Sonntag, 30. September 2007

Tag 7 (20.09.09)

Time to relax and take it easy! Ganze 40 Minuten holperten wir gleich um 10 Uhr morgens mit abartiger Geschwindigkeit, wenn die Straße nach unten ging und absolutem Schneckentempo den Berg hinauf, nach Trinidad. Die Kurven haben uns ganz schön zugesetzt und bevor der Bus dann über einen Fluss, der über die Straße seinen Weg gefunden hatte, fuhr, stiegen wir zum Glück aus. An einem Strand nach dem anderen, mit jeweils unterschiedlichem Ambiente, wurde von uns Probe gelegen.
Die Felsen am ersten animierten zum Klettern, die langen Weiten des nächsten luden zum Laufen ein, während wir anschließend an einem Strand mit besonders schönen barracs (Essensstationen) einen leckeren Fisch zu uns nahmen.
Den Hintergrund bildeten jeweils die saftig grünen Bäume und Palmen des Urwaldes, über dem recht mystisch Nebel schwebte.






Da Rolf und mir dann doch irgendwie die Action der letzten Tage fehlte, blieb uns wohl nichts anderes übrig, als die fehlende Bewegung durch reichlichen Bierfluss und Caipischlürfen zu ersetzen. Zudem hatten wir endlich Zeit uns einer ausgiebigen Fotosession zu widmen.


Mit der ersten leichten Bräune sind dann ja auch die Ergebnisse gleich viel besser und wo die Bräune noch fehlt kann man sich ja immer noch Sand auf den Körper kleben ;-)
Etwas angeheitert stiegen wir dann wieder in den Bus und genossen die aufregende Fahrt noch mal leicht angeheitert. Rolfs Balance war dann leider doch schon etwas gestört, so dass er etwas unfreiwillig einmal den Sitz verließ um etwas verwirrt durch den Bus zu schlittern. Abends hatten wir uns für Sushi entschieden. Dies war leichter gesagt als getan, weil erst mal ein passender Laden dafür gefunden werden musste. Aber zum Glück gab uns die Touristeninformation eine genaue Wegbeschreibung und markierte das Restaurant mit einem Kreuz auf einer Karte der Stadt. Nach 15 Minuten laufen mussten wir dann leider feststellen, dass an dieser Stelle noch nicht mal ein Haus stand. Aber da man ja im Urlaub ist lächelt man nur kurz darüber und isst halt irgendwo anders!

Tag 6 (19.09.07)

Es gibt nichts besseres als Reisetage. Ordentlich durchgeschüttelt kamen wir nach 4 Stunden Fahrt in Paraty an: Einer kleinen kolonialen Stadt am Strand der Ostküste Brasiliens, mit vielen alten Kirchen und Steingebäuden und kunstvollem aber unpraktischem sehr unebenem Kopfsteinpflaster.

Die Anziehungskraft geht in Paraty von den 65 Inseln und mehr als 300 Stränden aus, die in der direkten Umgebung zu finden sind. Aber erst mal musste mit Hilfe des „Lonely Planet“eine Unterkunft gefunden werden. Etwas verwöhnt von der bisherigen Bleibe, waren wir natürlich etwas enttäuscht über den typischen Jugendherbergsflair mit etwas chlorig riechendem Badezimmer, komischen filzigen Bettbezügen und wunderschönen hölzernen Stockbetten. Das Frühstück wurde direkt vor unserem Zimmer auf einem einzigen großen Holztisch serviert.

Der nette Mann an der Rezeption bzw. dem Tisch gleich neben dem Frühstückstisch, war zwar überaus ansehnlich, aber mit der Tatsache, dass er längere Haare hat als ich und ständig ein viel zu breites Grinsen im Gesicht, konnte ich nicht so gut umgehen. Es gab sogar einen Videoraum. Man muss nur einmal um die Ecke, vorbei an privaten Häusern mit viel Babygeschrei und Hunden überall und dann ist da noch ein separater Raum, der irgendwie dazu gehört und mit allem eingerichtet wurde, was wohl irgendwo übrig gewesen ist. Nach einem kleinen Spaziergang durch die wunderschöne Innenstadt ließen Rolf und ich diesen Tag mit einem Video in dem eben beschriebenen Raum und anschließenden stundenlangen durch viel Bier am Laufen gehaltenen Gesprächen ausklingen.

