 000 Hektar großen Grundstück im Departement Caazapa, höher schlagen. Da der Direktor wichtige Dinge zu erledigen hat, stellt er mir einen Forst- und einen Agrarexperten zur Seite, ebenso einen Tourismusverantwortlichen, einen Fahrer und einen großen Jeep und schickte mich los die Weiten der Estancia zu erkunden!

Jeder der Landwirtschaft im großen Stil bewundern möchte, kommt bei einer Fahrt durch das Gelände, vorbei an über 1000 Hektar Sonnenblumen-, 6000 Hektar Soja- und 500 Hektar Baumwollepflanzungen, auf seine Kosten.

Endlos schlängeln sich die angelegten Wege durch Urwald, Baumalleen, an Feldern und Weideland vorbei, bis ans Ende des Horizontes. Auch einen kleinen Einblick in die paraguayische Viehwirtschaft bietet sich dem Auge des Betrachters auf der Estancia: 1500 Rinder der Sorte Braford weiden auf den weitläufigen Flächen. Der komplette Zyklus, von der Reproduktion bis hin zum schlachtfertigen Vieh, wird auf den unterschiedlichen Farmen der Gruppe Espirito Santo in Paraguay vollzogen. Golondrina ist jedoch spezialisiert auf Landwirtschaft und überlässt den Hauptanteil der Viehzucht den anderen über das Land verteilten Estancias. Die hier grasenden Tiere erinnerten nur entfernt an die etwas mageren Kühe, die man auf kleineren Estancias bewundern kann.










Hier wird sich die Mühe gemacht, die Tiere mit Kraftfutter zu versehen in Phasen der Trockenheit. Um diese riesige Estancia erfolgreich bewirtschaften zu können, sind über 230 direkte Angestellte nötig, die in den Erntephasen durch zusätzliches Dienstpersonal ergänzt werden. Die Größenordnung in der die Estancia spielt, verdeutlicht sich an den riesigen Silos, die bis zu 6000 Tonnen fassen können, genauso wie am gigantischen Fahrzeugpark der sowohl Erntegeräte, Lastwagen als auch andere landwirtschaftliche Geräte zur Verfügung stellt.


1976 kam die Unternehmergruppe Espírito Santo nach Paraguay und erwarb den fruchtbaren Boden in Caazapa für gerade mal 130 Dollar pro Hektar. “Sieht man mal von den sich auf dem Boden befindlichen Ressourcen ab, kostet der Hektar heute in der Region um die 2800 Dollar”, erklärt Ingenieur Luis Arrellaga, Generaldirektor der Gruppe Espirito Santo Paraguay. 1977 wurde die Sociedad Agrícola Golondrina S.A. gegründet, die auch heute noch das Herz und Administrationszentrum der Aktivitäten von Espírito Santo Paraguay bildet. Ursprünglich befanden sich auf dem Grundstück 20 000 Hektar Urwald und 4000 Hektar Naturböden. In den ersten Jahren wurde das große Geschäft mit dem Abbau und Verkauf der Baumbestände gemacht, bevor sich ab 87 die heute noch bestehende Viehwirtschaft entwickelte. Auch die Gruppe Espirito Santo hat die Finanzkrise zu spüren bekommen. „Vor allem der Finanzsektor hat starke Einbußen machen müssen, während uns im Agrarsektor der Preisfall, verglichen mit den Spitzenwerten dieses Jahres, von um die 30-45% zu schaffen macht“, schildert Ingenieur Arrellaga. Er erklärt weiter, dass sich die unwahrscheinlich hohen Preise, die Mitte des Jahres erzielt wurden, durch diesen Einbruch nivelliert wurden und sich erst im nächsten Jahr zeigen wird, inwiefern die Finanzkrise für rote Zahlen verantwortlich sein wird.










Ein besonderes Merkmal der Estancia Golondrina ist die Naturwaldbewirtschaftung und die Pflege des Naturwaldreservats Ypetî. Auf über 50 % der Gesamtfläche befindet sich noch größtenteils unberührter Urwald. 2700 Hektar des tropischen Naturwaldes wird seit 2003 ökonomisch, sozial und ökologisch nachhaltig bewirtschaftet. Willson Fleitas ist der Verantwortliche für die Pflege und den Abbau der sich im Wald befindenden 65 Baumsorten. Zur Glaubwürdigkeit einer nachhaltigen Nutzung wurde eine Zertifizierung durch das „Forest Stewardship Council" vollzogen. Weil das Reservat ein hervorragendes Beispiel des für die Region typischen Waldes ist, wurde er zur „geschützten Wildnaturzone in privatem Besitz erklärt“. Das Dekret mit der Nummer 21.346 aus dem Jahr 2003 interessiert die in das Gelände einmarschierten Bauern jedoch wenig. Im Zuge der im Inland immer häufiger vorkommenden Belagerungen von Privatbesitz durch landlose Bauern verstehen die revolutionierenden Bauern den Naturwald als brach liegendes Land, das ihnen zur Verfügung gestellt werden könnte. Ein offener gerichtlicher Prozess gegen die Landbesetzer ist jedoch schon eingeleitet, ein Urteil gegen sie schon gefällt, das nur darauf wartet von der Polizei vollzogen zu werden. Da jedoch im Moment an allen Ecken und Enden im Land gegen Besetzer vorgegangen werden muss, kann schon mal eine gewisse Zeit vergehen, bevor man die nicht geladenen Gäste wieder los wird. In einem wunderschönen Landhaus nahm ich ein hervorragendes Essen zu mir. Journalisten werden in diesem Land wirklich ausgezeichnet behandelt. Mir wird eine kleine Fernbedienung in die Hand gedrückt. Diese betätigt die elektrische Glocke, die den Angestellten mitteilt, dass ich einen Nachschlag wünsche oder irgendetwas anderes wünsche. Da das Essen und der Service jedoch ausgezeichnet waren, habe ich diese nur betätigt, um mich bei den Angestellten zu bedanken und zu verabschieden.


Am Liebsten wäre ich gleich dort geblieben in dem schönen Haus inmitten von Kühen und Weiden, jedoch wollte ich rechtzeitig zum Abendessen wieder bei meinem Liebsten sein. Etwas traurig und total verwöhnt bestieg ich den überfüllten Bus zurück nach Asunción.

Sonntag, 14. Dezember 2008

Ein Sieg mit Hindernissen!

Endlich hat sich mal mein Startgeld rentiert! Einen grossen Teil meines Lohnes schleppe ich jeden Monat auf den Reitplatz. Einige Male habe ich mich schon im Sand der Piste wiedergefunden, immer mit dem Ziel, irgendwann einmal inmitten der vielen kleinen Mädchen und Jungs zu stehen und strahlend einen Pokal in die Höhe zu heben.

















Natürlich habe ich damit gewartet, bis irgendwann mal ein wirklich wichtiges Turnier kommt. Voller Aufregung fuhr ich mit dem lieben Peter (der seit geraumer Zeit auch in der Pension wohnt und uns doch schon etwas ans Herz gewachsen ist) auf dem Nebensitz zu dem weit entlegenen Reitplatz auf dem ein wichtiges nationales Turnier stattfinden sollte. Ganz in weiss gekleidet, ohne passendes Turnierjäckchen und ohne Peitsche, da die mir irgendwie abhanden gekommen ist, lief ich totla aufgeregt die Piste und die Hürden ab, um diesmal ja keinen Fehler zu machen. Peter und ich schauten erst den anderen Teilnehmern zu die meist im zur Satteldecke passenden Jäckchen auf ihren eigenen wundervollen Pferden mit Leichtigkeit die Hürden nahmen. Ich im Gegensatz dazu wurde drei mal aufgerufen, bis ich mit Alanis, dem armen Gaul, den schon die Hälfte der anderen Mitbewerber meines Reitclubs über die Hindernisse gequält hatte, endlich auf der Piste stand. Das Mädchen das vor mir dran war ritt zwar im vollen Galopp zurück zum Start, um mir nicht nur Pferd, sondern auch Turnierjäckchen und Peitsche zu geben, es liess sich jedoch trotzdem kaum verbergen, dass wir fast alle das gleiche Pferd benutzten. Mit hängenden Ohren kam der gute Alanis angewetzt und so konnte ich als "Rafaela Ramlis" nach dem Startgong losgalopieren. Da ich das letzte Mal als "Rafaela Ramirez" angetreten war, habe ich mich nicht weiter an der Tatsache gestört, dass wieder mein Name falsch auf den Startlisten stand. Ohne jegliche Probleme war ich durch durch den Hindernisparkur geritten ohne irgendetwas von meinem Umfeld mit zu bekommen. Im schnellen Galopp war ich sofort auch wieder zurück beim Reitlehrer und bei der der nächsten Mitstreiterin. Der arme Alanis war nach seiner hervorragenden Performance schliesslich noch nicht am Ende der Mitgliederliste unseres Clubs angekommen. Mein "Profe" Isaac lobte meinen eleganten Auftritt, aber auf meine Frage hin, in welcher Zeit ich den Parkour gemeistert hatte, meinte er nur, dass dies keine Rolle spielte, er sei schon glücklich das wir ohne runter zu fallen im Ziel ankommen würden. Aufgrund dieser Aussage wusste ich nicht, dass ich zusammen mit einem anderen Mädchen sehr nahe bei der Bestzeit lag. Als durch Lautsprecher verkündet wurde, dass ich den dritten Platz belegt hatte, musste ich erst noch mal ein passendes Jäckchen auftreiben, um den silbernen Pokal entgegen zu nehmen!
