Tag 5 (19.09.07)

Gestärkt durch leckeren selbst gepressten Maracujasaft starteten Rolf und ich rechtzeitig in Richtung Christo Cosmo Velo, von wo aus die Christo Redentor Statue besichtigt und ein wunderschöner Blick über Rio genossen werden konnte. Umgeben ist die Statue, abgesehen von den vielen Favelas und dem Zuckerhut (Pao de Acucar) vom Parque Nacional da Tijuca, dem größten Nationalpark innerhalb einer Stadt.
Da die Bilder für sich sprechen und ich viel wert darauf gelegt habe, dass die tausend anderen Touristen nicht zusammen mit uns auf den Bildern zu sehen sind, erspare ich mir alle weiteren Beschreibungen.


Anschließend standen Rolf und ich etwas orientierungslos an einer der vielen Busstationen, ohne uns darüber einig werden zu können, welchen der Busse wir jetzt nehmen sollten. Wir stellten mit Verwunderung fest, dass wir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten schon abgeklappert hatten und dass es wohl Zeit für einen Ortswechsel ist. Deswegen beschlossen wir die Busstation aufzusuchen, um unsere weiter Reise planen zu können. Die Busfahrt war wie immer ein Abenteuer. Allein aus der Vielzahl der Busse, die in einem enormen Tempo um die Kurve gefetzt kommen, den Bus auszuwählen, der einem zu dem Ort bringt an den man möchte, ist eine wahre Herausforderung. Zudem muss man genau diesen passenden Bus auch noch rechtzeitig durch Handsignale zum Halten bringen, bevor er auch schon wieder um die nächste Kurve verschwunden ist. Das Kleingeld passend zu haben, weil es gefährlich ist mit großen Scheinen zu zahlen, weil man ja immer beobachtet werden könnte, ist auch eine Herausforderung, da die Preislage von Bus zu Bus variiert. Erschwerend kommt hinzu, dass man sich ziemlich schnell abgewöhnt, einen Geldbeutel bei sich zu tragen, sondern versucht möglichst wenig Geld in kleinen Scheinen in der Tasche zu haben, für den Fall, dass man ausgeraubt wird. Wenn man die Bezahlung hinter sich gebracht hat, ist es gar nicht so leicht sich durch das rote meist etwas schwer gehende Drehkreuz zu schieben, das den vorderen Teil des Busses vom hinteren trennt. Zweck dieses Drehkreuzes ist es, dass man die Gebühr für die Fahrt bei der am Drehkreuz sitzenden zweiten Angestellten im Bus neben dem Fahrer entrichtet, bevor man im hinteren Teil des Busses den Ausgang benutzen kann. Bei flauem Magen ist grundsätzlich eher von einer Busfahrt abzuraten, weil die Fahrweise etwas gewöhnungsbedürftig ist und einen festen Handgriff erfordert!
Nur weil ich unbedingt ein Foto von einer Farvela (brasilianische Armensiedlung) haben musste, verließen wir nach dieser aufregenden Busfahrt die normalen Touristenpfade und schlichen mit dezentem Herzklopfen durch etwas zwielichtigere Gegenden. Zum Glück hat niemand „Buh“ gemacht, ansonsten wären wir wohl beide zu Tode erschrocken. Allerdings rutschte uns beiden schon etwas das Herz in die Hose, als ein typischer Halbstarker uns eine Weile folgte.
Nachdem das gewünschte Foto endlich in der Digicam war und wahrscheinlich auch verstärkt durch diesen Nervenkitzel, hatte Rolf mal wieder den Punkt erreicht, an dem er richtig unleidig wurde, weil er zu lange von der regulären Nahrungszufuhr abgeschnitten war. Es musste dringend eine Lokalität zum Befüllen des rolfschen Waschbärbauchs gefunden werden! Zu diesem Zweck eignete sich hervorragend das Zentrum, mit den vielen Orten an denen Essen vom Buffet nach Gramm bezahlt wird. Von dort aus konnten wir komplett ohne Karte, mit nur ungefähr 20-mal Fragen, nahezu vollständig selbständig nach Hause finden. Den Abend ließen wir dann in Gesellschaft der Pensionsbesitzer und einigen ihrer Freunde ausklingen. An diesem Abend fiel mir das erste Mal so richtig auf, dass die erste Zeit in Paraguay wohl ziemlich hart für mich werden wird, wenn Rolf nicht mehr an meiner Seite ist und für mich übersetzt und als wandelndes Wörterbuch das Fehlen der vielen noch nicht gelernten spanischen Wörter ausgleicht! Im Allgemeinen stelle ich fest, dass ich im Gespräch nicht wie gewohnt versuche so viel wie möglich meinen eigenen Senf einzubringen, sondern mir nicht viel anderes übrig bleibt, als Rolf beim Sprechen zu beobachten und zu versuchen kein Kopfweh zu bekommen, bei den vielen unbekannten spanischen Wörtern, die ich meine im Portugiesischen entdecken zu können. Diese Rolle als unfreiwilliger Zuhörer gefällt mir gar nicht muss ich zugeben und wird mich wohl schwer dazu animieren, möglichst viel Spanisch zu lernen!