Glücklich grinsend saß ich dann also auf dem total fertigen Alanis und war nur traurig darüber, dass nicht nur meine Familie anwesend sein konnte, sondern auch leider mein viel arbeitender Freund durch Abwesenheit glänzte. Als einziger Trost blieb mir die Tatsache, dass dieser Auftritt der "blonden Deutschen, die über Hindernisse springt" mir über die Grenzen von Asuncion hinaus zu Berühmtheit verhelfen sollte. Eine Woche später, in einem kleinen Örtchen irgendwo in Mitten der Pampa Paraguays, erzählten andere Turnierteilnehmer Freunden von mir, dass eine blonde Deutsche mit geliehenem Jäckchen und geliehener Peitsche, auf einem totmüden Tier dem dritten Platz entgegen gesprungen sei. Aufgrund dieser Leistung verlieh mir mein Reitclub kurz vor Weihnachten einen weiteren Pokal mit der Aufschrift "Vice Campeona Nacional", da ich die gleiche Zeit erzielte wie die Zweitbeste des Turnieres.






















Da sie jedoch während der Probe ein bisschen besser abgeschnitten hatte, landete sie auf dem zweiten Platz. Etwas gerührt brachte ich im vor Aufregung etwas holprigen Spanisch noch eine kleine Rede vor meinem Club zustande, die unbedingt ein paar Worte von ihrer einzigen Ausländerin hören wollten.



Der stolze Alanis, auch bekannt als Biest, da er eine Vorliebe hat unvorsichtigen Menschen mit der Hufe eins auszuwischen oder manchmal auch dazu tendiert nicht wirklich das machen zu wollen was sein Reiter gerne tun würde.





























Ich denke man sieht auf dem Bild deutlich, dass ich nicht unbedingt zu den jüngsten meines Reitclubs zähle!

Mittwoch, 10. Dezember 2008

Neulich in Asuncion bin ich fast auf der Strasse geschmolzen


Es gibt doch nichts schöneres, als an einem wirklich schön warmen Tag an der freien Luft arbeiten zu dürfen. In meinem Fall war dies jedoch nicht so sonderlich schön, da die Temperaturen im Zentrum von Asuncion unerträglich hoch kletterten. Ich war schon etwas überrascht darüber wie müde ich am Abend war, nachdem ich mir den ganzen Tag einen abgeschwitzt habe. Keine Frage diese Hitze schlaucht, auch wenn man sich nur ganz langsam durch die Strassen bewegt und bei jeder Gelegenheit Rast macht, um ein bisschen Wasser zu sich zu nehmen. Ein Blick in die Zeitung verdeutlichte mir am nächsten Tag das, was ich schon fast vermutet hatte: Wir erreichten einen Hitzerekord in Asuncion.

"In der Landeshauptstadt wurden am gestrigen Montag außergewöhnlich hohe Temperaturen registriert. Reporter der Zeitung ABC-Color gaben an, daß die Temperaturen auf den Strassen Asuncions zeitweise sogar auf 49 Grad Celsius angestiegen seien. Die Meßwerte der elektronischen Anzeigapparate an den zentralen Punkten der Hauptstadt seien vor allem deswegen auf derart extreme Werte geklettert, weil die starke Sonneneinstrahlung von der Asphaltdecke reflektiert wurde."