Tag 4 (17.09.2007)

Dieser Tag fing aufgrund der Tatsache, dass wohl der letzte Caipi schlecht gewesen sein muss, leider etwas später an als der vorangegangene. Erst um die Mittagszeit fanden Rolf und ich uns im „Centro“ wieder.





















Diese Location war jedoch bei leichtem Kater sehr schlecht gewählt, weil der Geräuschpegel, der schnelle Herzschlag des Zentrums und die vielen geschäftigen Menschen in Kombination mit leichter Müdigkeit fast zu viel für einen sein können.












Mit einem größeren Batzen gerade abgehobenem Geld und sehr wertvollen Digitalkameras kämpften wir uns aufmerksam und wachsam über sehr unregelmäßiges Kopfsteinpflaster vorbei an lauter Geschäften, die Nähmaschinen für die Tasche, Klobrillen mit Motiv drauf, sehr billige aber irgendwie merkwürdig aussehende Markenschuhe und andere in allen möglichen Farben schilernde Verkaufsgegenstände, die über Mikrophone beworben oder mit Musik unterlegt wurden, zum Verkauf anboten.

Aus der Enge der Straßen entflohen wir nach einem Kaffee in ein aus der Kolonialzeit übrig gebliebenes imperialistisches Gebäude mit riesigen Spiegeln an der Wand (Confeiteria Colombo),
















in die Stille Umgebung der Lagune (Lagoa Rodrigo de Freitas) in der Nähe von Lebla.










Geplagt von akuten Magenschmerzen und einem kaputten Knie (Rolfs waghalsiger Sprung von der Terrasse in unser Zimmer führte zu einer kleiner Kollision mit der Bettkante!) schlenderten wir bei dem leider ziemlich schlechten Wetter nur mit sehr mäßiger Begeisterung vorbei an Bäumen mit interessanter Verwurzelung und exklusiv aussehenden Hotelanlagen.

Wir waren froh, anschließend endlich in einem Restaurant mit gemäßigten Preisen etwas zähes Fleisch zu uns nehmen und vor allem Sitzen zu können. Highlights des heutigen Tages waren für mich erstens der Moment in dem die Magenschmerzen nachließen und zweitens die klassische Musik im Bus, die die eng zusammen gezwängten vielen Menschen im Bus relaxen ließ. Außerdem genoss ich sehr die Gesellschaft einer der Katzen des Hauses, die den Schlafplatz gleich neben mir eingenommen hatte bis sie von Rolf verscheucht wurde.

Dienstag, 18. September 2007

Urlaug in Brasilien 3

Tag 3:
Dementsprechend früh starteten wir um 6 Uhr morgens dann auch in den nächsten Tag. Auf dem Plan standen entsprechend der gängigen Touristenpläne erst mal die Copacabana und der Strand von Ipanema. Jedoch war uns ein in der Sonne liegen bis zum Abend nicht möglich, da wir von viel zu vielen unbekannten und fremden Sinneswahrnehmungen (wie zum Beispiel ein viel zu klein geratener Hund namens Pudel Zero) und Angeboten nahezu erschlagen wurden.

Zudem mussten wir uns erst mal mit dem nötigsten, wie neuen Schmuckstücken, einem Cowboyhut, einem Strandtuch, einem Armband und diversen anderen dringend erforderlichen Utensilien auf dem „Hippie-Fair“eindecken. Auf diesem Markt entdeckten wir einen Essenstand, mit einer besonderen Auswahl an uns völlig unbekannten Gerichten.
Nach eingehender Beobachtung der schwarzen Muttis in interessanter gardinenartiger Kleidung und der Feststellung, dass die schleimige Konsistenz mancher Gerichte auf keinen Fall schmecken konnte, bestellten wir uns gleich zwei Portionen von einem besonders abstrakt aussehenden Essen.

Ueberaus wagemutig und mit verzerrtem Gesicht nahmen wir dieses dann bis auf den letzten Bissen zu uns.
Es war wohl eher der sportliche Ehrgeiz und die Höflichkeit gegenüber den Eingeborenen, die uns mit freudig strahlenden Gesichtern beim Essen beobachteten, der uns dazu brachte die ekligen Brechreizverursachenden Konsistenzen hinunter zu würgen. Die mit Furcht erwartete Magenverstimmung blieb jedoch aus.

In absoluter Hochstimmung, weil wir ja aufgrund des tollen Preisleistungsverhältnisses so viel gespart und zudem absolute Unikate erworben hatten (bis auf Rolfs Cowboyhut, den es an jeder Ecke für billiger gab, obwohl versichert wurde, dass er von Hand und mit viel Liebe genäht worden war) konnten wir nach einem sehr ausgedehnten Spaziergang auf der Strandpromenade dann doch endlich Sand unter den Füßen spüren.
Bewaffnet mit einem Caipi und einer Kokusnuss in der Hand widmeten wir uns mit viel Hingabe der Fleischbeschau.

Unser Blick blieb jedoch leider nur viel zu oft an ungeheuren Fleischmassen hängen, die sich in der Sonne bruzelten oder in wogenden Bewegungen und aus gutem Grund die Promenade entlang joggten.


Natürlich fehlten jedoch auch nicht die nur mit einem kleinen Schnürchen bedeckten braun gebrannten knackigen Hinterteile und die beim Liegen immer noch formvoll nach oben gerichteten Silikonkisssen, die wir erwartet hatten. Der Blick vom Strand aus auf den Zuckerhut ist zwar unvergleichlich schön, aber mit uns teilten sich diesen genauso wie jeden einzelnen Quadratmeter am Strand wahre Massen von Menschen.

Das Rauschen des Meeres wurde nahezu vollständig überlagert von der Geräuschkulisse und zudem jeder Menge laut schreiender sehr kapitalistischer Verkäufer, die den Sonntag dazu nutzten um uns alle möglichen Dinge anzudrehen. Neben den üblichen Sonnenbrillen und gekühlten Getränken war ein besonderes Highlight der direkt vor einem in einem kleinen mitgebrachten Ofen gegrillte Käse!



Als sehr spannend empfanden wir auch die sehr ausufernde Gays and Friends Stelle am Strand, die großzügige Blicke auf züngelnde Frauen und sich in liebender Umarmung befindender Männer freigab, die nichts mehr von ihrer Umwelt wahrzunehmen schienen. An dieser Stelle habe ich zu meinem großen Ärger und Unmut leider auch die größte Masse an muskulösen Männeroberkörpern festgestellt.