Bin ich froh, dass das Gewitter kurz danach die Stadt wieder ordentlich abgekühlt hat und wir uns jetzt wieder auf einem normalen Temperaturniveau bewegen!


Freitag, 21. November 2008

Abschiedsszenen






"Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei!"

Immer fett grinsend, wie auf jedem der Bilder, werden wir dich in Erinnerung behalten.

Montag, 10. November 2008

Massen von Fleisch, verschlungen für den Weltrekord






















Der vom Guinness-Buch der Rekorde entsandte Schiedsrichter, Ralph Hannah deklarierte, dass Paraguay einen neuen Weltrekord verzeichnen kann: In weniger als sechs Stunden wurden 36.141 kg Fleisch aller Art verschlungen.

Als solidarisches gemeinsames Grillen und als sportlicher Fleischesswettkampf wurde das „größte Barbecue der Welt“ beworben. Gemeinsam galt es einen Rekord zu schlagen, der 1996 in Pennsylvania erreicht wurde. Dort aß man 21.740 kg Fleisch innerhalb von acht Stunden. Da jeder gute Fleischesser in Paraguay sich dieses historische Wettessen nicht entgehen lassen konnte, war das Event auf dem Expogeländer in Mariano Roque Alonso am 26. Oktober 2008 schnell ausverkauft. Der Schwarzmarkt florierte, genauso wie die Agression derer, die weit angereist waren und keinen Einlass mehr fanden. In langen Schlangen reihten sich diejenigen vor der Grillstelle ein, die die Eingangshürde genommen hatten. Je näher man dem begehrten Fleisch rückte, umso dichter wurden die Massen und umso mehr hatte die Polizei zu tun, das mit Plastiktellern bewaffnete fleischlüsterne Volk unter Kontrolle zu halten. Die begehrten Stücke von Hals, Bauch und Rippe wurden aus Plastikkisten heraus verteilt oder einfach in die Menge geworfen, die sich an manchen Stellen gegenseitig das Ergatterte aus den Händen riss. Auf der anderen Seite der Absperrung - im Presse- und VIP-Bereich - wanderten die wirklich großen Stücke auf die Teller derjenigen, die ohne den ganzen Andrang etwas zivilisierter ihr Essen genießen konnten. Unbedacht warf man hier auch viel weg, weil man ja nicht wie das normale Volk um das Fleisch gekämpft hatte. Solidarisch hatten diese geladenen Leute jedoch, wie die Menschenmassen auf der anderen Seite auch, nur 15.000 Guaranies Eintrittsgeld gezahlt und sich mit ihren Autos durch die total verstopften Zufahrtsstraßen gekämpft.
Trauriges Fazit für viele der Besucher war, dass aufgrund des großen Andrangs nicht jeder der Anwesenden in den Genuss eines Stückes Fleisch kam.




Foto Nr. 1: Auf einem Gelände groß wie ein Fußballfeld standen die saftigen Stückchen dicht an dicht.
Foto Nr. 2: Über das ganze Expo-Gelände zog sich die Schlange der Fleischbegierigen.
Foto Nr. 3: Gierig streckten die Wartenden den Fleischverteilern ihre Teller hin.
Foto Nr. 4: Zur Hauptzeit mussten Polizisten die Menschenmassen zurückdrängen.
Foto Nr. 5: Ganz in Ruhe konnte dieser kleine Junge im VIP-Bereich das größte und saftigste Stück Fleisch vom Grill nehmen.

Sonntag, 9. November 2008

Im Inland von Paraguay

Idyllisch plätschert das Leben im Inland von Paraguay vor sich hin. Einem perfeken Stillleben gleicht die Landschaft, die rote Erde und die kleinen bunten Holzhäuschen der Campesinos.




















Holzwägen mit riesigen Rädern ziehen gemütlich über die Erdwege.



























Das was man zum Leben braucht bekommt man in kleinen Kiosken, die sich oft etwas versteckt in einzelnen Häusern finden lassen. Überall hängt Wäsche zum trocknen um die Häuser herum.


