Trotz dieses üppigen Tagespensums an Attraktionen rafften wir uns am Abend noch dazu auf mit den Locals (sprich der Hausbesitzerin und einer Bekannten) ein typisches einheimisches Sambatanzlokal mit Livebands aufzusuchen. Die Cariocas feiern nämlich mit Vorliebe und am ausgiebigsten den Sonntag, weil ja jede Sekunde ausgenutzt werden muss, bis am nächsten Tag dann die Arbeit wieder losgeht. Begrüßt wurden wir schon vor der Bar von einer sich im Rhythmus der laut auf die Straße schallenden Musik bewegenden Menschenmasse, aus der sich besondern ein einzelnen älterer Mann hervortat. Mit einem Grinsen, das im Gesicht festgetackert zu sein schien bewegte er sich besonders ekstatisch und viel Leidenschaft. Die Musik war ausgesprochen gut und die Bandbesetzung wechselte mehrmals je nach Lust und Laune der Feiernden, die sich abwechselnd entweder mit Instrument oder auf der Tanzfläche betätigten. Scheu vor Fremden wurde auch nicht an den Tag gelegt und nach ein bis zwei Caipis fand ich mich auch schon in den Armen eines rassigen schwarzen Latinos, der mit eher mäßigem Erfolg versuchte mir seinen Rhythmus aufzuzwingen. Ich habe mich zuerst sehr geschmeichelt gefühlt bei den vielen Komplimenten, die auf mich niederprasselten. Spätestens nachdem ich die selben Worte zum dritten Mal von unterschiedlichen Männern gehört hatte, erkannte ich jedoch das Schema dahinter, das mit möglichst wenig Anstrengung und Kreativität zum erwünschten Ziel führen sollte: Einem Kuss oder mehr. Eine nett formulierte, höfliche Absage hatte leider auch nicht die gewünschte Wirkung wie in Deutschland, sondern führte zu lang andauernden Verhandlungen und jeder Menge Feilschen, bis man entweder nur noch die Flucht ergreifen konnte oder sich doch zu etwas hinreißen ließ (Ich sage dies nicht aufgrund von Erfahrungswerten, sondern aufgrund von beobachtetem Verhalten von geschlechtsreifen Großstädtern aus Rio zur Paarungszeit). Auch die Beliebigkeit beim Tanz- und Balzverhalten war sehr überraschend. Jeder Anwärter war obwohl er tiefe Trauer mimte, nicht wirklich lange so betroffen über eine Absage, wie er vorgegeben hatte, sondern versenkte spätestens eine halbe Stunde später schon seine Zunge in einer anderen Dame seiner Wahl um kurz danach sich ein neues Wahlobjekt zu suchen. Rolf erfreute sich im Gegensatz zu mir sehr an der Tatsache, dass jedes Mädchen nach nur sehr kurzem Einleitungsgeplänkel dazu bereit war, mit ihm Spanisch zu Tanzen! Im Paradies wähnte sich auch ein viel zu klein geratener Tänzer, der im Laufe des Abends wohl in nahezu jedem verfügbaren Dekoltee klebte. Nachdem er auch meines besucht hatte war ich über das Antreten des Heimwegs nicht gerade unglücklich.

Urlaub in Brasilien 2

Tag 2:
Auch am nächsten Morgen konnte Rolf den Zwang vor dem Boarding Spanisch Tanzen zu gehen nicht unterdrücken. Er war jedoch diesmal in der Lage seine rotierende Hüfte rechtzeitig in Richtung Sicherheitsschleuse zu schwingen. Nach 11 Stunden Flug machten wir die erste Bekanntschaft mit der gelassenen Art und Zeitwahrnehmung der Brasilianer. Vor der brasilianischen Passkontrolle verbrachten wir ganze 2 Stunden zusammengepfercht in einer Schlange, bis wir dann ohne jegliche Eile unseren Stempel in den Pass bekamen. Erheitert wurde die Wartezeit jedoch durch Laolawellen der etwas gereizten, aber sich in Urlaubslaune befindenden Passagiere, die auf ironische Art und Weise die Arbeitstätigkeit der Kontrolleure bejubelte und kontraproduktiv zusammen mit einem in den Hallen verirrtem Vogel für noch mehr Ablenkung von der anstrengenden Stempelarbeit sorgten.

Im Gegensatz zum Vogel konnten wir anschließend recht schnell den Ausgang finden und befanden uns schon kurze Zeit später in einem einheimischen Bus, von dem in jedem Reiseführer aufgrund der hohen Kriminalitätsrate in Rio abgeraten wurde. Mit krampfhaft umklammerten Reisetaschen waren wir jedoch sehr überrascht, dass sich gleich 5 Einheimische gemeinsam beratschlagten, wie die Touristen am Besten ihren Bestimmungsort erreichen können und wer uns wie dabei helfen kann. Wir wurden zudem mit jeder Menge guter Ratschlägen versorgt. Zum Beispiel war der erste an mich gerichtete Satz der Cariocas (Rios Einwohner): Relax, take it easy! Memo an mich an dieser Stelle war, dass ich wohl öfter mit Rolf Spanisch Tanzen sollte, um etwas lockerer in der Hüfte zu werden und mich besser in meiner neuen Umgebung einzufinden.