Vereinzelt sieht man eine Bauersfrau, die noch beschäftigt damit ist die Wäsche in einer kleinen Holzschale zu waschen um sie anschliessend in einem mit Wasser gefüllten Gummireifen von der Seife zu befreien. Ein schönes sauberes Badezimmer sucht man im ländlichen Paraguay nahezu vergeblich. Kleine Holzhütten neben dem Haus dienen als Toilette, etwas grössere Hütten als Duschmöglichkeit. Einen Blick ins innere konnte ich leider nicht wagen, da ich nicht fragen wollte ob ich mal die Toilette dieser gastfreundlichen netten Menschen fotografieren darf.


















Das jedoch auch die Moderne in diese entlegenen Ecken des Landes eingezogen ist, zeigen die immer häufiger auftretenden Motorräder der vielen Jugendlichen, die meist viel Staub aufwirbeln. In den Statistiken wird dies als Zeichen dafür ausgelegt, dass selbst im Inland der Konsum und die Kaufkraft zunimmt als Beweis dafür, dass das Wirtschaftwachstum Paraguays auch beim armen Mann ankommt. Etwas was auf jeden Fall beim armen Bauern ankommt, ist die Hilfe der Deutschen Gesellschaft für technische Zusammenarbeit kurz GTZ genannt. Auch wenn sie zahlenmässig immer weniger vertreten ist, versucht sie doch immer noch so viel Einfluss wie möglich auf die Anbaumethoden der Bauern im Inland zu nehmen. Trotzig kämpfen die letzten 3 übrig gebliebenen gegen Brandrodung, gegen den Einsatz von künstlichem Dünger und versuchen nachhaltige Anbaumethoden zu vermitteln. Ohne grosse Erklärungen begreift man sofort, wenn man durchs Inland fährt, das die Verbreitung von nachhaltigen Umwelt- und Bodenschonenden Anbaumethoden bitter nötig ist. Nicht selten läuft man aus einem Stück übrig gebliebenen Naturwald heraus, und blickt auf ein abgebranntes Schlachtfeld, in dem die schwarzen verbrannten Baumstümpfe als Zeichen dafür in den Himmel ragen, das auch hier einmal ein schöner Wald gestanden hat.


















Das man den Naturwald auch pflegen und trotzdem einen Gewinn mit den Bäumen machen kann versucht die GTZ den auf dem Land lebenden Bauern zu vermitteln. Ohne Probleme kann man einen ausgewachsenen Baum aus dem Wald entnehmen und etwas Geld damit verdienen, wenn man darauf achtet, dass sich um ihn herum schon mehrere "Zukunftsbäume" gebildet haben.





















Auf diese Art und Weise erschöpft sich auch nicht die Möglichkeit mit dem Holz des Waldes Geld zu machen auf einen Baumschlag. Fakt ist auch, dass die Fruchtbarkeit des Bodens sehr schnell abnimmt, nach einer Brandrodung, wenn dem Boden nicht irgendwie die Nährstoffe zurück gegeben werden, die ihm entzogen wurden. Dann können nach einigen Ernten statt vorher 4000 kg nur noch 1800 kg Mais pro Hektar geerntet werden.























Frustriert über den niedrigen Ertrag brandrodet Bauer A gleich einen weiteren Hektar seines Grundstücks, während Bauer B, der von der GTZ beraten wird, Gründünger pflanzt. Auf natürliche Art und Weise steigert er so seinen Ertrag wieder auf 4000 kg pro Hektar und bleibt zudem im Besitz der wunderschönen Waldfläche auf seinem Grundstück. Freudig grinst Bauer B, der zwar grundsätzlich sehr glücklich ist über die neuen Methoden, die ihm die GTZ beigebracht hat, aber immer noch ein bisschen mit der Durchführung hadert. Eigentlich hätte er den Gründünger als er noch klein war abschneiden sollen, damit er den Boden bedeckt in dem der Mais gepflanzt ist und ihn gegen die starke Sonneneinstrahlung schützt. Nach der Hälfte seines Feldes hat ihn aber wohl irgendwie die Lust verlassen, deswegen stehen die trockenen viel zu gross gewachsenen Düngungspflanzen inmitten seiner Erntepflanzen. "Das ist doch kein Problem", sagt Bauer B, "die reiss ich einfach aus, wenn ich dann mal Ernten möchte"..... nachdem er seine Muskeln spielen lassen hat hält er auch voller Stolz den ausgerissenen Gründünger in seiner Hand. Nachdem er doch etwas ins Schwitzen geraten war eilt er schnell wieder zurück zu dem vorbildlichen Teil seiner Pflanzungen und lobt nochmal die Beratungsleistung der GTZ.






