Ausgesprochen gut war die von Rolf gewählte Unterkunft im Künstlerviertel Santa Teresa.
















Wir waren sehr überrascht über die sehr kreativ eingerichtete private Pension, die bestückt war mit vielen Kunstobjekten und Bildern und weit entfernt war vom erwarteten, üblichen Jugendherbergscharme.

Der direkte Zugang der Zimmer zum großen Balkon mit Pool und gigantischem Ausblick über Rio, das biologisch hochwertige mit viel Liebe zubereitete Frühstück (inklusive selbst gemachtem Mangosaft, Joghurt und Kuchen und wundervollem Ausblick ueber Rio),



















die persönlichen und individuellen Stadt- und Barführungen sind neben kostenlosem Internetzugang nur eine kleine Auswahl der unerwarteten Annehmlichkeiten, die Rolf und mich überaus erfreuten. Der erste Abend in Rio endete jedoch trotz großartiger Partyplanungen in einem ziemlich zeitigen Bettgang aufgrund von akutem Jetlag, nachdem wir wenigstens noch mit letzter Kraft unser erstes typisch einheimisches Essen (interessant schmeckender schwarzer Bohneneintopf mit Fleisch und Wurst und als Beilagen Reis mit grünem Zeugs und Semmelbröselartigem nach Käse und Schinken schmeckenden Zeugs) zu uns genommen hatten.







Urlaub in Brasilien 1

Tag 1:
Unser Trip begann mit einem Fehlstart. Nachdem Anisha (an dieser Stelle ein ganz fetter Knutscher und Dank an mein überaus liebreizendes Abschiedskomitee) und ich und auch Rolf uns trotz wahnsinnig früher Abflugzeit rechtzeitig am Flughafen eingefunden hatten, musste Rolf noch mal kurz vor der Sicherheitskontrolle „Spanisch Tanzen“ gehen und vermasselte uns deswegen den frühen Flug nach Lissabon. Zugegebenermaßen war auch eine gewisse Teilschuld bei der bösartigen Dame beim Boarding zu finden, die aus erzieherischen Gründen entschied zwar noch reguläre Passagiere, aber keine Standbyler mehr an Board zu lassen. Diesem Umstand verdankten Rolf und ich einen ungeplanten aber wunderschönen Tag in Lissabon, bis wir am nächsten Tag weiter nach Rio fliegen konnten. Der dicke Südamerika Reiseführer war leider keine große Hilfe in Portugal, aber auf gut Glück war ziemlich schnell ein billiges Hotel gefunden, das jedoch nicht unbedingt den Michelin-5-Sterne-Ansprüchen genügte. Passend zum Hotel genossen wir auch ein billiges, ausschließlich der üppigen Nahrungszufuhr dienendes Mittagessen für 6,50 Euro, in einem überaus romantischen Kellergewölbe mit wirklich gar keinem Ambiente.



Eine wirkliche Entschädigung war dann jedoch unser kleiner Ausflug auf das Schloss, wo wir etwas dreist auf einer dort stattfindenden Privatparty noch ein bis zwei Gläser Wein abstauben konnten. Blöderweise sind wir bei einem unverhofften Gespräch mit dem Gastgeber der Konferenz über künstliche Intelligenz dann doch aufgeflogen, weil Rolf und mir zu diesem Thema leider nicht viel mehr einfiel als einen hochroten Kopf zu bekommen und zu versichern, dass wir davon ausgegangen sind, dass der Wein im Eintrittspreis des Schlosses inklusive gewesen wäre. Nachdem der Gastgeber uns gebeten hatte keine weiteren Passanten zum Trinken zu animieren und uns unauffällig zu verhalten durften wir jedoch unseren Wein noch zu Ende austrinken. Anschließend ließen wir hoch über den Dächern Lissabons mit „grünem Wein“ (unserem Verständnis nach wohl einer Art Prosecco) und Oliven den Abend ausklingen.