Auf einem weiteren Stück Land hat er den Anbau von Zuckerrohr vorbereitet. Er weiss genau, was er ausgeben muss, um Zuckerrohr für die sich im Bau befindende Zuckerrohrverarbeitungsanlage anzubauen. Vergessen zu fragen hat er jedoch für wieviel diese Firma ihm den Zuckerrohr abnehmen wird. "Man muss das halt einfach mal probieren", versucht er sein Unwissen zu erklären. Wir drücken ihm die Daumen, das die Firma einen anständigen Preis zahlen wird. Seine Naivität zeigt wie wichtig es ist, dass Menschen, die ihm einen guten Rat geben ihm zur Seite stehen. Die Anzahl der von der GTZ bezahlten Techniker im Inland beläuft sich im Moment auf 58. Sie sprechen Guarani und vermittel die Methoden und Techniken, die die deutschen Entsandten ihnen beigebracht haben an die Bauern. Im nächsten Jahr sollen nur noch 30 Techniker zur Verfügung stehen, irgendwann garkeine mehr. Seit geraumer Zeit zieht Deutschland die Entwicklungshilfe aus Paraguay ab. In Zeiten der Bankenkrise, von Altersarmut, zurück gehenden Renten etc. ist der Fokus wieder mehr auf das eigene Land gerichtet. Dem deutschen Steuerzahler kann nicht mehr vermittelt werden, warum er dazu beitragen soll, dass Bauer B in Paraguay nicht mehr brandroden muss, sondern bessere Methoden vermittelt bekommt. Meckernd und mosernd kommt der deutsche Steuerzahler zurück in seine eigenen vier Wände, setzt sich vor seinen grossen Fernseher auf das gemütliche Sofa und wechselt schnell den Kanal auf dem eine der vielen Berichterstattungen über die Armut in der Dritten Welt übertragen wird.

Montag, 20. Oktober 2008

Regen Regen Tröpfchen- verwandelt die Strassen in Flüsse

Schlimme Regengüsse hab ich ja jetzt doch schon oft genug mitbekommen. Letzte Woche wurde mir jedoch ganz anders zu Mute, als mein Auto den Fluss der sich in der Strasse gebildet hatte, kaum noch passieren konnte. Mutig kämpfte sich der kleine Gol durch die Wassermassen, während ich hinter dem Steuer immer kleiner wurde.

Mit Schrecken las ich dann heute diesen Zeitungsartikel: Genau auf dieser Strasse war ich mit meinem Gol am selben Tag geschwommen. Zum Glück zeitlich etwas vor diesem Unglück:


ABC Zeitung:
Asuncion: Unfall durch Unterspülung. - Gestern haben die Regenfälle in der Landeshauptstadt auf der Strasse San Martin einen erheblichen Schaden bewirkt. Durch die Wassermassen wurde die Asphaltdecke auf der Kreuzung San Martin-Andrade unterspült und brüchig. Ein Omnibus der Linie 28, der die schadhafte Stelle überfuhr brach unvermittelt in die dünne Strassen-Decke ein. Dabei wurden mindestens sieben Bus-Insassen verletzt. Durch den Einsturz entstand ein Loch von etwa 4 Metern Durchmesser und fast 2 Metern Tiefe mitten auf der Fahrbahn. Wie Ingenieur Germán Fleitas von der Munizipalität in Asunción mitteilte, liegt an dieser Stelle unter der Fahrbahn ein verborgener Abfluss. Durch die grossen Wassermassen sei wahrscheinlich von unten her eine Art Saugeffekt entstanden, der das Material unter der Asphalt-Schicht weggespült hat. Die Einsturz-Falle mußte also für das nächste ausreichend schwere Fahrzeugdecke zum Verhängnis werden, ohne das irgend jemand davon hätte wissen können. Die Munizipalitäts-Angetsellten arbeiteten noch am gestrigen Nachmittag intensiv an der Reparatur der Anlage. Dazu musste die Vertiefung nochmals vergrössert werden um die unterirdische Leitung aus dem Jahr 1995 zu restaurieren. (abc)